Finanzinvestoren buhlen um niederländischen Telekommunikationsriesen KPN

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Der niederländische Telekommunikationskonzern KPN lässt gleich zwei Finanzinvestoren eiskalt abblitzen - aber die Übernahmegerüchte ebben nicht ab. (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Das hat es auch schon länger nicht gegeben. Der niederländischen Telekomkonzern KPN erteilt gleich zwei Finanzinvestoren eine Abfuhr. Ob ein Bieterwettstreit um den früheren Besitzer des Mobilfunkanbieters E-Plus entstehen könnte, ist noch unklar.

Fest steht aber: Sollte das Unternehmen inklusive Schulden mit bis zu 18 Milliarden Euro bewertet werden, dann wäre es der größte Private-Equity-Deal aller Zeiten in Europa. Für Sie zum Vergleich: Der bislang größte Kauf eines Finanzinvestors in Europa war die Übernahme der Thyssenkrupp-Aufzüge durch Advent Anfang 2020 für 17 Milliarden Euro.

Wer hinter KPN steckt

KPN ist der größte niederländische Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen. Der international aufgestellte Konzern bietet dabei sowohl Privat- als auch Geschäftskunden Lösungen rund um das Telefonieren an. Das zentrale Geschäftsfeld sind das Telefonieren sowie Datendienstleistungen über das Festnetz in den Niederlanden, mobile Telekommunikationsservices in Deutschland, den Niederlanden und Belgien sowie Datendienstleistungen in Westeuropa.

In den Niederlanden zählt KPN in allen wichtigen Segmenten zum Marktführer. Mit BASE und Simyo in Deutschland sowie in Belgien ist KPN national jeweils einer der größten Anbieter im Bereich Mobilfunk. Zum Portfolio gehören auch die Wholesale Netzwerk Dienstleistungen für Dritte.

KPN hielt weitere Beteiligungen an Mobilfunkfirmen u.a. auch in Tschechien, die aber zwischenzeitlich wieder veräußert wurden. Das operative Geschäft ist unterteilt in die Segmente “The Netherlands”, “iBasis” und “Mobile International”.

Finanzinvestoren blitzen ab

Hauptaktionär des Unternehmens ist der mexikanische Milliardär Carlos Slim mit 20 % der Anteile. Entscheidenden Einfluss auf eine Transaktion hat jedoch auch die niederländische Regierung, weil es ein Gesetz gibt, auf dessen Basis das Wirtschaftsministerium feindliche Übernahmen in der als strategisch geltenden Telekombranche blockieren kann.

Finanzinvestoren zeigen Interesse

Für Aufruhr sorgte ein Bericht der “Financial Times”, der über Kaufinteresse der Finanzinvestoren EQT und Stonepeak sowie KKR berichtete. Als kolportierter Kaufpreis wurden 3 Euro pro Aktie genannt. Abzüglich der Schulden des Unternehmens entspricht das einem Wert von gut 12,5 Milliarden Euro. Beide Beteiligungsgesellschaften hätten seit längerem Interesse an KPN, berichtete die Zeitung. Unter der Hand machten bereits seit gut einem Jahr Gerüchten zu einer möglichen Übernahme die Runde.

KPN lässt potenzielle Bieter eiskalt abblitzen

Die Reaktion der KPN-Führung fiel aber eindeutig aus. Die Gebote hätten „keinen Mehrwert gegenüber der neuesten eigenen Wachstumsstrategie“, wie das Management des Telekommunikationskonzerns mitteilen ließ. KPN machte zudem klar, dass sie keine Verhandlungen mit den genannten Gesellschaften geführt hat und derzeit auch nicht führe.

KPN mit neuer Wachstumsstrategie

Die Angebote kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Betreiber seine im November angekündigte neue Strategie umsetzt, die helfen soll, Investitionen in 5G und Glasfaser im Land voranzutreiben und gleichzeitig ein “gestrafftes Betriebsmodell” und Kostensenkungen einzuführen. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erwirtschaftete der Konzern bei einem Umsatz von 5,28 Milliarden Euro einen Nettogewinn in Höhe von 561 Millionen Euro.

KPN war bereits in den vergangenen Jahren öfter als mögliches Übernahmeziel in das Visier von Investoren geraten. Der Großaktionär America Movil versuchte bereits 2013 eine Übernahme, die jedoch scheiterte. Seitdem sollen zahlreiche Unternehmen Annäherungsversuche unternommen haben. Die Aktie reagierte mit leichten Kursabschlägen auf die Absage der KPN-Konzernführung und notiert mit 2,79 Euro ein gutes Stück unterhalb des im Raum stehenden Angebots von 3 Euro je Aktie.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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