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Deutsche Börse: Die Aufsteiger und die Absteiger

Inhaltsverzeichnis

Der deutsche Leitindex DAX ist kraftvoll in die neue Börsenwoche gestartet und konnte um 1,24% auf 10.886 Punkte zulegen. Das Tageshoch lag sogar bei knapp 11.000 Punkten, doch dann halbierte die schwache Eröffnung an den US-Aktienmärkten den Tagesgewinn in Deutschland.

Wichtig für Aktionäre: Bald gibt es einige neue Namen in den großen deutschen Indizes. Vor wenigen Tagen hat der Indexbetreiber Deutsche Börse darüber entschieden, welche Unternehmen innerhalb der 4 großen deutschen Indizes (DAX, TecDax, MDax und SDax) am 21. Dezember auf- oder absteigen werden.

Das Ergebnis: Es gibt zahlreiche Veränderungen – vor allem im Nebenwerteindex SDax. Im deutschen Leitindex DAX gibt es hingegen keine Veränderungen.

Nur wenige Veränderungen innerhalb von TecDax und MDax

Im MDax müssen demnächst der Fahrzeug- und Maschinenbauer MAN und Kabel Deutschland ihre Plätze räumen. Der Grund: Beide Unternehmen werden den „Prime Standard“ (das höchste deutsche Börsensegment) aufgrund von Übernahmen verlassen.

Da eine Notierung im „Prime Standard“ Voraussetzung für die Zugehörigkeit in einem der 4 großen Indizes ist, müssen diese beiden Unternehmen den MDax verlassen. Aufrücken werden dafür die Bayer-Kunststofftochter Covestro, die erst kürzlich abgespalten und an die Börse gebracht wurde, und der Werbespezialist Ströer.

Im Technologieindex TecDax gibt es nur eine Veränderung: Der Maschinenbauer Manz, der ein turbulentes Börsenjahr mit einigen Gewinnwarnungen hinter sich hat, steigt ab und der Wafer-Hersteller Siltronic (eine ehemalige Tochtergesellschaft von Wacker Chemie, auch neu an der Börse) nimmt künftig den freien Platz im TecDax ein.

Großes Stühlerücken im SDax

Deutlich mehr Veränderungen als im MDax gibt es im Nebenwerteindex SDax. Hier übernimmt der Betreiber von Online-Marktplätzen, Scout 24 (ebenfalls ein Börsenneuling), den Platz von Ströer.

Außerdem ziehen der Autozulieferer und Maschinenbauer Schaeffler (gerade erst an die Börse gegangen), die Immobiliengesellschaft WCM Beteiligungs- und Grundbesitz, sowie der Finanzdienstleiter Hypoport in den Index ein. Gehen müssen dafür der Bekleidungshändler Tom Taylor, die Beteiligungsgesellschaft Gesco und der Automobilzulieferer SHW.

Auswirkungen der Index-Anpassungen

Die Index-Anpassungen sorgen u. a. dafür, dass aufstrebende Unternehmen nachrücken. Das ist einer der Gründe dafür, warum die Aktien-Indizes langfristig immer steigen. Stark wachsende Unternehmen gewinnen immer mehr an Gewicht. Soweit die allgemeinen Auswirkungen. Doch was passiert mit den Aktien der einzelnen Unternehmen, die auf- oder absteigen?

Früher war die Tendenz relativ klar: Häufig wirkte sich ein Aufstieg positiv auf die Aktien des Aufsteigers aus – ein Abstieg dagegen wirkte sich zumeist negativ auf die kurzfristige Wertentwicklung der Aktien aus.

Der Hauptgrund: Sogenannte Indexfonds, Fonds, die Indizes quasi deckungsgleich 1:1 abdecken, müssen sich mit den Aktien der Aufsteiger eindecken und die Aktien der Absteiger verkaufen.

In der jüngeren Vergangenheit gab es aber mehrfach Gegenbeispiele. Mehrere Aufsteiger schnitten schlecht ab (einige Investoren sprachen schon von einem „Aufsteiger-Fluch“), Absteiger erholten sich dagegen schnell wieder und erlebten eine neue Blüte.

Auch dafür gibt es einen Erklärungsansatz: Einige Unternehmen setzen zu stark auf Wachstum, um möglichst schnell in einen höheren Index aufzusteigen. Teuer erkauftes Wachstum rächt sich aber spätestens in der nächsten Wirtschaftskrise, wenn das Kartenhaus zusammenbricht. Die Index-Absteiger konnten sich dagegen ohne den ständigen Beobachtungs-Druck neu positionieren und an alte Erfolge anknüpfen.

Fazit: Erst prüfen, dann handeln

Die alte Strategie, dass man an der Börse fast „blind“ auf Index-Aufsteiger setzen kann, funktioniert nicht mehr. Daher empfehle ich Ihnen eine Einzelfallprüfung: Prüfen Sie, ob Aufsteiger nachhaltig und solide gewachsen sind und prüfen Sie ebenfalls, ob Absteiger strukturelle Wachstums-Schwächen haben, oder nur eine Verschnaufpause einlegen. Nach dieser Prüfung können Sie dann entscheiden, welche Auf- und Absteiger Sie kaufen oder verkaufen.