Pandemie-Profiteure im Profil: Deutsche Post

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DHL verzeichnet so viele Pakete wie noch nie, und das liegt nicht nur am Onlineshopping. Die Deutsche Post Aktie gewinnt 20 Prozent in 2020. (Foto: lightlens / Shutterstock.com)

Viele Branchen haben 2020 unter der Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen gelitten, doch es gibt auch Profiteure der Pandemie, deren Geschäft gerade durch Lockdown und Co. zusätzlich angekurbelt wurde. Einer dieser Pandemie-Profiteure ist die Deutsche Post.

Der Logistikkonzern rechnet nach Angaben von Vorstandschef Frank Appel mit einem Rekordgewinn für das Geschäftsjahr 2020. Treiber ist – wenig überraschend – vor allem der Paketversand der Konzerntochter DHL. Das Geschäft boomt gleich aus mehreren Gründen.

Lockdown und Homeoffice: Mehr Arbeit für Paketbranche

Da ist zum einen der Online-Versandhandel. Der legt schon seit etlichen Jahren immer weiter zu – ein Trend, der durch die Corona-Pandemie noch beschleunigt wurde. Im Lockdown haben viele Einzelhändler geschlossen, aber ihre Onlineshops sind verfügbar. Durch das Arbeiten im Homeoffice sind auch viele Arbeitnehmer nicht mehr so oft in der Innenstadt unterwegs, spontane Laufkundschaft-Käufe bleiben aus, dafür steigt die Verlockung, am Laptop nebenher im Internet zu shoppen.

Ebenfalls bedingt durch Lockdown und Homeoffice waren die meisten Kunden auch tatsächlich zuhause, wenn der Paketbote vor der Tür stand. Die persönliche Zustellung an den Empfänger gelang wesentlich häufiger als sonst. Dadurch, dass das vergebliche Klingeln, die Suche nach einem stattdessen empfangenden Nachbarn und der Rücktransport nicht zustellbarer Pakete deutlich seltener notwendig wurden, beschleunigte sich der Zustellvorgang enorm – und damit wiederum stieg die Kapazität, die die Zusteller im Laufe eines Arbeitstages bewältigen konnten.

Ein dritter Aspekt ist bedingt durch den Infektionsschutz und die damit verbundenen Kontaktvermeidungen, die auch die Deutsche Post ihren Zustellern zugestand: Ein Quittieren per Unterschrift durch den Empfänger ist nicht mehr erforderlich, auch nutzen viele Kunden die Möglichkeit, vorab online ein „Abstell-Okay“ zu geben und einen alternativen Ablageort zu wählen. Der Zusteller muss dann nur noch einmal klingeln und das Paket am jeweiligen Ort abstellen, braucht aber nicht auf das persönliche Erscheinen des Empfängers zu warten.

56 Millionen Pakete in einer Woche – neuer DHL-Rekord

All das hat dazu geführt, dass mehr Pakete bestellt und befördert sowie häufiger und schneller zugestellt werden konnten – zusammengenommen also beste Voraussetzungen für ein immens hohes Paketaufkommen. Bereits im ersten Halbjahr 2020 lag das Paketaufkommen deutschlandweit knapp 9 Prozentpunkte höher als im Vorjahreszeitraum, für die Weihnachtszeit kalkulierte die Branche mit einem Anstieg um satte 20 Prozent.

Offenbar besteht berechtigter Grund zu dieser Annahme. Bereits einige Wochen vor Heiligabend wusste die Deutsche Post einen neuen Rekord zu vermelden: 56 Millionen Pakete transportierte sie innerhalb einer Woche und übertraf damit den bisherigen Allzeitrekord von 47 Millionen im Weihnachtsgeschäft 2019 deutlich.

Geschenke kaufen und verteilen auf Distanz

Das lag zum einen an den zeitweise geschlossenen Innenstädten, die den Einkauf der meisten Weihnachtsgeschenke ins Internet verlagerte.

Zum anderen wurden aber auch privat mehr Pakete versandt als sonst – immerhin sollten größere Familienfeiern ausfallen, weswegen eine persönliche Übergabe der Geschenke oftmals nicht möglich war und per Paket erfolgte. Denkbar auch, dass einige ihre Lieben in diesem Jahr außerplanmäßig mit Präsenten bedachten, um die Einsamkeit zu lindern und über das ausgefallene Treffen hinwegzutrösten.

Deutsche Post Aktie: Stark nachgefragt bei Aktionären und Analysten

Um 20 Prozent aufwärts ging es indes auch für die Deutsche Post Aktie, die in diesem Krisenjahr zu den gefragtesten Dax-Titeln gehörte. Kurz vor Jahresende notierte das Papier am Dienstag bei rund 41 Euro. Analysten sehen hier das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Mit großer Mehrheit empfehlen sie die Deutsche Post Aktie zum Kauf, die Kursziele bewegen sich dabei häufig zwischen 45 Euro (UBS, Bernstein Research) und 48 Euro (Barclays, Berenberg, Jefferies), zum Teil liegen sie sogar noch deutlich höher (Goldman Sachs: 53 Euro, Deutsche Bank: 54 Euro).

Fraglich ist allerdings, ob sich das hohe Niveau der Pandemiemonate auch künftig wird halten lassen. Zwar dürfte der Trend zum Onlineshopping kaum abreißen, zumal im Zuge des Lockdowns etliche Einzelhändler neue Onlineshops eingerichtet haben und somit das Angebot – auch regional – gestiegen ist.

Die vereinfachte und beschleunigte Zustellung durch den Verzicht auf eine Quittierung lässt sich womöglich noch in irgendeiner Form in die Zukunft retten, ebenso wie es das Abstell-Okay auch schon vor Corona gab.

Kann DHL das Rekordniveau halten?

Allerdings werden Zusteller es in mittelfristiger Zukunft wohl schwerer haben, die Empfänger zuhause persönlich anzutreffen. Mit steigender Impfquote und nachlassenden Infektionszahlen dürften auch die Lockdown-Maßnahmen wieder gelockert werden. Zwar haben zahlreiche Arbeitgeber im zurückliegenden Jahr die Vorzüge des Homeoffice erkannt und wollen entsprechende Angebote auch künftig beibehalten. Doch die Angestellten aus Gastronomie- und Veranstaltungsbranche, die vielen von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten und viele andere mehr werden mit dem Abflauen der Pandemie wohl wieder mehr unterwegs sein, beruflich und privat.

Für den Paketboten bedeutet das, wieder häufiger vor verschlossener Tür zu stehen, beim Nachbarn zu schellen und Pakete zu zentralen Abholstationen wie Packstation oder Filiale zu transportieren. Ob die Post ihre neuen Rekorde im kommenden Jahr also wird halten oder sogar noch übertreffen können, bleibt abzuwarten.

Für 2020 zählt das Unternehmen jedenfalls ganz klar zu den Profiteuren der Pandemie.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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