Windenergie: Ørsted übernimmt Brookfield Renewable Ireland

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Die auf Offshore-Windparks spezialisierte dänische Ørsted steigt in das europäische Onshore-Geschäft ein. Sie übernimmt die irische Tochter des kanadischen Energiekonzerns Brookfield Renewable Partners. (Foto: fokke baarssen / shutterstock.com)

Heute möchte ich Ihnen einen Übernahmedeal aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien vorstellen: Der dänische Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenergie, Ørsted A/S (A/S steht für Aktieselskab, deutsch: Aktiengesellschaft) hat am vergangenen Freitag bekannt gegeben, eine Übernahmevereinbarung mit der kanadischen Brookfield Renewable Partners L.P. abgeschlossen zu haben.

Kaufpreis liegt bei etwa 571 Mio. Euro

Danach wird Ørsted das Onshore-Windgeschäft von Brookfield Renewable Partners in Irland und Großbritannien, das unter Brookfield Renewable Ireland (BRI) firmiert, übernehmen. Die Vereinbarung basiert auf einer Unternehmensbewertung von BRI in Höhe von 571 Mio. Euro zum 31. Dezember 2020. Der endgültige Preis unterliegt noch den branchenüblichen Anpassungen.

Die beteiligten Unternehmen im Überblick

BRI, mit Hauptsitz in Cork/Irland, ist Entwickler, Eigentümer und Betreiber von landbasierten Onshore-Windparks. BRI verfügt in Irland und Großbritannien über ein Windkraft-Portfolio von 389 Megawatt (MW) in Betrieb und im Bau, 149 MW in fortgeschrittener Entwicklung und mehr als 1 Gigawatt (GW) in der Entwicklungspipeline.

Sie müssen wissen: Die durchschnittliche Nennleistung aller installierten Offshore-Windkraftanlagen lag Ende 2018 weltweit bei 3,94 MW. Eine moderne Windkraftanlage mit etwa 3 MW elektrischer Leistung erzeugt jährlich so viel Strom, wie 2.000 Haushalte im Jahr benötigen.

Die Muttergesellschaft der BRI, Brookfield Renewable Partners L.P., ist eine börsennotierte Kommanditgesellschaft, die Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien besitzt und betreibt. Hauptsitz des Unternehmens ist Toronto, Kanada.

Ende 2017 besaß Brookfield Renewable Partners über 200 Wasserkraftwerke, 100 Windparks, über 550 Solaranlagen und vier Speicheranlagen mit einer installierten Leistung von rund 16.400 MW. In 2020 erwirtschaftete das Unternehmen einen Erlös vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) in Höhe von 2,76 Mrd. CAD (etwa 1,84 Mrd. Euro)

Ørsted entwickelt, baut und betreibt Offshore- und Onshore-Windparks, Solarparks, Energiespeicher und Bioenergieanlagen. Das dänische Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Fredericia (etwa 100 km nördlich von Flensburg) und beschäftigt weltweit 6.179 Mitarbeiter.

Die Aktien von Ørsted sind an der Nasdaq Kopenhagen notiert. Im Jahr 2020 betrug der Umsatz des Konzerns 52,6 Mrd. Dänische Kronen (DKK, was etwa 7,1 Mrd. Euro entspricht).

Das Betriebsergebnis (EBITDA) belief sich auf 18,1 Mrd. DKK (etwa 2,43 Mrd. Euro entspricht).

Einstieg in den rentablen europäischen Onshore-Windmarkt

Ørsted hat sich bisher auf Offshore-, also im Meer platzierte Windparks, konzentriert. In diesem Bereich ist das dänische Unternehmen zum Weltmarktführer aufgestiegen. So betreibt Ørsted Offshore-Windparks in Großbritannien und Deutschland. Zudem ist Ørsted in Dänemark, den Niederlanden sowie Taiwan und den Vereinigten Staaten aktiv.

Erst 2018 stieg Ørsted in das Geschäft mit erneuerbaren, festlandbasierten Onshore-Windkraftanlagen ein. Dabei konzentrierten sich die Dänen zunächst auf die USA. Dort hat das Onshore-Geschäft von Ørsted eine bedeutende Größenordnung erreicht. Insgesamt besitzt Ørsted in den USA ein in Betrieb und im Bau befindliches Portfolio von 4 GW Wind- und Solaranlagen.

Aufbauend auf dem Erfolg des US-Geschäfts hat Ørsted Möglichkeiten für den Einstieg in das Geschäft mit erneuerbaren Onshore-Anlagen in Europa geprüft. Mit der Übernahme der BRI wurde der Einstieg in diesen zukunftsträchtigen europäischen Markt für Onshore-Windenergie jetzt auch umgesetzt.

„Es wird erwartet, dass der europäische Markt für Onshore-Windenergie in den kommenden Jahren deutlich wachsen wird. Mit der Akquisition von BRI erhalten wir eine starke Plattform, die unsere Präsenz im Bereich der erneuerbaren Onshore-Windenergie auf Europa ausweitet und es uns ermöglicht, unser Onshore-Geschäft weiter erfolgreich auszubauen“, so der Kommentar von Mads Nipper, Group President und CEO von Ørsted.

Kursverluste nach Bekanntwerden des Deals

An der Kopenhagener Börse reagierten die Anleger aber eher skeptisch auf den Übernahme-Deal. So fiel der Kurs der Ørsted-Aktie am Freitag um -1,34% und ging mit 987,6 DKK (entspricht etwa 132,81 Euro) aus dem Handel.

Auch der Kurs der Brookfield Renewable Partners gab an der kanadischen Börse in Toronto etwas nach. Er fiel dort am Freitag um -0,83% auf 53,75 Kanadische Dollar (CAD – entspricht etwa 35,86 Euro).

Wie es weitergehen wird

Das bestehende Management-Team von BRI wird das Geschäft weiterführen, das im Laufe der Zeit in die Onshore-Geschäftseinheit von Ørsted integriert werden soll. Der Abschluss der Transaktion wird für das 2. Quartal 2021 erwartet.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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