Pfizer, Moderna, AstraZeneca: Immer mehr Impfstoffe verfügbar

Pandemic concept, close up of scientist injecitng vaccine into the earth

Drei Präparate sind in der EU inzwischen zugelassen. Bei Anlegern hoch im Kurs stand zuletzt die Moderna Aktie. (Foto: rangizzz / Adobe Stock)

Es kommt Bewegung in die Impfkampagne der EU: Nach Biontech/Pfizer und Moderna erhält nun auch AstraZeneca die Zulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19. Insgesamt stehen damit drei Präparate zur Verfügung, die in den kommenden Monaten verimpft werden können.

Der Nachschub kommt gerade recht: Ungefähr zeitgleich mit der Meldung über die Zulassungsempfehlung für AstraZeneca machte in der vergangenen Woche die Nachricht die Runde, dass Pfizer kurzfristig weniger Impfdosen wird ausliefern können als ursprünglich zugesagt. Hintergrund ist der Umbau von Produktionsanlagen, um deren Kapazität zu erweitern. Der Engpass ist demnach nur von kurzer Dauer, die Rede ist von zwei bis drei Wochen – doch betroffen als Abnehmer ist lediglich die Europäische Union. Andere Kunden werden weiter normal beliefert.

Engpass bei Pfizer

Das mag zum einen damit zusammenhängen, dass die Produktionsstätte, um die es geht, in Europa angesiedelt ist und möglichst regional produziert werden soll, nicht zuletzt aufgrund der erforderlichen Tiefkühlung des Impfstoffs während des Transports. Zum anderen aber wird moniert, dass die EU im Vergleich zu anderen Abnehmern einen deutlich niedrigeren Preis ausgehandelt hat. Die USA oder Israel zahlen für den Impfstoff von Biontech und Pfizer demnach erheblich mehr – und werden demzufolge womöglich bei der Lieferung bevorzugt.

Ein Mehr an Impfstoff soll in der EU nun dadurch verfügbar gemacht werden, dass aus einer Ampulle nicht mehr fünf, sondern sechs Impfdosen gewonnen werden. Zudem hat Biontech nach Tests nun bekanntgegeben, dass der Impfstoff wohl auch mehrere Tage bei Kühlschranktemperatur lagerfähig ist, was eine Verabreichung jenseits von Impfzentren erheblich vereinfachen dürfte.

Kritik an EU-Impfstrategie wird lauter

Unterdessen wächst der Unmut über das Vorgehen der EU und ihre Impfstrategie. Zwar wird immer wieder betont, wie gut und wichtig es sei, dass die Staatengemeinschaft auf übergeordneter Ebene mit den Herstellern verhandelt habe, um einerseits einen günstigen Preis zu erzielen und andererseits alle Mitgliedsstaaten fair bei der Verteilung zu berücksichtigen.

Auf der anderen Seite aber wird kritisiert, dass nicht viel mehr Impfdosen bestellt wurden. Auch wenn im Sommer, als die Verhandlungen liefen, nicht unbedingt absehbar war, welcher Hersteller als erster erfolgreich eine Zulassung würde beantragen können, so hätte die EU doch bei allen aussichtsreichen Anbietern deutlich umfassendere Bestellungen aufgeben können. Das Geld wäre da gewesen. Dass eine Aufstockung der Bestellmenge bei Biontech nach Unternehmensangaben von Seiten der EU abgelehnt wurde zu einem Zeitpunkt, als die Zulassung bereits absehbar war, erscheint vor diesem Hintergrund erst recht fragwürdig.

EU-Parlament erwägt Untersuchungsausschuss

Warum stattdessen Geld investiert wurde, um auch beim französischen Anbieter Sanofi zu bestellen, dessen Impfstoff wohl erst mit einer Zulassung rechnen kann, wenn die Impfkampagne bereits weitgehend abgeschlossen ist, bleibt ebenfalls zu klären. Hier dürften vor allem französische Nationalinteressen von Bedeutung gewesen sein.

