Veolia beißt beim Rivalen Suez weiter auf Granit

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Suez bei Veolia weiter am Drücker: Übernahmekrimi geht in die nächste Runde. Verhandlungsmarathon ist noch lange nicht zu Ende (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Die Nachricht im vergangenen Sommer war ein Paukenschlag. Knapp acht Jahre nach der gescheiterten Fusion mit dem Rivalen Suez startete der französische Wasser- und Abfallkonzern Veolia eine milliardenschwere feindliche Übernahme. Dass der Deal kein Selbstläufer werden würde, zeichnete sich bereits damals ab. Inzwischen ist ein über ein halbes Jahr vergangenen und der Übernahmekrimi ist längst nicht zu Ende.

Vor wenigen Tagen hat die Suez-Führung versucht, wieder  Bewegung in die Verhandlungen zu bringen. Im Rahmen des Deals wollte der Bieter einen Teil des Konzerns an ein Investorenkonsortium verkaufen. Der französische Konkurrent Veolia, der bereits knapp 30% der Suez-Aktien besitzt, lehnte dieses Vorhaben allerdings ab.

Die Reaktion der Anleger fiel deutlich aus. Während die Suez-Papiere auf das höchste Niveau der vergangenen sechs Jahre kletterten, gaben die Suez-Aktien in den letzten Tagen rund 8% nach.

Zusammenschluss würde weltweiten Marktführer schaffen

Die Intention des Deals liegt auf der Hand: Mit der Übernahme würde ein neuer weltweiter Marktführer für Umweltdienstleistungen entstehen. Veolia kam im zurückliegenden Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 26 Milliarden Euro – der Gewinn lag bei 89 Millionen Euro. Zusammen kämen beide Firmen also auf einen beachtlichen Jahresumsatz von über 43 Milliarden Euro. Damit könnte ein langes Kapitel zum positiven Abschluss kommen. Zum Hintergrund: Der Deal war damals auf Grund wettbewerbsrechtlicher Bedenken nicht zustande gekommen.

Verhandlungen sind festgefahren

Zuletzt kam wieder Schwung in die Verhandlungen: Suez hatte einer möglichen Übernahme durch Veolia die Zusage erteilt, sofern die Offerte von 18 auf 20 Euro je Aktie aufgestockt werden würde. Allerdings war das nicht die einzige Forderung des Suez-Managements. Zugleich sollte sich der Käufer Veolia verpflichten, anschließend die Wasser- und Recycling-Aktivitäten von Suez France und das internationale Wassergeschäft an die Investmentfonds Ardian und Global Infrastructure Partners (GIP) weiterzuverkaufen.

Finanzkonsortium will knapp 12 Milliarden Euro zahlen

Die Aktivitäten, die bei dem Deal mit den Finanzinvestoren im Gespräch sind, hatten zuletzt einen Umsatz von 9,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das waren immerhin knapp 53% der Gesamtumsätze von Suez. Für die Unternehmensteile würden die Investmentfonds 11,9 Milliarden Euro in bar auf den Tisch legen. Der Interessent Veolia lehnte aber das Alternativangebot direkt ab.

Übernahmekrimi vom Allerfeinsten

Die vorgeschlagene Alternative kommt gerade einmal anderthalb Wochen nachdem Veolia versprochen hat, die französischen Aktivitäten mit einem Jahresumsatz von 5 Milliarden Euro nicht aufzuspalten. Stattdessen sollte das Geschäft im Ganzen an den französischen Meridiam-Investmentfonds verkauft werden, vor allem auch, um Hürden der Wettbewerbshüter aus dem Weg zu räumen.

Brisant: Im vergangenen Herbst hatte Suez eine Giftpille kreiert und ihre französischen Wasseraktivitäten in eine Stiftung niederländischen Rechts eingebracht. Suez erklärte nun, diese wieder aufzulösen, wenn bis zum 20. April eine Einigung mit Veolia ausgehandelt wird oder Veolia das Angebot bis 5. Mai auf 22,50 Euro erhöht.

Die Anleger sind unterdessen positiv gestimmt und haben den Suez-Kurz zuletzt auf 18,30 Euro nach oben getrieben. Ob es nochmals eine Anhebung der Offerte gibt oder der Deal am Ende, wie schon einmal vor acht Jahren, fallengelassen wird, muss sich erst noch zeigen. Eines ist jedoch schon heute sicher: Spannend  bleibt es allemal.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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