Luftfahrtbranche optimistisch – aber noch Luft nach oben

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Das Fluggastaufkommen normalisiert sich, allerdings nur langsam. Fraport und Lufthansa geben sich zuversichtlich, Analysten sind skeptisch. (Foto: nitpicker/Shutterstock)

Die Luftfahrtbranche ist weiter auf Erholungskurs: Anfang Juni zählten die deutschen Flughäfen erstmals seit Beginn der Pandemie wieder mehr als 1 Million Fluggäste binnen einer Woche.

Im Vergleich zum Referenzzeitraum im Vorjahr entspricht das einem Plus von atemberaubenden 433 Prozent – und ist doch nur ein Bruchteil dessen, was sich in normalen Zeiten an den hiesigen Flughäfen abspielt.

Luftfahrt erholt sich – langsam

In der Vergleichswoche 2019 wurden mehr als 5 Millionen Passagiere befördert, doch mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie kam die Luftfahrt und insbesondere der Personenverkehr abrupt zum Erliegen. 2020 registrierten deutsche Flughäfen zwischenzeitlich gerade einmal 55.000 Reisende, das war der Tiefststand, erreicht in Kalenderwoche 15. Im Vorjahr waren hier noch 4,8 Millionen Passagiere befördert worden.

Ganz ähnlich verlief zuletzt die Entwicklung am Frankfurter Flughafen, dem größten deutschen Airport. Die Betreibergesellschaft Fraport zählte für den Monat Mai erstmals wieder mehr als 1 Million Passagiere, insgesamt starteten und landeten 1,25 Millionen Personen in Frankfurt am Main. Auch das entspricht gerade mal in etwa einem Fünftel des Vorkrisenniveaus, im Vergleich zum Mai 2020 jedoch einem Anstieg um 357 Prozent.

Frachtverkehr übertrifft Vorkrisenniveau

Angesichts sinkender Inzidenzwerte, steigender Impfquote und einer immer größeren Anzahl aufgehobener Reisewarnungen hofft die Branche auf eine erneut gute Sommersaison. Auch im vergangenen Jahr hatte die Nachfrage insbesondere für Urlaubsflüge in den Sommermonaten zugelegt, in diesem Jahr kommt nun der Impfschutz als stützender Faktor hinzu.

Sogar über Vorkrisenniveau fliegt mittlerweile die Frachtsparte: Für Mai meldet Fraport mehr als 204.000 Tonnen Luftfracht und damit einen Anstieg um rund 10 Prozent – gegenüber dem Mai 2019, also dem Jahr vor Ausbruch der Pandemie.

Die im MDax, dem Index der mittelgroßen Werte, gelistete Fraport Aktie hat seit Beginn des Jahres um rund ein Drittel zugelegt, auf Jahressicht notiert das Papier etwa 50 Prozent fester.

Lufthansa Aktie: Kehren bald die Geschäftsreisenden zurück?

Die in Frankfurt beheimatete Lufthansa zeigte sich zuletzt ebenfalls optimistisch: Vorstandschef Carsten Spohr bekräftigte, er gehe davon aus, dass die Nachfrage nach Geschäftsreisen langfristig weniger stark zurückgehen werde als zunächst befürchtet. Sei man anfangs noch von einem Rückgang um bis zu 20 Prozent ausgegangen, halte er inzwischen ein Einpendeln etwa 10 Prozent unterhalb des Vorkrisenniveaus für realistischer.

Bereits ab dem dritten Quartal wird die Nachfrage im Businessbereich nach Einschätzung der Airline wieder deutlich zulegen. Pandemiebedingt wurden zahlreiche Geschäftsreisen, Konferenzen und dergleichen mehr abgesagt, verschoben oder in den virtuellen Raum verlagert. Nach bald anderthalb Jahren Pandemie scheint sich allmählich eine gewisse Sättigung im Hinblick auf Videokonferenzformate einzustellen – persönliche Treffen werden zum Teil schmerzlich vermisst und wohl schon bald wieder vermehrt aufgenommen.

Lufthansa setzt vorerst verstärkt auf Touristen

Inwieweit sich die Zuversicht Spohrs bewahrheiten wird, bleibt indes abzuwarten: Nicht wenige Unternehmensführungen haben im Zuge der Pandemie ihre digitale Infrastruktur optimiert und die Kosteneinsparungen zu schätzen gelernt, die durch eine Reduzierung von Geschäftsreisen mitunter erzielt werden kann.

Zumindest kurzfristig will sich auch die Lufthansa nicht vollständig auf eine Erholung der Business Class verlassen: Die Kranich-Airline hat zum einen selbst in ihrer Kernmarke inzwischen etliche Urlaubsdestinationen ergänzt, zudem geht dieser Tage eine neue Tourismustochter an den Start.

Analysten raten zur Vorsicht

Die Lufthansa Aktie konnte im bisherigen Jahresverlauf rund 8 Prozentpunkte zulegen. Angesichts einer bald erwarteten Kapitalerhöhung raten Analysten nicht investierten Anlegern dazu, vorerst die Füße stillzuhalten.

Insgesamt ist die Branche aus Analystensicht noch nicht über den Berg: Sowohl Aktien der Flughafenbetreibergesellschaft Fraport als auch Anteilsscheine der Lufthansa sehen sich derzeit bestenfalls mit neutralen Bewertungen, im Fall der Airline jedoch nicht selten auch mit Verkaufsempfehlungen für die Aktie konfrontiert.

Die turbulenten Zeiten für die Luftfahrt sind auch im zweiten Jahr der Pandemie alles andere als vorbei.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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