Neue Höchststände nun auch beim DAX

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Das Jahr geht mit neuen Höchstständen zu Ende. Viel ist in den Kursen bereits vorweggenommen, was sich die Konjunktur erst erarbeiten muss. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Hätten Sie das noch im März für möglich gehalten, damals, als der DAX noch bei 8.256 Punkten notierte? Belastet von den Ängsten einer weltweiten Rezession verlor der deutsche Leitindex innerhalb von nur vier Wochen mehr als 40 Prozent. Der kurz zuvor erreichte Allzeithöchststand von 13.774 Punkten schien plötzlich aus einem anderen Jahrzehnt zu sein.

Fische mit britischer Staatsangehörigkeit

Nun hat es gerade einmal neun Monate gedauert, bis der DAX die Corona-Ängste vollends abschütteln konnte. Nachdem die New Yorker Wall Street schon seit einigen Wochen von einem Rekordhoch zum nächsten eilt, hat nun auch der deutsche Leitindex am ersten Handelstag nach Weihnachten seine bisherige Bestmarke überwunden und erstmals die Schwelle von 13 .800 Punkten erreicht.

Auslösend für die Kursrally waren zwei Entwicklungen: Die sich mit dem Beginn der Impfkampagne abzeichnende Normalisierung des öffentlichen Lebens – verbunden mit einer anschließenden Erholung der Wirtschaft –, und die Vermeidung eines ungeregelten Brexits. Denn was kaum noch für möglich gehalten worden war: Die EU und die britische Regierung haben sich kurz vor Jahreswechsel doch noch darauf verständigt, wie die Fangquoten für Nordseehering, Sardinen und Meerbarben zukünftig zu regeln sind.

Und wie es bei solchen Gelegenheiten üblich ist, sahen sich alle Parteien, vom EU-Chefverhandler Michel Barnier über EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bis hin zum britischen Premierminister Boris Johnson als Gewinner des vereinbarten Handelspaktes. Bei so viel Optimismus von den politischen Entscheidungsträgern haben die Börsenkurse leichtfüßig nachgezogen.

Die neue Generation Börse

Wohl auch, weil es vor allem Privatanleger waren, die sich von den frohlockenden Schlagzeilen ermuntert sahen, an der Börse zuzugreifen. Schließlich hatten die im Normalfall viel bedeutenderen institutionellen Anleger ihre Bücher bereits geschlossen und sich in den Weihnachtsurlaub verabschiedet. Eine solche Bedeutung haben Privatanleger inzwischen eingenommen, dass sich für sie inzwischen sogar ein Begriff eingebürgert hat: Unter dem Schlagwort der „Neuen Generation Börse“ werden in den Medien jene, vornehmlich jungen Anleger bezeichnet, die im Gefolge der jüngsten Kursgewinne erstmals am Kapitalmarkt aktiv geworden sind.

Unterstützt von diversen Apps, die für die „Millennials“, die Generation der zur Jahrtausendwende Geborenen, entwickelt wurden und den Aktienhandel quasi auf Knopfdruck ermöglichen, scheint da eine Anlegerschicht heranzuwachsen, die sich nicht länger mit Negativzinsen abspeisen lassen will. Als wohlinformierte Medienkonsumenten kaufen sie bevorzugt jene Werte, die in der einschlägigen Presse besprochen werden: Aktien des Elektroautobauers Tesla, des Impfstoffentwicklers BioNTech oder des Brennstoffzellenspezialisten Ballard Power. Sie haben in diesem Jahr deutlich stärker zugelegt als die bekannten Standardwerte.

Nur langfristig zum Erfolg

Doch hat die rasante Kursentwicklung der letzten Wochen auch eine Hypothek aufgebaut. Viel ist in den Kursen bereits vorweggenommen, was sich die Konjunktur erst noch erarbeiten muss. Verzögert sich die Erholung, knicken die Kurse schnell wieder ein und die zuletzt einsteigenden Anleger erleiden die höchsten Verluste. Je weiter es dann nach unten geht, desto häufiger heißt es von ihnen: „Nie wieder Aktien!“ Mit der Folge, dass sie beim nächsten Kursanstieg zunächst wieder nicht dabei sind. Dabei ist gerade die regelmäßige Kapitalanlage der wichtigste Baustein für einen langfristigen Börsenerfolg.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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