Royal Dutch Shell verliert vor Gericht gegen Umweltschutzverbände

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Royal Dutch Shell erleidet eine Niederlage vor Gericht. Das könnte erhebliche Auswirkungen haben – auch auf deutsche Unternehmen. (Foto: Bjoern Wylezich / Shutterstock.com)

Es gibt im Deutschen ein Sprichwort, das lautet: „Vor Gericht und auf hoher See sind wir alle in Gottes Hand“. Dieses wird gern verwendet, um die scheinbare Hilflosigkeit im Umgang mit Recht und Gesetz zu beschreiben. Die Unwägbarkeiten einer juristischen Auseinandersetzung für Unternehmen wie für Privatpersonen sind damit sprichwörtlich geworden.

Entscheidung gegen den Konzern

Nun hat eine Kammer der Rechtbank, des Bezirksgerichts in Den Haag, in einer Entscheidung gegen die dort verwaltungsansässige Royal Dutch Shell, einen der größten Mineralöl- und Erdgas-Konzerne der Welt, erstmals ein Unternehmen verurteilt, die von ihm verantworteten CO2-Emissionen bis zum 31.12.2030 um 45 % zu senken, wobei die CO2-Emissionen im Jahr 2019 als Basis dienen.

Geklagt hatten verschiedene Umweltorganisationen und über 17 .000 niederländischer Bürger. Ihr Vorwurf: Der britisch-niederländische Konzern verstoße gegen globale Klimaziele und investiere weiter umfangreich in die Förderung von Öl und Erdgas. Sie nahmen Bezug auf die sogenannte Urgenda-Entscheidung des niederländischen Obersten Gerichtshofs vom Dezember 2019, mit dem dieser feststellte, dass die bisherigen Maßnahmen des niederländischen Staates zur Verringerung von Treibhausgasen unzureichend seien. Und bekamen nun Recht.

Schutz des holländischen Bürgers

Sie können sich bestimmt gut vorstellen, dass eine derartige Gerichtsentscheidung auch einen Mega-Konzern wie Royal Dutch Shell mit seinen gut bezahlten Anwälten in seinen Grundfesten erschüttern kann. Zumal das Gericht dem Unternehmen vorschreibt, die Treibhausgasemissionen nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in allen anderen Ländern der Welt um fast die Hälfte zu reduzieren. Denn, so die Begründung des Gerichts, die CO2-Emissionen des Konzerns würden die Bürger der Niederlande nun mal in jedem Fall schädigen, ganz gleich wo sie entstehen.

Sie werden sich bestimmt fragen, wie daraufhin der Aktienkurs von Royal Dutch Shell reagiert hat. Oder der von Total, Eni, BP, ExxonMobil oder Chevron, anderen weltweit operierenden Energiekonzernen, die ebenso wie Royal Dutch Shell auf der holländischen Anklagebank sitzen könnten. Nun, um ehrlich zu sein, der Kurs hat sich keinen Mucks bewegt.

Die Erklärung ist recht einfach: Keiner, der an den Kapitalmärkten tätig ist, glaubt ernsthaft, dass das Urteil Bestand haben wird. Die Aktionäre des britisch-holländischen Konzerns sind offenbar davon überzeugt, dass das Berufungsgericht, das der multinationale Energiekonzern anrufen wird, das erstinstanzliche Urteil kippen wird.

Unsicherheit bleibt bestehen

Wenn sie sich da mal nicht zu früh freuen. Denn auch wenn die Entscheidung auf niederländischem Deliktsrecht beruht, könnten die rechtlichen Feststellungen auch ins deutsche Deliktsrecht und auf andere Menschenrechts- und Umweltschutzbelange übertragen werden. Grundsätzlich könnten Klage-, Haftungs- und Reputationsrisiken also auch für deutsche Konzerne aufkommen. Ob dann aber die Aktienkurse so milde reagieren wie bei Shell, wird sich zeigen.

Was im Übrigen auch für die Aktien von Royal Dutch Shell gelten könnte. Denn kursbelastender als das Urteil, das wohl nur geringe Chancen auf Bestätigung haben dürfte, könnte für die Aktionäre sein, dass sich das Verfahren bis zur rechtskräftigen Klärung in letzter Instanz wohl über Jahre hinziehen wird. Und eines hassen Anleger bekanntlich: Unsicherheit.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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