Nachhaltigkeit bestimmt Zukunft der Metallindustrie

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Die Metallindustrie will in Zukunft verstärkt in nachhaltige Produktionen und effiziente Recyclinglösungen investieren. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Die europäische Stahlindustrie sieht sich zwei großen Herausforderungen entgegengestellt. Zum einen sind die Energiekosten um ein Vielfaches höher als auf den konkurrierenden Kontinenten. Stahl aus Asien ist mittlerweile der günstigste auf dem Markt. Zum anderen wird in der EU eine CO2-Steuer fällig. Diese wirkt sich erheblich auf die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Stahl- und Metallproduzenten aus. Die globale Stahlproduktion soll für knapp 9% der globalen CO2-Emmissionen verantwortlich sein. Aus diesem Grund steigen die Investitionen in nachhaltige Produktionen und effiziente Recyclinglösungen erheblich an.

Norsk Hydro hat jüngst ein Pilotprojekt gestartet, bei dem der Recyclingprozess von Aluminium etwa 90% weniger Energie verbrauchen soll. ArcelorMittal hat bereits mehr als 300 Mio. € in CO2-neutrale Technologie investiert. Alcoa wirbt mit seiner neuen Produktlinie Sustana, deren erste Marke als CO2-armes Aluminiumoxid EcoSource an den Markt geht.

Acerinox und thyssenkrupp setzen auf Wasserstoff als Energielieferant. thyssenkrupp rechnet für die gesamte Umstellung der Produktion auf Wasserstoff mit etwa 10 Mrd. €. Zum einen soll Wasserstoff als direkter Energielieferant zur Produktion genutzt werden und außerdem das bei der Produktion von Stahl freigesetzte CO2 eingefangen werden. thyssenkrupp macht hier deutlich, dass sich kaum ein Stahlproduzent die Umstellung ohne öffentliche Mittel leisten kann. Zwar kann der Stahl mit grünem, also aus erneuerbaren Energien hergestelltem Wasserstoff, viel umweltfreundlicher produziert werden.

Jedoch ist die Produktion von Stahl mit Wasserstoff mit einem erheblichen Kostenaufwand verbunden. Die Stahlpreise könnten dadurch bis 2050 um 50 bis 80% steigen. Diese Aspekte versprechen keine hohe Profitabilität. Die Notwendigkeit enormer finanzieller Mittel zur Umstellung und der hohe Energieaufwand für die Produktion selbst, werden die Margen der Stahl- und Metallproduzenten auch künftig niedrig halten.

Volatile Marktpreise bewegen Aktienmarkt

Die meisten Rohstoffpreise in der Metall- und Stahlindustrie wurden aufgrund niedriger Nachfrage zu Beginn der Corona-Krise erheblich gedrückt. Dies schlägt sich bei vielen Metall- und Stahlproduzenten auf die Margen und Jahreszahlen für 2020 nieder. Besonders zu Beginn der Pandemie fielen die Preise für fast alle Industrierohstoffe wie Stahl und Aluminium. Seit Mitte des Jahres sieht die Situation jedoch besser aus.

Die Preisniveaus sind stark zurückgekommen und haben das Niveau vor der Corona-Krise teilweise sogar übertroffen. Der Stahlpreis fiel beispielsweise von etwa 590 $ je Tonne Anfang Januar auf 530 $ im März und erholte sich aber bis zum Jahresende wieder auf 650 $ je Tonne. Ähnliche Bewegungen sind auch bei Eisen, Aluminium und Kupfer zu erkennen. Steigende Rohstoffpreise könnten für die Metallindustrie ein starkes Jahr 2021 einläuten.

Die Preisschwankungen spiegeln sich teilweise auch in den Kursen einiger Stahlproduzenten nieder. Besonders die Aktien von Acerinox, Alcoa, ArcelorMittal und thyssenkrupp konnten sich bis Oktober vom Tief der Corona-Krise kaum erholen, verzeichnen aber seit November mit steigenden Rohstoffpreisen eine starke Erholung.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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