Mehr Freiheiten für Geimpfte: Neue Hoffnung für brachliegende Branchen?

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Die Impfkampagne nimmt Tempo auf, schon bald könnten Geimpfte mehr Freiheiten erhalten. Gute Nachrichten für Tourismus und Co. (Foto: Denis Belitsky / shutterstock.com)

Neue Hoffnung für Tourismus, Gastronomie und Co.? Die von der Pandemie und den daraus resultierenden Einschränkungen besonders betroffenen Branchen setzen nach der neuesten Bund-Länder-Runde darauf, dass sie zumindest Geimpfte künftig wieder leichter bedienen können.

Tourismus, Gastronomie, Einzelhandel: Hoffnung auf baldige Lockerungen

Konkrete Beschlüsse hat die Runde zwar noch nicht auf den Weg gebracht, doch die Tendenz ist eindeutig: Zweifach Geimpfte, die also den vollen Infektionsschutz nachweisen können, sollen künftig leichteren Zugang beispielsweise zu Friseuren oder Einzelhändlern erhalten, auch ohne hierfür einen negativen Corona-Test machen zu müssen. Auch Quarantänepflichten nach Auslandsreisen sollen für sie voraussichtlich entfallen.

Zusammen mit der sich zunehmend steigernden Impfquote wächst damit die Hoffnung auf eine Normalisierung auch in den Bereichen, die in den vergangenen 13 Monaten die meiste oder sogar die komplette Zeit geschlossen bleiben mussten. In der Gastronomie, im Einzelhandel, in der Veranstaltungsbranche und im Tourismussektor hört man daher nun ganz genau hin, wem wann was wieder gestattet werden soll.

Selbsttests: Unzuverlässiger als gedacht

Grundsätzlich gilt dabei: Je krasser der Grundrechtseingriff, desto geringer die Chance, dass er vor Gericht weiter Bestand haben wird. Geimpfte können sich also wohl schon bald auf mehr Freiheiten freuen. Dabei sollen sie negativ Getesteten mindestens gleichgestellt werden, wie unter anderem Kanzleramtschef Helge Braun von der CDU bekräftigte – allerdings dürften im Umkehrschluss nicht für alle negativ Getesteten automatisch dieselben Freiheiten gelten, wie sie zweifach Geimpften zuteilwerden sollen. Das Risiko falsch negativer Testergebnisse sei zu hoch, auch könnten sich die ungeimpften Getesteten selbst noch infizieren.

Tatsächlich sind die viel beschworenen Selbsttests wohl weitaus weniger zuverlässig als zunächst angenommen. Studien zufolge erkennen sie nur einen Bruchteil der tatsächlich Infizierten, und das auch nur in einem bestimmten Zeitfenster nach der Ansteckung. Sich mit den schnellen Selbsttests freizutesten, sorgt demnach eher für ein trügerisches Gefühl von Sicherheit, wo diese längst noch nicht gegeben ist.

Impfpass-Entwicklung schreitet voran

Einzelne Bundesländer sind – wie immer nach der Runde der Länderchefs mit der Kanzlerin – wieder einmal vorgeprescht und haben ihrerseits Lockerungen für zweifach Geimpfte angekündigt. Schon bald sollen hierzu auch bundesweite Richtlinien vorliegen. Zunächst allerdings braucht es einen möglichst fälschungssicheren Impfnachweis.

An einem international gültigen Impfpass wird auch auf europäischer Ebene seit einiger Zeit gearbeitet, die hohen Datenschutzanforderungen sorgen hier ein ums andere Mal für Verzögerungen. Dennoch machen Politiker Hoffnung auf ein Licht am Ende des Tunnels: Seit Arztpraxen nach Ostern mit in die Impfkampagne einbezogen wurden, ist das Impftempo in Deutschland erheblich gestiegen. Schon im Juni könnte die Reihenfolge entlang der bisher definierten Priorisierungsgruppen entfallen. Das Ziel, bis zum Sommer allen Impfwilligen ein Angebot zu unterbreiten, scheint in greifbare Nähe zu rücken – und damit auch die Herdenimmunisierung, die als Voraussetzung für eine schrittweise Rückkehr zur Normalität gilt.

Gefährdet die indische Doppelmutante den Impferfolg?

Dennoch bleiben Unsicherheiten vorerst weiterhin bestehen. Mit Sorge blicken Virologen auf die in Indien zurzeit grassierende Doppelmutante, die auch in Europa bereits nachgewiesen wurde. Noch ist unklar, ob die Variante dazu in der Lage ist, den Impfschutz zu umgehen. Das würde den Kampf gegen das Virus erneut zurückwerfen.

Allerdings: Nach bisheriger Datenlage sollen die Impfungen auch bei den bislang bekannten Virusmutationen vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Geht der Anteil der intensivmedizinisch zu versorgenden Infizierten und auch der Todesfälle also dank der Impfungen deutlich zurück, wären schrittweise Öffnungen und Lockerungen wohl dennoch zu erwarten.

Die gebeutelten Branchen würden es danken.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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