Daimler: Dank Källenius vom Sorgenkind zum Superstar

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Källenius krempelt Daimler um und erzielt bei rückläufigen Umsätzen eine Gewinnsteigerung. Analysten und Anleger sind begeistert. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Ola Källenius greift durch. Der Chef des Daimler-Konzerns und Nachfolger des langjährigen Vorgängers Dieter Zetsche kann nach gerade einmal knapp zwei Jahren im Amt bereits beachtliche Erfolge vorweisen – und das trotz erschwerter Bedingungen während der globalen Pandemie.

Steigende Gewinne bei nachlassenden Umsätzen

So weist der Stuttgarter Autobauer für das Krisenjahr 2020 zwar geringere Umsätze aus, verbucht gleichzeitig aber eine Gewinnsteigerung. Während der Umsatz gegenüber 2019 um 11 Prozentpunkte nachgab auf 154,3 Milliarden Euro, schoss der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um rund 50 Prozent in die Höhe auf 3,6 Milliarden Euro.

Der starke Ergebnisvergleich basiert zum Teil auf Sonderbelastungen, die die Bilanz des Vorjahres geschmälert hatten. Hier schlugen sich insbesondere Kosten aus der Dieselaffäre sowie Zusatzbelastungen durch den Handelsstreit zwischen den USA und China nieder. Doch angesichts der weltweiten Wirtschaftsbelastungen durch die Corona-Pandemie 2020 sind die aktuellen Zahlen dennoch bemerkenswert.

Ein Drittel geht nach China

Geholfen hat dabei vor allem die hohe Nachfrage aus China. Das Reich der Mitte gilt schon seit längerem als wichtiger Wachstumsmarkt der Autobranche. Das Land hat sich überraschend schnell von der Corona-Krise erholt, als einzige größere Volkswirtschaft konnte China für 2020 ein Wirtschaftswachstum ausweisen. Mit 2,3 Prozent fiel dies zwar für chinesische Verhältnisse schwach aus, war in einem so beispiellosen Krisenjahr aber dennoch besser, als die meisten erwartet hatten.

Daimler verkaufte mit 2,84 Millionen Fahrzeugen im vergangenen Jahr zwar 15 Prozent weniger als noch 2019. Von den 2,4 Millionen Autos entfiel mit 770.000 Stück rund ein Drittel auf China. Das entspricht auch der übergeordneten Entwicklung jenseits der Stuttgarter: Insgesamt machte China mit 25 Millionen Fahrzeugverkäufen 2020 etwa ein Drittel des Weltmarkts aus. Da dort häufig auch höhere Margen erzielt werden als beispielsweise in Europa, profitieren die Hersteller gleich doppelt.

Källenius krempelt Daimler um

Doch die starke Bilanz bei Daimler hängt nicht nur mit der Erholung der chinesischen Wirtschaft zusammen. Källenius hat außerdem rigoros den Rotstift angesetzt, auch und vor allem bei der Belegschaft. Rund 10.000 Arbeitsplätze sind allein im vergangenen Jahr abgebaut worden, weitere 20.000 könnten folgen. Bis zur Mitte der Dekade will der Vorstandschef dadurch die laufenden Kosten des Konzerns dauerhaft um 20 Prozent senken.

Allerdings soll die Bilanzoptimierung perspektivisch nicht nur durch Einsparungen gelingen, sondern auch durch zukunftsfähige Wachstumsmöglichkeiten. Zwar will sich Daimler vorerst nicht vom Verbrennermotor verabschieden, treibt jedoch die Elektrooffensive weiter voran. Allein in diesem Jahr sollen vier neue E-Modelle auf den Markt kommen, die Investitionen für Forschung und Entwicklung in dem Bereich werden deutlich erhöht.

Schwung ins neue Jahr mitnehmen

Positiv fiel Anlegern und Analysten bei der Bilanzvorstellung in der vergangenen Woche vor allem ins Auge, dass die Wachstumsdynamik insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2020 an Fahrt aufgenommen hat. Der Schwung soll hinübergerettet werden ins laufende Jahr, sodass Daimler bei Absatz, Umsatz und operativem Ergebnis für 2021 mit größeren Sprüngen nach oben rechnet.

Der Bereich Pkw und Vans soll demnach bereits in diesem Jahr eine bereinigte Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent erzielen, für die Nutzfahrzeuge wird eine operative Marge von 6 bis 7 Prozent angepeilt.

Aufspaltung in zwei Unternehmen

Beide Sparten sollen zudem umgewandelt werden in jeweils eigenständige, börsennotierte Unternehmen. Die bisherige Daimler AG wird dadurch wohl schon bald verschwinden. Übrig bleiben das Geschäft mit Pkw und Vans unter der Marke Mercedes-Benz einerseits sowie die Daimler Truck AG mit Lkw und Bussen andererseits. Die Aufspaltung soll nach Unternehmensangaben noch in diesem Jahr vollzogen werden.

Der Schritt macht unternehmerisch sowie auch aus Sicht der Marktteilnehmer durchaus Sinn. Produktlinien, Käufergruppen und Anforderungen sind so unterschiedlich, dass eine stärkere Fokussierung auf die jeweiligen Geschäftsfelder durch die formal vollzogene Trennung in zwei eigenständige Unternehmen dabei helfen kann, einerseits jeweils flexibler und marktbezogener zu agieren, andererseits aber auch den Börsenwert der einzelnen Unternehmen zu steigern.

Daimler Aktie fährt der Konkurrenz davon

Den Börsenwert der Daimler AG hat Ola Källenius mit seinem Umbaukurs bereits kräftig in die Höhe getrieben. Bildete Daimler noch vor wenigen Jahren das Schlusslicht und Sorgenkind unter den drei großen deutschen Autokonzernen, fahren die Stuttgarter der Konkurrenz inzwischen davon, zumindest mit Blick auf die Entwicklung der Aktienkurse.

Zwar haben Daimler, BMW und Volkswagen allesamt die Corona-Krise gut überstanden, die Kurse ihrer Aktien liegen allesamt zweistellig über dem Wert vor einem Jahr. Doch während das Plus bei BMW und Volkswagen mit 16 und 12 Prozent ordentlich ausfällt, kann Daimler mit fast 70 Prozent Kursaufschlag richtig trumpfen.

Analysten zufolge ist damit das Potenzial noch nicht ausgeschöpft, mit großer Mehrheit raten sie bei der Daimler Aktie zum Kauf, während sie sich beim direkten Konkurrenten BMW zuletzt deutlich zurückhaltender zeigten.

Anleger dürfen sich neben der Wertsteigerung ihrer Daimler Aktien zudem noch über eine Dividende freuen, die mit 1,35 Euro je Aktie zudem 45 Cent höher ausfallen soll als im Vorjahr.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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