Etsy-Aktie nach Zukauf der Mode-App Depop deutlich fester

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Die Onlineplattform Etsy schluckt die Mode-App Depop für 1,62 Milliarden Dollar. Der Deal erweitert das Produktspektrum um Secound Hand-Modeartikel. (Foto: tom - Adobe Stock)

In der Corona-Krise zeigt sich ein klar zweigeteiltes Bild: Während viele traditionelle Geschäftsmodelle mit enormen Gegenwind zu kämpfen haben, erleben digitale Geschäftsmodelle einen regelrechten Absatzboom. So auch die Internetplattform Etsy. Hier treffen sich Verkäufer und Käufer von handgemachten Produkten. Dass sich der Konzern erfolgreich gegen die „Amazon-Handmade“-Plattform durchsetzen kann, haben die gerade vorgelegten Zahlen gezeigt.

In den zurückliegenden Quartalen konnte der US-Konzern mit beeindruckenden Wachstumsraten glänzen. Damit dies auch zukünftig so bleibt, hat Etsy gerade eine milliardenschwere Übernahme eingefädelt. Für 1,6 Milliarden Dollar will der Konzern die Mode-App Depop schlucken und damit bei jungen, umweltbewussten Verbrauchern punkten. Die Anleger freut es – sie goutierten die Übernahmemeldung mit einem kräftigen Kursplus von 7%.

Führende Internetplattform für Handgemachtes….

Bevor ich auf den jüngsten Zukauf eingehe, möchte ich Ihnen das Geschäftsmodell des Käufers erst einmal näher vorstellen: Etsy ist eine 2005 gegründete E-Commerce-Website für den Kauf und Verkauf von handgemachten Produkten, Vintage und Künstler-Bedarf. Der Hauptsitz befindet sich in dem New Yorker Stadtbezirk Brooklyn.

Das Angebot an handgemachten Produkten umfasst u. a.: Kunst, Fotografie, Mode, Schmuck, Kosmetik-Produkte und Spielzeug. Um als „Vintage“ zu gelten, müssen angebotene Artikel mind. 20 Jahre alt sein. Hinzu kommen verschiedene Verkäufer-Services an, darunter Etsy Payments, die Werbeplattform Etsy Ads und Etsy Shipping Labels.

….erreicht Umsatzplus von 141% zum Jahresstart

Die gerade vorgelegten Ergebnisse konnten die Erwartungen der Analysten übertreffen. Insgesamt wechselten im letzten Quartal Waren von 3,1 Milliarden Dollar den Besitzer (+132%). Dabei nahm der Anteil der Corona-Masken an den Gesamtverkäufen kontinuierlich ab. Betrug der Umsatzbeitrag im zweiten Quartal 2020 noch 14,1%, so waren es im Startquartal 2021 gerade mal 2,5%. Bei Etsy selbst erhöhte sich der Umsatz um hohe 141% auf 554 Millionen Dollar. Damit wurden die Erwartungen der Analysten um 20 Millionen Dollar übertroffen.

Etsy fährt Gewinnmargen massiv nach oben

Auch bei anderen Kennzahlen konnte der US-Konzern glänzen: Die Zahl der aktiven und wieder reaktivierten Käufer erhöhte sich um ganze 113% auf 16 Millionen. Die Zahl der aktiven Käufer verbesserte sich unterdessen um 91% auf 90 Millionen. Auch bei der Gewinnentwicklung macht die Onlineplattform deutliche Fortschritte: Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 143 Millionen Dollar beziehungsweise 1 Dollar je Aktie hängen. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahresquartal waren es lediglich 12,5 Millionen Dollar respektive 0,10 Dollar je Anteilschein. Mit den Ergebnissen wurden die Analystenschätzungen um 13% geschlagen.

Depop-Zukauf soll Wachstum weiter ankurbeln

Nun will Etsy mit einem strategischen Deal das Wachstum ankurbeln: Für 1,625 Milliarden Dollar will der Konzern die Shopping-App Depop schlucken. Nach dem Reverb-Kauf für 275 Millionen Dollar ist Depop für Etsy der zweite große Zukauf.

Depop agiert in einem interessanten Wachstumsmarkt. Die Handelsplattform setzt auf Secondhand-Modeartikel. Rund 90 % der Nutzer von Depop sind unter 26 Jahre alt, was zukünftig bei der Monetarisierung und Bindung im Ökosystem noch eine größere Rolle spielen könnte. Zudem besitzt Depop noch ein deutlich überproportionales Umsatzwachstum und Wachstum beim Gross Merchandise Volume (Warenvolumen) von jeweils über 100 %. Zuletzt wurden Waren von 650 Millionen Dollar über die Plattform abgesetzt. Damit erzielte Depop einen Umsatz von 70 Millionen Dollar.

Plattform mit enormer Reichweite

Auch wenn der Kaufpreis mit dem 23-fachen der Depop-Umsätze alles andere als ein Schnäppchen ist, der Deal könnte sich langfristig auszahlen. Die Mode-App Depop hat eine Community von ca. 30 Millionen registrierten Nutzern in fast 150 Ländern, mit 4 Millionen aktiven Käufern und 2 Millionen aktiven Verkäufern im Jahr 2020. Die Nutzerbasis ist extrem interessant: Im Jahr 2020 stammten 75% der Warenumsätze aus bestehenden Kohorten, das heißt rund 75% der Verkäufer waren selbst Käufer.

Etsy rechnet unterdessen mit einem kräftigen Wachstum im Bereich der Secound-Hand-Mode und geht davon aus, dass sich das allein in den USA das Marktvolumen von 2019 bis 2024 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 39% auf 64 Milliarden Dollar erhöht.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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