Curevac Aktie startet durch

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Zum Wochenauftakt macht die Curevac Aktie einen Sprung nach oben. Biontech bleibt beliebt, Vektorimpfstoffe werden zum Ladenhüter. (Foto: Roland Magnusson / shutterstock.com)

Seit dieser Woche ist sie aufgehoben: Die Priorisierung der Impfgruppen in Deutschland. Sie hatte in den vergangenen Monaten dafür gesorgt, dass Menschen mit erhöhtem Risiko einer Infektion oder eines schweren Krankheitsverlaufs vorrangig gegen Covid-19 geimpft werden.

Senioren zählten dazu, Beschäftigte in Gesundheitsberufen sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Mehrfach wurden die Gruppen erweitert, die Priorisierungsreihenfolgen umgestellt – und längst haben nicht alle, die zu einer der ersten drei Priorisierungsgruppen zählen, ein Impfangebot erhalten.

Impfen für den Urlaub – reine Theorie

Dass nun dennoch die Verbindlichkeit der Priorisierung entfällt, dürfte dementsprechend vor allem politische Gründe haben: Viele erhalten damit die Möglichkeit, sich noch rechtzeitig vor den Sommerferien vollständig impfen zu lassen, um möglichst unbeschwert in den Sommerurlaub zu verreisen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit – denn es funktioniert nur in der Theorie.

In der Praxis herrscht nach wie vor ein eklatanter Impfstoffmangel, der durch zunehmende Beschränkungen in der Empfehlung zur Verabreichung noch weiter verschärft wird. So soll das Vakzin von AstraZeneca vorrangig an ältere Menschen über 60 Jahren verimpft werden, die jedoch häufig ein anderes Präparat für sich einfordern. Für Jugendliche ab 12 Jahren ist bis dato ausschließlich das Präparat von Biontech/Pfizer zugelassen. Eine Vorzugsimpfung für diese Altersgruppe lehnt die Ständige Impfkommission dennoch ab. Selbst ein Durchimpfen der Schulklassen bis zum Beginn des neuen Schuljahrs im August steht damit auf der Kippe.

Lieferengpässe: Impfkampagne gerät ins Stocken

Zudem halten sich viele Impfstellen von Betriebs- bis Hausarzt weiterhin an die zuvor geltenden Priorisierungsregeln – und bevorzugen bei der Terminvergabe jene Gruppen, die als besonders stark gefährdet angesehen werden. Der potenzielle Tourist muss hingegen noch warten.

Bedingt durch Produktionsschwierigkeiten, Lieferengpässe sowie verspätete Impfstofflieferungen bliebt auch der für Anfang Juni erwartete zusätzliche Impfstoff aus – verfügbar sein werden die Mehrdosen nun wohl erst in der zweiten Monatshälfte. Daraufhin wurde die Vergabe von Terminen für die Erstimpfung vielfach gestoppt, um genügend Vakzine für die fälligen Zweitdosen bereithalten zu können.

Wer nun also mit der Aufhebung der Priorisierungsregeln auf einen raschen Impftermin gehofft hatte, dürfte enttäuscht sein – und die eigene Frustration einmal mehr dem verantwortlichen Bundesgesundheitsminister zuschieben, der zuletzt auch wegen der massenhaften Bestellung offenbar mangelhaft wirksamer Schutzmasken in die Kritik geraten war.

Biontech bleibt beliebt – Vektorvakzine werden zum Ladenhüter

Unterdessen verlagern sich die deutsche sowie die europäische Impfkampagne zunehmend auf Biontech/Pfizer. Für Milliardenbeträge wurden hier die Bestellungen ausgeweitet, während die Lieferverträge mit AstraZeneca voraussichtlich schon bald auslaufen werden.

Auch die große Hoffnung, die zeitweise in das Präparat von Johnson & Johnson gesteckt wurde, ist inzwischen verblasst: Als bislang einziger Impfstoff reicht hierbei eine einzelne Dosis, ein Zweittermin einige Wochen später zum Erreichen des vollen Schutzstatus ist nicht erforderlich.

Weil er jedoch – ebenso wie AstraZeneca – auf der Vektortechnologie basiert, steht er im Verdacht, seltene, aber potenziell tödliche Nebenwirkungen wie Hirnvenenthrombosen verursachen zu können. Zulassung und Empfehlung bleiben zwar erhalten, der Ruf des Impfstoffs aber hat in der Öffentlichkeit durch die Berichterstattung gelitten.

Curevac: Womit der Nachzügler auftrumpfen kann

Bei den auf der neuartigen mRNA-Technologie basierenden Impfstoffen steht mit Curevac ein drittes Präparat in den Startlöchern. Das Vakzin der Tübinger Forscher befindet sich allerdings noch immer in der klinischen Phase-III-Studie, bis zu einer Zulassung dürfte es also noch eine Weile dauern. Dann allerdings könnte sich Curevac als Heilsbringer vor allem für die vielen weniger reichen Länder erweisen – denn das Präparat benötigt weniger RNA als die Konkurrenzprodukte von Biontech und Moderna, kann dafür aber deutlich länger bei normalen Kühlschranktemperaturen gelagert werden.

Gerade die Lagerungsfähigkeit ist ein bedeutsamer Vorteil, gerade in den Ländern des globalen Südens, in denen oftmals deutlich höhere Außentemperaturen herrschen und ein ununterbrochenes, extremes Herunterkühlen schwerer umzusetzen ist als etwa in Europa mit seinen dicht verflochtenen Lieferketten.

Weltweiter Bedarf weiterhin vorhanden

Während man Biontech im vergangenen Jahr auf volles Risiko gesetzt hat, sich früh auf einen Kandidaten in der Pipeline festlegte und noch vor der Zulassung in die massenhafte Produktion eingestiegen ist, wurde bei Curevac länger getüftelt. Während die Mainzer besonders schnell einen Impfstoff liefern konnten, will man aus Tübingen ein besonders hochwertiges Präparat mit verbesserten Eigenschaften zur Verfügung stellen – was dann eben entsprechend länger dauert.

Dennoch könnte – bei erfolgreicher Zulassung – ein ordentliches Stück vom Kuchen übrigbleiben, den perspektivisch wohl vor allem die Hersteller mRNA-basierter Vakzine unter sich aufteilen dürften. Die guten Aussichten bei Curevac schlagen inzwischen auch auf die Stimmung der Anleger durch: Die Curevac Aktie schoss zum Wochenauftakt um knapp 8 Prozent in die Höhe. Auf Wochensicht notiert das Papier rund 15 Prozentpunkte im Plus, binnen eines Jahres hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.

Biontech Aktie: Verdoppelt in weniger als 3 Monaten

Doch auch bei der Biontech Aktie ist der Erfolgskurs ungebrochen: Die Anteilsscheine des Mainzer Unternehmens haben sich in gerade einmal zweieinhalb Monaten verdoppelt, auf Jahressicht liegt der Anteilsschein mehr als 350 Prozent im Plus – ein Überraschungssieger der Pandemie, den zuvor kaum jemand auf dem Zettel hatte.

Das dürfte sich in Zukunft ändern. Das Geschäft mit dem Impfstoff läuft glänzend und dürfte noch weiter an Fahrt aufnehmen. Die dadurch generierten Gewinne können wiederum genutzt werden, um auch die anderen Forschungsbereiche stärker voranzutreiben – denn eigentlich soll die mRNA-Technologie noch ganz andere Probleme lösen.

Der Impfstoff war da eher ein zufälliges Nebenprodukt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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