Schnelles Comeback der Luxusgüter?

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Der globale Luxusmarkt wurde durch die Corona-Krise hart getroffen, ist jetzt die Zeit für ein schnelles Comeback gekommen? (Foto: andersphoto / shutterstock.com)

Der globale Luxusmarkt wurde 2020 durch die Covid-19-Krise hart getroffen und schrumpfte laut einer Studie der Unternehmensberatung Bain & Company um 20 bis 22% auf ein Niveau von rund 1 Bio $; dem Stand von 2015.

Am stärksten (-56%) wurde das Segment Luxus-Experiences (Hotels, Kreuzfahrten, gehobene Restaurantbesuche) infolge des weltweiten Einbruchs des Tourismus getroffen. Der Markt mit persönlichen Luxusgütern wie Uhren und Kleidung erlitt einen Rückgang von 23%. Es ist der stärkste Rückgang seit 2009. Relativ krisenfest zeigten sich die Verkäufe von Luxusautos, die lediglich um 8 bis 10% zurückgingen. Geografisch betrachtet konnte nur die Region Festland-China das Jahr mit einem Wachstum (+45%) abschließen.

Aufgrund des Kollapses des Tourismus hat der lokale Konsum an Bedeutung gewonnen und machte 80 bis 85% der Umsätze aus. Der Anteil der online getätigten Verkäufe hat sich von 12 auf 23% nahezu verdoppelt. Bis 2025 soll der Online-Kanal der wichtigste Vertriebskanal für Luxusgüter werden. Die Zukunft des Luxusmarktes hängt davon ab, wie sich die Pandemie, makroökonomische Faktoren, der globale Tourismus und das Konsumentenvertrauen entwickeln werden. Es gibt eine große Bandbreite an denkbaren Szenarien.

Die Wachstumsprognose von Bain & Company für 2021 reicht entsprechend von 10 bis 19%. Der operative Gewinn ist global betrachtet um bis zu 60% im vergangenen Jahr geschrumpft, und die operative Marge ist von 21 auf 12% eingebrochen. Bis zu 50% der Gewinnrückgänge aus 2020 sollen in diesem Jahr aufgeholt werden. Innerhalb der nächsten 3 Jahre soll die Erholung an Fahrt gewinnen, und spätestens für Anfang 2023 wird das Umsatzniveau von 2019 erwartet.

Historisch hohe Bewertungen

Bei den Anlegern ist der Optimismus zurückgekehrt. Ein Blick auf die Kursverläufe und Bewertungen verrät, dass die Investoren offensichtlich von einem schnellen Ende der Pandemie und einer schnellen nachhaltigen Erholung der Umsätze ausgehen. Angetrieben von den guten Umsätzen in den USA und vor allem in Festland- China haben sich viele Unternehmen besser als zunächst befürchtet im 2. Halbjahr 2020 geschlagen.

Die Zahlen des 1. Quartals waren dazu sehr vielversprechend, und einige Unternehmen lagen mit den Umsatzniveaus bereits wieder über dem Vorkrisenjahr 2019. Wie nachhaltig das Wachstum ist, bleibt abzuwarten. Eine mögliche Erklärung für die hohe Nachfrage nach Luxusartikeln ist, dass sie aus Mangel an Alternativen (da Reisen, Restaurantbesuche, Shopping und Flanieren in vielen Ländern nur eingeschränkt möglich waren/sind) verstärkt nachgefragt wurden. Mit steigendem Impffortschritt könnte der beschriebene Effekt aber abklingen und das Wachstum an Fahrt verlieren. Davon gehen Anleger aber offensichtlich nicht aus. Die Erwartungen an das künftige Wachstum und die Margenentwicklung sind hoch.

Die Bewertungen haben bei vielen Unternehmen historisch hohe Niveaus erreicht, sodass nach den starken Kursanstiegen und der Bewertungsexpansion Vorsicht geboten ist. Der Raum für Fehler bzw. nicht erfüllte Erwartungen ist kleiner geworden.

Historisch hohe oder nahezu hohe Bewertungen auf Basis des 2021er KGVs haben beispielsweise: LVMH, Richemont, Swatch, Estée Lauder und Hermès. Die KGVs sind im hohen zweistelligen Bereich von über 30 bis 70 angesiedelt.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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