Die größte DAX-Reform aller Zeiten

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Die Deutsche Börse hat die Details zu seiner geplanten DAX-Reform bekannt gegeben. Klarer Verlierer der Veränderungen ist der MDAX. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Vor einigen Wochen hatte ich Ihnen an dieser Stelle bereits darüber berichtet, dass die Deutsche Börse eine umfassende Reform des DAX plant. Gestern hat der Börsenbetreiber die Details bekannt gegeben. Ich möchte Ihnen heute einen Überblick über die anstehenden Veränderungen geben.

DAX wird von 30 auf 40 Werte aufgestockt

Mitte Oktober hatte die Deutsche Börse ihre Vorschläge präsentiert, die dann bis Anfang November mit Marktteilnehmern diskutiert wurden. Jetzt hat das Unternehmen die konkreten Pläne vorgestellt. Herausgekommen ist die größte Reform in der über 30-jährigen Geschichte des deutschen Leitindex.

Die zentrale Änderung kommt wie geplant. Der DAX, der seit seinem Start 1988 ununterbrochen 30 Werte enthält, wird aufgestockt und auf 40 Mitglieder ausgeweitet. Diese Veränderung soll allerdings erst ab September 2021 greifen.

Ziel dieser Maßnahme ist es, den DAX breiter aufzustellen. Abgesehen vom amerikanischen Dow Jones, der nur 30 Titel umfasst, sind die meisten Leitindizes größer. So hat der Euro Stoxx 50, der wichtigste Index der Eurozone, 50 Mitglieder. Die Leitindizes in Frankreich und Italien enthalten jeweils 40 Aktien. Der auf 40 Titel aufgestockte DAX soll die deutsche Wirtschaft künftig besser repräsentieren. Durch diese Maßnahme steigt die Marktkapitalisierung des DAX voraussichtlich um 8 bis 10%.

Dies geht allerdings zulasten des MDAX. Der Midcap-Index, der erst vor wenigen Jahren von 50 auf 60 Werte vergrößert worden war, schrumpft wieder auf 50 Mitglieder. Was aber viel schlimmer ist: Die zweite deutsche Börsenliga büßt dadurch ungefähr ein Drittel seines Börsenwerts ein.

Nur noch profitable Unternehmen dürfen in den DAX

Für eine Aufnahme in den DAX wird der Handelsumsatz künftig keine Rolle mehr spielen. Ausschlaggebend ist einzig und allein der Börsenwert des Streubesitzes. Bereits ab Dezember sollen nur noch profitable Unternehmen in den DAX aufgenommen werden können. Um zur ersten Börsenliga gehören zu können, muss ein Unternehmen in den beiden Jahren vor dem DAX-Aufstieg einen operativen Gewinn (EBITDA) ausgewiesen haben.

Der Essenslieferdienst Delivery Hero, der im September Wirecard ersetzte, wäre an dieser Hürde gescheitert. Diese Regelung gilt nicht für MDAX und SDAX, sondern nur für den DAX. Und hier auch nur für potenzielle Aufsteiger, nicht für bestehende Mitglieder. Delivery Hero muss also nicht um seinen Platz fürchten.

Konsequenzen zieht die Deutsche Börse aus dem Wirecard-Skandal. So werden Firmen aus den Auswahlindizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX verbannt, wenn sie ihre Zahlen nicht fristgerecht (drei Monate nach Geschäftsjahresende bzw. 45 Tage nach Ende eines Quartals) vorlegen.

Ebenfalls neu: Die Zusammensetzung des DAX wird künftig zweimal pro Jahr überprüft statt – wie bisher – nur einmal jährlich im September. Nicht umgesetzt wurde dagegen die zunächst angedachte Verbannung von Unternehmen, die an Geschäften mit sogenannten kontroversen Waffen beteiligt sind.

Der MDAX ist der große Verlierer

Ob das Ziel, die deutsche Wirtschaft besser zu repräsentieren, durch die Aufstockung erreicht wird, ist zumindest zweifelhaft. Natürlich ist der DAX etwas breiter aufgestellt. Der Anstieg des Börsenwerts um 8 bis 10% ist aber doch eher überschaubar. Für Anleger, die über ETFs oder Zertifikate direkt in den DAX investieren, ist die Reform sicherlich positiv.

Der große Verlierer der Reform ist aus meiner Sicht ganz klar der MDAX. Der Midcap-Index muss seine zehn größten Mitglieder in den DAX ziehen lassen und büßt dadurch rund ein Drittel seines Börsenwerts ein. Dadurch verliert die zweite Börsenliga an Bedeutung, Liquidität wird abgezogen.

Das ist schade. Schließlich hat sich der wachstumsstärkere und daher bei vielen Anlegern beliebtere MDAX über Jahre klar besser entwickelt als der DAX. Diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen, dürfte unter den neuen Rahmenbedingungen schwieriger werden.

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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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