Compugroup: Softwarekonzern reitet Digitalisierungswelle im Gesundheitswesen

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Die Compugroup-Aktie ist nach den Quartalszahlen kräftig unter Druck. Denn die Jahresprognose reißt Anleger nicht gerade vom Hocker. (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Die Aktie des Medizinsoftware-Konzerns Compugroup rauschte nach Vorlage der Geschäftszahlen zuletzt deutlich in den Keller. Zwar konnte der Software-Anbieter eine kräftige Nachfrage nach seinen IT-Lösungen für das Gesundheitswesen verzeichnen, aber das Gewinnwachstum blieb auf Grund höherer Investitionen hinter den Erwartungen zurück.

Compugroup – deutscher Medizinsoftwareanbieter im Porträt

Compugroup zählt sich zu den weltweit führenden eHealth-Unternehmen. Der Konzern entwickelt und vertreibt Software und Kommunikationslösungen zur Unterstützung der ärztlichen und organisatorischen Tätigkeiten für Zahnärzte, Ärzte und Kliniken. Die Gesellschaft bietet diesen eine Plattform für die Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen. Das Unternehmen ist mit eigenen Standorten in zahlreichen europäischen Ländern sowie Malaysia, Saudi Arabien, Südafrika und den USA vertreten.

Dabei war der Konzern auch an zwei Großprojekten beteiligt, die Ihnen bestimmt bekannt sind: Der digitalen Patientenaktie und der elektronischen Gesundheitskarte. In den Vorjahren hatte die Compugroup stark von der Einführung der sogenannten Telematik im Gesundheitswesen profitiert, die auch Software und Hardware für die elektronische Gesundheitskarte umfasst.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Mit seiner Positionierung hat sich Compugroup erfolgreich in einer Nische positioniert. Kennzeichnend für das stabile Geschäftsmodell sind niedrige Kündigungsquoten und das strukturelle Wachstum, da immer mehr Ärzte auf digitale Lösungen setzen müssen.

Zugleich erfährt der Markt durch die zunehmende Regulierung und Digitalisierung des Gesundheitswesens kräftigen Rückenwind. So konnten sich die Zahlen der letzten Jahre durchaus sehen lassen: Seit 2007 kletterten die Umsätze von 180,2 auf 837,3 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr. Zugleich legte der Gewinn von 22,8 auf 73,2 Millionen Euro zu.

Übernahmen sorgen für Rückenwind

Zum Jahresstart zeigte der Software-Anbieter weiter eine hohe Wachstumsdynamik. Die Umsätze kletterten kräftig um ein Viertel auf 229 Millionen Euro. Das lag primär am Kauf von Teilen des Europa-Geschäfts für Krankenhaus-Informationssysteme von Cerner sowie an der Übernahme des texanischen Anbieters von Arztinformationssystemen eMDs im zurückliegenden Jahr.

Organisch, also ohne die Zukäufe eingerechnet, lag das Umsatzplus bei knapp 5%. Zum Vergleich: Im Vorfeld hat das Management ein organisches Wachstum zwischen 4 und 8% in Aussicht gestellt. Erfreulich ist, dass der Anteil der wiederkehrende Umsätze im Startquartal um 2 Prozentpunkte auf 69% angestiegen ist.

Höhere Investitionen drücken auf die Marge

Gleichzeitig verbesserte sich das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 7% auf 47 Millionen Euro. Der Grund für die unterproportionale Gewinnentwicklung lag in höheren Ausgaben in neue Technologien und höheren Vertriebsaufwendungen. Entsprechend reduzierte sich die Vorsteuergewinnmarge auf 20% vs. 24% im vergleichbaren Vorjahresquartal. Am Ende stand ein Nettoergebnis von 11 Millionen Euro in den Büchern. Das entspricht einem Rückgang um 15%.

Prognose für das Gesamtjahr bestätigt

Unterdessen zeigt sich das Compugroup-Management zuversichtlich und bekräftigte die Prognose für das Geschäftsjahr 2021. So soll insgesamt ein Umsatz zwischen 1 und 1,04 Milliarden Euro durch die Bücher gehen (2020: 837,3 Mio. Euro). Beim bereinigten Vorsteuerergebnis (EBITDA) erwartet der Softwarespezialist eine Range zwischen 210 und 230 Millionen Euro (2020: 215 Mio. Euro).

Analysten zeigen sich uneinheitlich

Die Analysten sind derzeit uneins. Insgesamt beschäftigen sich 8 Analysten mit der Aktien, wovon 3 eine Kaufempfehlung aussprechen. Vier Experten stufen den Titel als Halteposition ein, während ein Analyst die Aktie mit „Untergewichten“ einstuft. Im Schnitt rechnen die Analysten mit einem Gewinn von 1,99 Euro je Aktie in 2021 und 2,25 Euro je Aktien in 2022. Damit liegt das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 32 respektive 28. Dabei variieren die Kursziele stark. Die Bandbreite reicht von 60 bis 100 Euro, während die Compugroup-Aktie gerade bei 65 Euro notiert.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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