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Philips-Aktie weiter auf der Suche nach dem Boden

Inhaltsverzeichnis

Ein Blick auf den Aktienkurs des Medizintechnik-Riesen Philips lässt erahnen, dass hier einiges im Argen liegt. Seit Frühjahr 2021 geht es steil bergab. Wechselten damals noch Philips-Aktien für knapp über 50 Euro den Besitzer, so können Anleger inzwischen einen Anteilschein für gut 13 Euro ergattern. Der Grund liegt auf der Hand: Momentan gibt es bei Philips gleich mehrere Baustellen: Neben einem millionenfachen Rückruf von Beatmungsgeräten und Sammelklagen in den USA kämpft der Konzern immer noch mit Problemen in den Lieferketten.

Nun soll es der neue Firmenboss Roy Jakobs richten. Obwohl Jakobs erst wenige Tage im Amt ist, greift er gleich rigoros durch und kündigt neben massiven Entlassungen auch zusätzliche Umstrukturierungsmaßnahmen an.

Gesundheitsspezialist aus den Niederlanden

Koninklijke Philips N.V. ist ein weltweit führender Technologie- und Healthcarekonzern. Das niederländische Unternehmen ist in erster Linie auf Healthcare- und Gesundheitsprodukte ausgerichtet und besetzt marktführende Positionen in den Bereichen Kardiologie, Notfallmedizin und Gesundheitsversorgung. Die Produktpalette des Unternehmens versorgt Fachkräfte und Patienten in jedem Stadium des Krankheitsverlauf: von der Vorsorge über die Diagnose und Behandlung bis hin zur Patientenüberwachung und dem aktiven Gesundheitsmanagement sowohl stationär als auch im Heimbereich. Darüber hinaus bietet der Konzern Produkte für Privatpersonen, die sich auf die Bereiche Gesundheit und Wohlbefinden konzentrieren.

Produktrückruf sorgt weiterhin für Belastungen….

Im letzten Jahr musste Philips einen folgenschweren Produktrückruf durchführen. Der niederländische Medizintechnikkonzern musste 5,5 Millionen Beatmungsgeräten gegen Atemaussetzer im Schlaf (Apnoe) zurückordern. Der darin verwendete Schaum steht im Verdacht, im Lauf der Zeit giftig zu werden. Philips arbeitete mit den Regulierungsbehörden zusammen, um den Schallschutzschaum durch ein neues Material zu ersetzen. Für den Austausch der schadhaften Schlaftherapie- und Beatmungsgeräte hat Philips bisher 4 Millionen Ersatzgeräte und Reparatursets hergestellt. 90 % der Produktion und Auslieferungen will der Konzern in diesem Jahr abschließen.

…..und hohe Abschreibung im dritten Quartal

Die Folgen waren auch in den jüngsten Quartalszahlen spürbar: Im dritten Quartal hatte Philips 1,3 Milliarden Euro auf die Beatmungsgeräte-Sparte Respironics abgeschrieben. Daraus ergibt sich ein Nettoverlust von 1,5 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz ging auf vergleichbarer Basis um 6% auf 4,3 Milliarden Euro zurück.

Massiver Personalabbau und Umstrukturierung geplant

Jetzt greift der neue Philips-Chef Roy Jakobs durch und kündigt den Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen an. Das entspricht 5% der kompletten Firmenbelegschaft. Die Aufwendungen für den Personalabbau taxieren die Niederländer auf 300 Millionen Euro in den kommenden Quartalen. Im Gegenzug soll der radikale Schritt zukünftig Kosteneinsparungen von 300 Millionen Euro pro Jahr bringen.

Zudem plant Jakobs weitere strategische Maßnahmen: Vor allem die Lieferprozesse und die organisatorische Komplexität stehen offenbar auf dem Prüfstand. Laut Firmenangaben sollen die Lieferkettenabläufe verbessert werden, etwa durch Konsolidierung von Lieferanten, Dual Sourcing und die Rationalisierung der Lagerflächen.

Anleger zeigen sich noch skeptisch

Noch sind viele Fragen offen, aber die Stoßrichtung liegt auf der Hand. Der neue Firmenboss will aufräumen und den Konzern wieder auf Vordermann bringen. Die Aktionäre haben allerdings so ihre Zweifel. Der Philips-Aktienkurs reagierte auf die Ankündigungen kaum. Im Gegenteil. Der Kurs verlor in den letzten Tagen weiter an Wert. Offenbar wollen die Anleger erst einmal sehen, dass sich der negative Verlauf stoppen lässt. Immerhin hat Philips fünf Quartale in Folge rückläufige Umsätze ausweisen müssen und ist zuletzt sogar in die Verlustzone gerutscht. Verständlich, dass der Großteil der Anleger sich die Situation da lieber von der Seitenlinie aus ansehen möchte.