Bayer Aktie: Gute und schlechte Nachrichten

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Ausgerechnet in Sachen Glyphosat gibt es positive Signale – zugleich droht ein Rückschlag an anderer Stelle. Die Bayer Aktie steigt dennoch. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Gute und schlechte Nachrichten gab es am Donnerstag für Bayer. Am Parkett sorgte das für einen ausgleichenden Effekt, die Bayer Aktie schloss am Ende des Handelstages geringfügig im Plus.

Positive Nachrichten im Glyphosat-Streit

Für positive Effekte sorgte eine Studie, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in Auftrag gegeben hatte. Diese kommt zu dem Schluss, dass der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat nicht krebserregend sei und die Anforderungen für eine Zulassung diesbezüglich erfülle.

Es ist ein wichtiger Teilerfolg für Bayer in den jahrelangen Auseinandersetzungen rund um das Pflanzenschutzmittel. Normalerweise sind Anleger hier nur Rückschläge, Negativschlagzeilen und Milliardenkosten gewohnt.

Zigtausende US-Klagen anhängig

Tatsächlich laufen in den USA noch etliche juristische Auseinandersetzungen, fast 100.000 Kläger haben sich nach der Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto durch Bayer zusammengeschlossen und ziehen nun gegen die Leverkusener vor Gericht. Mit der 63 Milliarden US-Dollar schweren Monsanto-Übernahme, für die man sich außerdem von so manchem Tafelsilber hatte trennen müssen, hat sich Bayer vor allem Probleme ins Haus geholt. Anleger sind mit den Auswirkungen des teuren Zukaufs dementsprechend alles andere als zufrieden.

Sowohl die EU als auch einige ihrer Mitgliedsstaaten haben den Einsatz des Mittels vorerst eingeschränkt oder ganz verboten, die nun vorgelegte Studie ist Teil eines Prozesses zur möglichen Wiederzulassung. Das Verfahren dürfte sich allerdings noch eine Weile in die Länge ziehen.

Für den Umsatz ist der europäische Markt ohnehin vernachlässigbar. Viel wichtiger ist Glyphosat für landwirtschaftliche Abnehmer in den USA sowie Mittel- und Südamerika, insbesondere Mexiko und Brasilien. Angesichts der zigtausenden Klagen in den Vereinigten Staaten hat das Image allerdings in den vergangenen Jahren deutlich gelitten. Dass es ausgerechnet in Sachen Glyphosat nun eine Art positive Zwischenmeldung gab, überraschte daher umso mehr.

Herber Rückschlag für Kooperationspartner Curevac

Auf der anderen Seite gab es jedoch auch einen Rückschlag, und zwar ganz unabhängig von Monsanto. In einer Pflichtmitteilung an die Börse hatte das Tübinger Biotechunternehmen Curevac in der Nacht zum Donnerstag verkünden müssen, dass sein Impfstoff gegen Covid-19 wohl deutlich weniger wirksam ist als erhofft.

Ein Zwischenergebnis der laufenden klinischen Phase-III-Studie bescheinigt dem Präparat eine Wirksamkeit von lediglich 47 Prozent. Das reicht nicht für eine Zulassung und wäre zudem kaum konkurrenzfähig angesichts der jeweils über 90-prozentigen Wirksamkeit anderer Vakzine, die bereits seit Monaten auf dem Markt sind und in zahlreichen Ländern millionenfach verabreicht werden.

Bayer ist durch den Rückschlag indirekt ebenfalls betroffen: Der Leverkusener Chemieriese wollte mit Curevac zusammenarbeiten bei der massenhaften Herstellung des Impfstoffs nach dessen Zulassung. Diese ist nun in weite Ferne gerückt, sofern sie überhaupt noch realisiert wird. Curevac betonte, die laufenden Studien zu Ende führen zu wollen und die endgültigen Ergebnisse abzuwarten, die in einigen Wochen vorliegen sollen.

Curevac Aktie bricht um die Hälfte ein

Bereits zuvor hatte sich das Vakzin der Tübinger immer wieder verzögert. Bis Anfang Juni war noch von einer Zulassung im Laufe des zweiten Quartals die Rede, auch in die bundesweite Impfkampagne waren millionenfach Impfdosen von Curevac eingeplant worden.

Beides hatte sich Anfang des Monats jedoch verändert: Von einer Zulassung „nicht vor August“ war da plötzlich die Rede, das Bundesgesundheitsministerium strich das Präparat gänzlich aus der Planung für das laufende Jahr. Dementsprechend wird das Tempo der bundesweiten Impfkampagne durch den jetzigen Rückschlag zwar nicht erneut zurückgeworfen, für Investoren wie den Bund oder Kooperationspartner wie Bayer kommt die Nachricht dennoch denkbar ungelegen.

Bayer hat bereits angekündigt, an der Kooperation mit Curevac weiterhin festhalten zu wollen. Anleger zeigten sich weniger verständnisvoll: Der Wert der Curevac Aktie halbierte sich am Donnerstag binnen weniger Stunden.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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