Qantas-Vorstoß: Bordpass nur mit Impfpass?

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Es soll keine Impfpflicht geben, zumindest nicht durch die Bundesregierung. Airlines sehen das anders: Verlangen sie künftig einen Impfpass? (Foto: IlkerErgun / Shutterstock.com)

Seit zwei Wochen ist ein Hoffnungsschimmer erkennbar am sonst düsteren Corona-Horizont: Mit Astra Zeneca hat nun das dritte Unternehmen einen wohl wirksamen Impfstoff gegen Covid-19 vorgestellt, der demnächst zugelassen werden könnte. Zuvor hatten bereits Biontech und sein Kooperationspartner Pfizer sowie die US-Firma Moderna aussichtsreiche Impfstoffkandidaten präsentiert.

Ein Impfstoff gilt seit Monaten als der zentrale Schlüssel, um zur Normalität zurückzukehren und die teils monatelangen Beschränkungen hinter sich zu lassen. Eine Impfpflicht soll es dennoch nicht geben, werden Bundesregierung und Ländervertreter nicht müde zu betonen.

Nach bisherigen Umfragen sind etwa 60 bis 70 Prozent der Deutschen bereit dazu, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen – eine Impfquote in dieser Größenordnung ist auch erforderlich, um so etwas wie Herdenimmunität zu erreichen und guten Gewissens die Lockdown-Maßnahmen auslaufen zu lassen.

Fliegen nur noch mit Impfnachweis?

Staatlich angeordnet wird die Impfpflicht also nicht, doch von anderer Stelle kommen nun entsprechende Überlegungen ins Spiel: Mit der australischen Airline Qantas denkt die erste Fluggesellschaft öffentlich darüber nach, Passagiere künftig nur noch mit Impfnachweis an Bord zu lassen.

Beobachter rechnen damit, dass das Modell Schule machen könnte. Immerhin waren die Luftfahrt- und Tourismusbranche von den Lockdown-Maßnahmen verschiedener Regierungen besonders betroffen, ihr Geschäftsmodell kam de facto zum Erliegen, die Lufthansa – ein zuvor solide wirtschaftendes Unternehmen – musste gar durch staatliche Hilfen vor der Pleite bewahrt werden.

Die Angst in der Luftfahrt ist groß, dass die Passagierzahlen nach Corona das Vorkrisenniveau lange nicht erreichen werden. Mit einer mehrjährigen Erholungsphase rechnen Branchenkenner. Das hat verschiedene Gründe.

Nachlassendes Fluggastaufkommen erwartet

Einerseits könnte sich die Zahl der Geschäftsreisen erheblich reduzieren, nachdem im Zuge der Pandemie virtuelle Konferenz- und Meetingformate erfolgreich getestet und etabliert wurden. Unternehmen können an dieser Stelle Zeit und Kosten sparen und tendieren möglicherweise künftig dazu, nur noch in Ausnahmefällen Geschäftsreisen durchzuführen.

Andererseits reist beim privaten Tourismus die Angst vor dem Virus immer mit. Dicht besetzte Flugzeuge sind vielen nicht geheuer. Zudem war es die Luftfahrt, die eine so schnelle globale Ausbreitung der Pandemie erst möglich machte.

Die Argumente der Airlines, einen Impfnachweis zu fordern, liegen also auf der Hand. Je nach Akzeptanz der Kunden könnte dies auch jenen Fluggesellschaften zum Nachteil gereichen, die von einem solchen Nachweis absehen – sie könnten als potenzielle Virenschleudern gemieden werden.

Erhöht das die Impfquote?

Noch ist unklar, ob, wie viele und welche Airlines sich dem Vorstoß von Qantas anschließen werden und ob sie mit einer solchen Forderung rechtlich durchkommen werden. Man erinnere sich an entsprechende Bedenken seitens der Bundesregierung bei der Einführung der Corona-Warn-App vor einigen Monaten, als über verpflichtende App-Installationen für Café-Besuche oder Arbeitgeber diskutiert wurde.

Sollte der Impfnachweis juristisch Bestand haben, könnte das in den westlichen Industrienationen mittelfristig jedenfalls dazu führen, dass sich mehr als die bisherigen knapp 70 Prozent für eine Impfung entscheiden – weil der Arbeitgeber sie auf eine Dienstreise schickt oder sie selbst mit dem Flugzeug verreisen wollen.

Die Welt nach Corona wird eine andere sein.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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