Sanofi schluckt Biotech-Unternehmen Kymab

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Pharmariese Sanofi will seine lukrative Immunkrankheiten-Sparte weiter ausbauen. So gaben die Franzosen gestern bekannt, dass sie das britische Biotech-Unternehmen Kymab übernehmen werden. (Foto: l i g h t p o e t / Shutterstock.com)

Es gibt Märkte, in denen besonders viele Übernahmen stattfinden. Dazu gehört sicherlich die Pharma- bzw. Biotechnologiebranche, aus der ich Ihnen heute einen interessanten Übernahme-Deal ausgesucht habe.

Der französische Pharmariese Sanofi SA (französisch für Société Anonyme; deutsch: Aktiengesellschaft) hat gestern mitgeteilt, dass er das britische Biotech-Unternehmen Kymab Group Ltd. übernehmen wird. Als Ltd. bzw. Limited Company wird in Großbritannien eine nicht börsennotierte Kapitalgesellschaft bezeichnet.

Sanofi zahlt Festbetrag von 1,1 Mrd. USD und erfolgsabhängige Zuschläge

In einer gemeinsamen Presseerklärung gaben die Unternehmen bekannt, dass sie sich bereits auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt haben. Sanofi wird zunächst 1,1 Mrd. US-Dollar in bar an die Anteilseigner des im Bereich Immunkrankheiten tätigen britischen Unternehmens auszahlen.

Darüber hinaus wurde vereinbart, dass zu einem späteren Zeitpunkt weitere Meilensteinzahlungen in Höhe von 350 Mio. USD folgen können. Diese Zahlungen sind abhängig vom Erreichen bestimmter Forschungs- bzw. Entwicklungsstadien (Meilensteile), die in der Übernahmevereinbarung festgelegt worden sind.

Meilensteinzahlungen branchenüblich

Meilensteinzahlungen sind insbesondere bei der Übernahme von forschungsintensiven Unternehmen im Biotechnologie- bzw. Pharmasektor üblich. Die Zahlungen werden dabei abhängig von der Erreichung bestimmter Testphasen in der klinischen Entwicklung bzw. der Zulassung eines bestimmten Medikaments gezahlt.

Konkret ist Sanofi vor allem an dem Kymab entwickelten Antikörper KY1005 interessiert, der zur Bekämpfung von Immun- und Entzündungskrankheiten, wie z. B. Leukämie, Multiple Sklerose und Aids, eingesetzt werden kann. Aber auch andere von den Briten entwickelte Wirkstoffe zur Behandlung von Krebs und der Bluterkrankheit sind vielversprechend.

Sanofi setzt verstärkt auf Bekämpfung von Immunkrankheiten

Die Übernahme des auf Immunerkrankungen spezialisierten britischen Biotechunternehmens Kymab ist nicht die einzige Akquisition der Franzosen in diesem Bereich. Wie ich Ihnen bereits im August 2020 berichtet habe, hat Sanofi vor wenigen Monaten die US-amerikanische Principia Biopharma Inc. übernommen.

Für Principia hat Sanofi stolze 3,7 Mrd. USD hinblättern müssen. Auch dieses Unternehmen war auf Autoimmun- und allergische Erkrankungen spezialisiert. Zuvor hatten die Franzosen schon weitere Biotechnologie-Unternehmen geschluckt.

Im Dezember 2019 übernahm der Pharmariese aus Paris das kalifornische Biotech-Unternehmen Synthorx für rund 2,5 Mrd. USD. Ein Jahr zuvor hat Sanofi den US-amerikanischen Hämophilie-(Bluterkrankheit) -Spezialisten Bioverativ für stolze 11,6 Mrd. USD gekauft.

Das Sanofi verstärkt auf den lukrativen Bereich der Immunerkrankungen setzt, betont auch der Sanofi-Chef (CEO) Paul Hudson: “Die Akquisition von Kymab erweitert unsere innovative Pipeline um KY1005, eine potenzielle First-in-Class-Therapie für eine Reihe von Immun- und Entzündungskrankheiten. Der neuartige Wirkmechanismus könnte eine Behandlung für Patienten mit suboptimalem Ansprechen auf verfügbare Therapien bieten.”

Aus traditionellen Bereichen, wie z. B. der Diabetes-Behandlung, zieht sich das französische Unternehmen dagegen mehr und mehr zurück. Insbesondere die günstigeren Nachahmerprodukte führen in diesen Bereichen dazu, dass sich das Geschäft dort für Sanofi nicht mehr lohnt.

Sanofi-Kurs legt zu

Nach Bekanntgabe der Übernahme am gestrigen Montag stieg der Kurs der Sanofi-Papiere an der Pariser Börse in der Spitze um 1,4% auf 79,88 Euro. Bei Börsenschluss lag der Kurs allerdings nur noch leicht im Plus (+0,6%). Insgesamt kann diese Kursentwicklung aber durchaus als positive Reaktion der Anleger auf die Übernahme von Kymab angesehen werden.

Kymab befindet sich in Privatbesitz und ist nicht börsennotiert. Das britische Unternehmen wurde 2010 als Spin-off des britischen Genomforschungsinstituts Wellcome Trust Sanger in Cambridge gegründet. Zu den Investoren von Kymab zählen die britische Welcome Trust-Stiftung sowie die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates.

Wie es weitergehen wird

Sanofi plant, die Transaktion aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Der Abschluss der Transaktion unterliegt den üblichen Abschlussbedingungen wie einer Wartezeit und den Zustimmungen der zuständigen Aufsichtsbehörden. Sanofi erwartet den Abschluss der Akquisition in der ersten Hälfte des Jahres 2021.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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