Exxon verliert Schlacht gegen aktivistischen Aktionär

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Ein Mini-Hedgefonds zwingt den Ölgiganten zum Strategiewechsel: Das Beispiel Exxon Mobil könnte Schule machen bei Klimaschützern. (Foto: Ken Wolter / shutterstock.com)

Es ist ein klassisches David-gegen-Goliath-Szenario: Ein vergleichsweise winziger und zudem noch ziemlich junger Hedgefonds hat es geschafft, erheblichen Einfluss auf den US-Ölriesen Exxon Mobil zu gewinnen – und den Energiekonzern zu mehr Klimaschutz zu zwingen.

Engine No. 1 setzt Verwaltungsratskandidaten durch

Mit gerade einmal 50 Millionen Dollar oder 0,02 Prozent der Anteile war „Engine No. 1“ Ende vergangenen Jahres bei Exxon eingestiegen. Damals wurde der aktivistische Investor noch belächelt für seine Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein – doch das hat sich mittlerweile grundlegend geändert.

Denn der Mini-Fonds hat es geschafft, erheblich größere Investoren auf seine Seite zu ziehen, die dann bei der Hauptversammlung für drei von Engine No. 1 vorgeschlagene Kandidaten für den Verwaltungsrat votierten. Damit stellen die Vertreter der Klimaschutz-Linie nun ein Viertel des Gremiums beim Öl-Dino.

Vorbild für Klimaschützer?

Der Fall könnte ein Lehrstück für weitere Klimaschutzbestrebungen bei börsennotierten Großkonzernen werden. Von Öko-Liebe und ideologischem Eifer will man auf der Seite der Investoren nichts wissen, es geht primär um die nackten Zahlen. Genau hier hat Engine No. 1 angesetzt – und institutionelle Anleger wie den Vermögensverwalter BlackRock mit rein wirtschaftlichen Argumenten überzeugt, dass sich der Klimaschutzgedanke lohnt.

Allzu lang hatte das Management bei Exxon den Wandel negiert und stur auf den weiteren Ausbau der altbewährten, aber überwiegend ziemlich klimaschädlichen Technologien zur Energiegewinnung gesetzt. Gerade einmal 10,4 Milliarden Dollar hat Exxon in CO2-arme Technologien investiert – in einem Zeitraum von 20 Jahren. Angesichts jährlicher Investitionen in einem Volumen von zuletzt 20 Milliarden Dollar ist das ein lächerlich geringer Betrag, der sehr deutlich macht, welchen Stellenwert man der CO2-Reduktion bei Exxon beigemessen hat – bis jetzt.

Exxon mit desaströser Jahresbilanz

Die vergangenen Jahre mit fallendem Ölpreis und durch die Pandemie abgewürgter Konjunktur haben Exxon stark zugesetzt. Das einst größte börsennotierte Unternehmen der Welt ist heute nicht einmal mehr in den Top Ten gelistet, das vergangene Jahr wurde mit einem Verlust von 22 Milliarden Dollar abgeschlossen.

Dementsprechend verhallte auch die Warnung der bisherigen Exxon-Führung vor einer geringer ausfallenden Dividende, sollten die Klimaschutz-Verwaltungsräte unterstützt und gewählt werden. Eine niedrigere Dividende war angesichts der desaströsen Geschäftsentwicklung ohnehin erwartet worden.

Shell gerichtlich zu mehr Umweltschutz verdonnert

Das Festhalten am alten Modell mit Technologien aus dem 20. Jahrhundert verfängt nicht mehr und wird auch wirtschaftlich in den kommenden Jahrzehnten kaum haltbar sein. Das verdeutlichten zuletzt nicht nur Klimaschutzinitiativen von Seiten der Politik – wie etwas das Pariser Klimaschutzabkommen oder die Verständigung der EU-Staaten auf eine schnellere Verbesserung der eigenen CO2-Bilanz –, sondern gerade erst auch ein aufsehenerregendes Gerichtsverfahren.

In Den Haag unterlag der Exxon-Konkurrent Shell einer Klage von Umweltschützern und muss seinerseits nun ebenfalls auf mehr Klimaverträglichkeit achten. Laut Urteil muss der Konzern seine CO2-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent senken im Vergleich zum Referenzwert von 2019. Die Niederländer gelobten Besserung und versprachen, ihren ohnehin bereits beschrittenen Weg nun zu beschleunigen. Dennoch kündigte Shell an, gegen das Urteil Berufung einzulegen, was bei Beobachtern für Irritationen sorgt.

Exxon Aktie legt zu

Das Urteil sowie die immer strikteren politischen Vorgaben deuten jedenfalls in dieselbe Richtung: Mittelfristig wird sich das Ölgeschäft, so wie es bislang lief, nicht mehr wirtschaftlich halten können, Alternativen müssen her, Investitionen werden benötigt, und zwar besser jetzt als später. Das wird auch den Investoren offenbar zunehmend bewusst, wie das Beispiel von Exxon und Engine No. 1 beweist.

An den Aktienmärkten ging es für die Ölkonzerne in dieser Woche aufwärts, Anleger begrüßen den Strategiewechsel offensichtlich: Anteilsscheine von Shell verteuerten sich um 3 Prozent, die Exxon Aktie notiert auf Wochensicht rund 5 Prozent im Plus.

Investoren entdecken Klimaschutz

Insgesamt rückt der Themenkomplex Klimaschutz und Nachhaltigkeit immer stärker ins Bewusstsein auch institutioneller Investoren. Kurz vor dem G7-Gipfel und mit Blick auf die Uno-Klimakonferenz im November fordern insgesamt 457 internationale Investoren in einem gemeinsamen Schreiben eine Verstärkung der Umweltschutzbemühungen durch die Regierungen.

Sie sollen stärker auf das Ziel von Nullemissionen bis 2050 hinwirken – und auch die wirtschaftlich nötigen Investitionen zur Überwindung der Corona-Pandemie dazu nutzen, Impulse in diese Richtung zu setzen oder bereits begonnene Entwicklungen noch mehr voranzutreiben.

Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem Allianz Global Investors, Axa oder BNP Paribas. Gemeinsam verwalten die unterzeichnenden Vermögensverwalter rund 41 Billionen Dollar, was in etwa einem Drittel des weltweiten Gesamtvermögens entspricht. Dementsprechend hohes Gewicht dürfte der Initiative beigemessen werden, wenngleich namhafte Branchengrößen wie BlackRock oder Goldman Sachs nicht zu den Unterzeichnern zählen.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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