EQS-Group auf Expansionskurs: Zusammenschluss mit Rivalen stärkt Marktposition

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Die Münchener EQS Group schluckt den größten Wettbewerber und steigt zum europäischen Marktführer für Hinweisgebersysteme auf. (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Mit einem deutlichen Kurssprung von über 20% reagierten die Anleger auf die Expansionspläne des Münchener RegTech-Unternehmens EQS-Group. Der Compliance- und Investor Relations-Spezialist will seinen größten Wettbewerber schlucken. Mit der Übernahme der Berliner Business Keeper GmbH steigt der Konzern nach eigenen Angaben zum europäischen Marktführer in seiner Nische auf.

EQS-Group – der unbekannte Marktführer

Bevor wir auf den aktuellen Deal kommen, möchte ich Ihnen die EQS Group erst einmal näher vorstellen. Auch wenn das spezialisierte Unternehmen bei vielen Firmen bekannt ist, unter den Anlegern dürfte die Gesellschaft nur den Nebenwertespezialisten ein Begriff sein. Der Marktwert liegt trotz des jüngsten Kurssprungs „nur“ bei rund 275 Millionen Euro.

Dabei ist das Geschäftsmodell durchaus spannend: Die EQS Group ist ein führender internationaler Technologieanbieter für die Bereiche Digital Investor Relations, Corporate Communications und Compliance . Damit stellt EQS sicher, dass mehr als 8.000 Unternehmen weltweit ihre Investoren vor allem aufsichtsrechtlich sicher informieren können.

Das COCKPIT, eine Software as a Service (SaaS), bildet dazu die Arbeitsprozesse von IR Managern digital ab, kommuniziert mit der Unternehmenswebsite und verbreitet Mitteilungen über eines der wichtigsten Financial Newswire. Produkte wie Websites, IR Tools und Online-Unternehmensberichte machen EQS Group zum digitalen Komplettanbieter. Der Konzern hält zudem die Mehrheitsbeteiligung an der ARIVA.DE AG und beschäftigt insgesamt über 400 Mitarbeiter.

Übernahme zementiert Marktposition

Mit der Übernahme des stärksten Wettbewerbers Business Keeper GmbH in Berlin erlangt EQS Group nach eigenen Angaben die führende Position in Europa als Cloud-Anbieter für Hinweisgebersysteme. Gemeinsam verfügen beide Firmen über 1.200 SaaS-Kunden und rund 20 Millionen Euro wiederkehrendes jährliches Auftragsvolumen (ARR) im Produktbereich Hinweisgebersysteme.

Unter dem Strich legt EQS 95 Millionen Euro für das Objekt der Begierde auf den Tisch. Finanziert werden soll der Deal über eine Mischung aus Fremdkapital (50 Millionen Euro), Barmittel (10 Millionen Euro) und die Ausgabe neuer Aktien. Verkäufer der Business Keeper GmbH sind der australische Investor Macquarie Capital, der Gründer Kenan Tur und Geschäftsführer Kai Leisering.

Business Keeper mit renommierten Kundenportfolio

Business Keeper hat laut der Pressemitteilung das erste softwarebasierte Hinweisgebersystem in Europa entwickelt. Damit könnten Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten anonym auf Missstände in Unternehmen und Organisationen hinweisen. Das Kundenportfolio kann sich sehen lassen: Insgesamt betreut die Firma mit 100 Mitarbeitern mehr als 300 Kunden. Neben 16 DAX-Konzerne setzen auch internationale Großkonzerne wie Danone, Nestlé und Samsung auf die Lösungen der Berliner. Zuletzt lagen die jährlich wiederkehrende Lizenzerlöse bei rund 10 Millionen Euro.

Regulatorisches Umfeld sorgt für Rückenwind

Mit dem Zukauf will EQS von der anziehenden Regulatorik profitieren. Zum Hintergrund: Basierend auf einer EU-Richtlinie müssen Unternehmen ab 250 Beschäftigten bis Ende 2021 einen internen Meldekanal für Compliance-Verstöße verpflichtend einführen. Im Anschluss müssen die Regeln bis Ende 2023 sogar von Firmen ab 50 Mitarbeitern eingehalten werden.

Prognose nach oben geschraubt

Entsprechend zuversichtlich zeigt sich EQS-Chef Achim Weick, der im Zuge des Zukaufs die Prognose anhob. Weick peilt ein Umsatzplus von 30 bis 40 % auf 49 bis 53 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr an. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll in der Spanne von 2 bis 3 (bisher: 1 bis 2) Millionen Euro liegen.

Auch mittelfristig ist der Konzernboss optimistisch: In 2022 sollen 70 bis 75 Millionen Euro an Umsatz durch die Bücher gehen. Dem Ausblick liegt die Einschätzung zugrunde, dass die Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht im Laufe des vierten Quartals 2021 erfolgt. Bis 2025 soll dann die Schwelle von 130 Millionen Euro beim Umsatz geknackt und eine EBITDA-Marge von mindestens 30% erreicht werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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