Delivery Hero: Pandemie sorgt weiter für Sonderkonjunktur

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Delivery Hero wird weiter durch die Corona-Pandemie beflügelt: Der Online-Essenslieferdienst weitet seine Geschäftsaktivitäten spürbar aus. (Foto: Mano Kors / shutterstock.com)

Zu den klassischen Corona-Profiteuren gehört der Berliner Konzern Delivery Hero. Der Online-Essensbestelldienst  wird durch die Lock Down Regelungen weiter beflügelt. Da viele Restaurants weiterhin geschlossen haben, boomen die Lieferdienste. Das treibt das Wachstum von Delivery Hero weiter an. Unter dem Strich schreiben die Berliner aber unverändert hohe Verluste. Dem Aktienkurs konnten die jüngst präsentierten Geschäftszahlen erst einmal keinen weiteren Auftrieb verleihen. Allerdings sollten Anleger beachten, dass die Papiere mit Kursplus von 80% in 2020 bereits zu den großen Gewinnern zählte.

Delivery Hero im Portrait

Die Delivery Hero ist ein weltweit führender Anbieter von Online-Essensbestelldiensten und betreibt eigene Lieferservices. Das Unternehmen ist mit seinen Diensten in über 40 Ländern auf sechs Kontinenten vertreten. Neben den Online-Bestellplattformen betreibt das Unternehmen seine eigenen Lieferservices in Großstädten rund um den Globus. Auf den Internetplattformen hat der Kunde die Möglichkeit aus einer Vielzahl von Lieferdiensten aus der Region zu wählen und über die Webseite oder per App zu bestellen. Die Bezahlung kann bar oder bargeldlos erfolgen.

Für Gastronomiebetriebe bietet Delivery Hero ein Liefer- und Point of Sale-System an, um eingegangene Bestellungen sofort bearbeiten zu können. Darüber hinaus werden Essensverpackung und Werbe- und Druckdienstleistungen angeboten. Zu den bekannten Internetplattformen zählen foodora, Foodpanda und weitere Marken, über die auch die Auslieferung erfolgen kann.

Zur Koordination der Liefer-Flotte entwickelte das Unternehmen eine eigene Dispatch Software. Das Unternehmen hatte in 2019 sein gesamtes Deutschlandgeschäft für rund 930 Millionen Euro an den niederländischen Konkurrenten Takeaway.com verkauft und dafür im Gegenzug auch Anteile an Takeaway erhalten. Damit gingen die Marken pizza.de, Lieferheld und Foodora hierzulande in Lieferando über.

Wachstumsdynamik ungebrochen hoch

Wie stark sich die Pandemie auf die Geschäfte auswirkt, zeigt ein Blick in das gerade vorgelegte Zahlenwerk: Die Anzahl der Bestellungen schoss im letzten Jahr auf 1,3 Milliarden (+96%) in die Höhe. Ähnlich stark entwickelten sich die Umsätze, die um 103% auf 2,84 Milliarden Euro nach oben kletterten.

Allerdings geht das rasante Wachstum bislang weiter mit tiefroten Zahlen einher. Unter dem Strich summierten sich die operativen Verluste vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf 567 Millionen Euro. Das entspricht rund 20% der Umsätze und lag 9,6 Prozentpunkte über dem Niveau des Vorjahres.

Woowa-Übernahme unter Auflagen genehmigt

Um weiter kräftig zu wachsen, setzt Firmenboss Niklas Östberg vor allem auf Skaleneffekte, die mit Hilfe von Übernahmen erreicht werden sollen. Zudem konnte der Konzern zuletzt beim milliardenschweren Zukauf des südkoreanischen Lieferdienstes Woowa Fortschritte verbuchen. So hatte die koreanische Kartellbehörde KFTC nach Weihnachten den Zusammenschluss mit dem dortigen Unternehmen Woowa Brothers unter Auflagen genehmigt. Die Behörde verlangt unter anderem den Verkauf der Südkorea-Tochter Yogiyo. Delivery Hero fügt sich nun. Zum Hintergrund: Woowa verfügt mit der Marke Baedal Minjok über den größten Online-Essenslieferservices in Südkorea. Auch in Vietnam ist das Unternehmen aktiv.

Ausbau der Produktpalette im Visier

Zudem steckt Delivery Hero derzeit viel Geld in den Aufbau des vom Konzern als Quick-Commerce-Geschäfts. Delivery Hero rollt seinen Instant-Bringdienst derzeit in 35 Ländern aus. Neben dem eigentlichen Kerngeschäft — der Lieferung von Restaurant-Essen — sollen die Kuriere künftig auch Supermarkteinkäufe, Blumen und Medikamente innerhalb von Minuten bringen. Ende 2020 betrieb der Konzern bereits 491 kleine Lagerhäuser, die für den schnellen Versand essentielle sind. Wie schnell mit der Erweiterung der Produktpalette und der verkürzten Lieferzeiten die Gewinnschwelle erreicht werden kann, wird sich allerdings erst in den kommenden Quartalen zeigen.

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Delivery Hero macht Weg für Woowa-Übernahme freiNach langem Zögern hat die koreanische Regulierungsbehörde die Übernahme des Lieferdienstes Woowa durch Delivery Hero mit Auflagen genehmig. Delivery Hero wird sich jetzt von seiner Tochter Yogiyo trennen, um den Deal möglich zu machen. › mehr lesen


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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