Das Europäische Parlament fühlt sich zudem außen vor. Es wurde in die Verhandlungen nicht einbezogen und hat nicht einmal Zugriff auf die letztlich ausgehandelten Verträge, die mit Hinweis auf Vertraulichkeit unter Verschluss gehalten werden. Vor diesem Hintergrund erwägt das EU-Parlament nun die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Impfstrategie.

Während in einigen anderen Ländern inzwischen schon die Zweitdosis verimpft wird, die erforderlich ist, um einen umfassenden Schutz zu gewährleisten, wird in Europa derzeit diskutiert, die Zeitspanne zwischen Erst- und Zweitspritze über die empfohlenen drei bis vier Wochen hinaus zu verlängern, um erst einmal mehr Menschen die Erstimpfung zu ermöglichen.

Spahn und Maas in der Kritik

Neben dem holprigen bis desaströsen Start der Impfkampagne werden zudem Nebenschauplätze immer deutlicher sichtbar: So geriet Bundesgesundheitsminister Spahn zuletzt unter Druck wegen seines Alleingangs, angeblich habe er im Zuge eines „nationalen Zukaufs“ zusätzliche Impfdosen bei Biontech geordert. Selbst wenn es eine solche Bestellung gegeben hat, genießt die EU Vorrang bei der Lieferung. Bis die zusätzlichen Mengen also in Deutschland ankämen, würden sie womöglich schon nicht mehr gebraucht.

Bundesaußenminister Heiko Maas fiel am Wochenende durch Äußerungen auf, wonach Geimpfte schneller als Nicht-Geimpfte wieder am öffentlichen Leben teilhaben sollen, beispielsweise durch Restaurant- oder Kinobesuche. Eine derartige Ungleichbehandlung von Geimpften und Nicht-Geimpften hatte die SPD vor wenigen Wochen noch gesetzlich verbieten wollen.

Privilegien? Grundrechte!

Am Ende werden wohl Gerichte darüber entscheiden, ob Menschen, die eine Impfung bereits erhalten haben, überhaupt länger in der Ausübung ihrer Grundrechte beschnitten werden dürfen. Denn man darf nicht vergessen: Es handelt sich nicht um eine Privilegierung, sondern lediglich um eine Rückkehr zum Normalzustand, wenn wieder gestattet wird, sich außer Haus frei zu bewegen.

Maßgeblich dürfte eine solche Abwägung wohl davon abhängen, ob Geimpfte lediglich selbst gegen eine Erkrankung geschützt sind oder ob der Impfschutz auch die Übertragbarkeit des Virus hinreichend verhindert, sodass Menschen mit Impfung für andere keine Gefahr im Sinne einer potenziellen Ansteckung darstellen. Sollte der Übertragungsschutz gewährleistet sein, wären Einschränkungen für Geimpfte kaum juristisch durchsetzbar.

Moderna Aktie: 18 Prozent Wochenplus

An den Märkten sind die Impfstofferfolge der einzelnen Hersteller mittlerweile weitgehend eingepreist. Aktien von Biontech und Pfizer haben ihren starken Aufschwung hinter sich und bewegten sich in der vergangenen Woche eher moderat. Für Anteilsscheine von AstraZeneca ging es hingegen aufwärts, nachdem die zuständige EU-Behörde die Zulassungsempfehlung ausgesprochen hatte. In Großbritannien wird das Präparat, das gemeinsam mit der Oxford University entwickelt wurde, bereits verabreicht.

In den kommenden Tagen soll nun auch der Impfstoff von Moderna in Deutschland erhältlich sein, Großbritannien und Frankreich haben bereits vor einer Woche Genehmigungen für den US-Hersteller erteilt, dessen Aktie daraufhin in die Höhe schoss: Um fast ein Fünftel hat sich die Moderna Aktie verteuert – und das innerhalb von nur einer Woche.

Mainz, Germany – November 12, 2020: The german biotechnology company Biontech conducts research in the field of developing a vaccine against Covid-19.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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