The Trade Desk: Wie es nach dem Kursrutsch weitergeht

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Kurseinbruch bei The Trade Desk trotz starker Zahlen. Die Anleger stellen die hohe Bewertung in Frage - aber das Marktpotenzial bleibt groß. (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Das schwierige Umfeld für Hochwachstumsaktien hält weiter an. Gehörte das Aktiensegment der stark wachsenden, aber oftmals noch Verluste schreibenden Technologiefirmen im letzten Jahr zu den großen Gewinnern, so  tun sich die Papiere im laufenden Börsenjahr ausgesprochen schwer. Die Rationalität der Anleger scheint zurück.

Die Investoren sind nicht mehr bereit, exorbitant hohe Bewertungen für die Firmen zu zahlen. Das bekam auch die Aktie Online-Werbespezialisten The Trade Desk zu spüren, die nach den gerade vorgelegten Geschäftszahlen um ein Viertel in den Keller rauschte. Seit dem Allzeithoch Ende letzten Jahres hat sich der Aktienkurs zwischenzeitlich halbiert, bevor am Freitag eine Erholung einsetzte.

Trade Desk im Portrait

Digitale Werbung ist auf Jahre hinaus ein boomender Markt mit zweistelligen Wachstumsraten. Der Konzern The Trade Desk bietet automatisierte Tools, mit denen Firmenkunden digitale Werbeanzeigen kaufen und so ihre Rendite optimieren können. Die Anwendungen von Trade Desk arbeiten mit Künstlicher Intelligenz (KI) und identifizieren die besten Websites, auf denen es sich lohnt Anzeigen zu kaufen und zu schalten.

Dabei geht es wohlgemerkt nicht nur um Anzeigen im Web (Display), sondern auch um Ads in Smartphone-Apps (Mobile), Werbung bei Video-Streaming-Anbietern im Web, via Internet-Radio beziehungsweise Podcasts (Audio) oder auch im Internet-TV (Connected TV). Via Programmatic Advertising kann der Werbetreibende mit der Software von The Trade Desk eine sehr spezifische Zielgruppe auswählen und über all diese Online-Kanäle hinweg effizient bewerben.

Plattform sorgt für kräftige Wachstumsraten

Mit seiner intelligenten Plattform erzielte das Unternehmen in den vergangenen Jahren kräftige Wachstumsraten. Von 2014 bis 2020 kletterten die Umsätze von 44 auf 836 Millionen Dollar in die Höhe. Im Gegensatz zu vielen anderen Start Ups ist The Trade Desk bereits seit Jahren profitabel. Im vergangenen Geschäftsjahr stand ein Gewinn von 242,3 Millionen Dollar in den Büchern, was einer Nettomarge (Gewinn in Relation zum Umsatz) von 28,98% entspricht.

37% Umsatzplus im ersten Quartal

Im ersten Quartal hielt die hohe Wachstumsdynamik unverändert an. Insbesondere das Video-Geschäft rund um die Werbung auf Streaming-Plattformen war mit weiterhin dreistelligen Zuwachsraten ein Wachstumstreiber. Im ersten Quartal gingen Umsätze von 220 Millionen Dollar durch die Bücher (+48% zum Vorjahresquartal). Das lag um 2,6 Millionen Dollar über den Erwartungen. Am Ende stand aber, vor allem auf Grund höherer Personalausgaben, ein mit 22,6 Millionen Dollar rückläufiger Nettogewinn in den Büchern. Entsprechend sank die Nettomarge deutlich um 5 Prozentpunkte im Vergleich mit dem Vorjahresquartal.

Fehlende Prognose verdirbt Anlegern die Stimmung

So war es neben der schwächeren Profitabilität aber auch das Fehlen einer Prognose für das Gesamtjahr, die den Anlegern offenbar die Stimmung vermiest hat. Lediglich zu einer Umsatzprognose für das zweite Quartal ließ sich das Trade Desk-Management hinreißen (260 Millionen Dollar). Diese liegt zwar deutlich über dem Vorjahresniveau (+87%), ist aber vor dem Hintergrund des temporär einbrechenden Werbemarktes im Corona-Quartal 2020 zu sehen.

So aussichtsreich das Geschäftsmodell des Konzerns ist, kurzfristig dürften sich Anleger weite auf hohe Schwankungen einstellen. Dass nach dem Kursrutsch nicht unbedingt die Trendwende kommen muss, zeigt ein Blick auf die weiterhin hohe Bewertung. Bei einem Börsenwert von 24,6 Milliarden Dollar müssen Anleger weiterhin das 70-Fache der für 2021 von den Analysten erwarteten Gewinne zahlen. In der aktuellen Stimmungslage (Stichwort Sektor-Rotation) scheint das für viele Anleger immer noch zu viel zu sein.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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