Eli Lilly auf Einkaufstour: Pharmariese legt sich Gentechnikfirma ins Portfolio

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Konsolidierungswelle rauscht durch den Biotech-Sektor: Eli Lilly legt Milliardenofferte für Gentechnikspezialisten Prevail auf den Tisch (Foto: l i g h t p o e t / Shutterstock.com)

Das Übernahmekarussell dreht sich weiter auf Hochtouren. Vor allem im Biotechnologiesektor gab es zuletzt reihenweise spektakuläre Deals. Vor wenigen Tagen hatte AstraZeneca angekündigt, den US-Konzern Alexion für 39 Milliarden Dollar zu übernehmen und damit die größte Übernahme der Firmengeschichte auf die Strecke gebracht. Jetzt zieht der Pharmagigant Eli Lilly nach und legt eine Milliardenofferte für den Gentherapiespezialist Prevail auf den Tisch.

Die Prevail-Anleger feiern die jüngsten Nachrichten. Auf Grund des hohen Aufschlags schossen die Papiere direkt nach der Meldung um mehr als 84% in die Höhe.

Hohe Prämie für Gentechnikspezialisten

Eli Lilly bietet 22,50 Dollar in bar für jede Prevail-Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 80% auf den Schlusskurs vor der Übernahmemeldung. Sollte ein erstes Produkt aus der Pipeline auf den Markt kommen, wird eine weitere Zahlung durch Eli Lilly fällig, womit Prevail insgesamt mit 26,50 Dollar je Aktie bewertet würde.

Damit würde sich der Wert der gesamten Firma von 880 Millionen auf 1,04 Milliarden Dollar erhöhen. Sollte Prevail die Genehmigung nicht bis zum 31. Dezember 2024 erhalten, wird die Auszahlung bis zum 1. Dezember 2028 um etwas mehr als 0,08 Dollar pro Monat reduziert. Danach läuft die Meilensteinzahlung aus.

Vorbehaltlich der üblichen Abschlussbedingungen wird der Abschluss der Transaktion für das erste Quartal 2021 erwartet.

Fokus auf lukrativen Markt mit Gentherapien

Die Hintergründe des Deals liegen auf der Hand: Eli Lilly will seine Forschungsanstrengungen durch die Schaffung eines Gentherapie-Programms erweitern. Prevail selbst wurde erst im Jahr 2017 gegründet und forscht an neuen Therapien zum Einsatz bei Parkinson, Morbus Gaucher und Demenz. Das Unternehmen hat derzeit drei Medikamente in der Entwicklung. Zwei werden derzeit in klinischen Studien getestet.

Da noch keine Umsätze erzielt werden, verharrt Prevail weiter in der Verlustzone. Im dritten Quartal stand bei Prevail ein Verlust von 18 Millionen Dollar in den Büchern.

Eli Lilly-Aktie ebenfalls im Aufwind

Die Aktionäre von Eli Lilly scheinen Gefallen an der Übernahme zu finden. Zuletzt notierte die Aktie ebenfalls mit Aufschlägen. Kurz zum Hintergrund des Konzerns: Eli Lilly zählt zu den größten Pharmakonzernen weltweit. Die Kernkompetenz liegt in der Erforschung, der Entwicklung, der Herstellung und dem Vertrieb von Arzneimitteln aus den Bereichen Neurowissenschaft, Endokrinologie, Infektionen, Herz- und Kreislauferkrankungen und der Onkologie.

Zu den wichtigsten Medikamenten des Unternehmens gehören das Antidepressivum Prozac, das auch für die Behandlung von Bulimie und Zwangsneurosen eingesetzt werden kann oder das Krebspräparat Onkovin, das auch bei bereits fortgeschritten Tumorerkrankungen eingesetzt wird. Neben der Humanmedizin ist das Unternehmen auch in der Tiermedizin tätig.

Prognose nach oben geschraubt

Operativ lief es trotz aller Herausforderungen zuletzt ausgesprochen rund. Erst kürzlich hat der Konzern seine Jahresplanung angehoben. Die ursprüngliche Umsatzprognose von 23,7 bis  24,2 Milliarden Dollar wurde um 500 Millionen Dollar nach oben revidiert. Beim Gewinn erwartet Firmenboss David A. Ricks nun eine Bandbreite von 6,28 bis 6,48 Dollar je Aktie (zuvor 6,20 bis 6,40 Dollar je Aktie). Auch für das kommende Jahr zeigt sich der Pharmagigant zuversichtlich und geht von einer anhaltendend hohen Wachstumsdynamik aus. Der Umsatz soll auf 26,5 bis 28 Milliarden Dollar nach oben klettern. Zugleich soll sich der Gewinn auf 7,25 bis 7,90 Dollar je Aktie deutlich verbessern.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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