Fielmann übertrifft sich selbst

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Fielmann übertrifft sich selbst. Die Eckdaten für 2020 zeigen, dass die Optikkette Corona-Jahr besser überstanden als zunächst geplant. (Foto: J.Lekavicius / shutterstock.com)

Kaum ist die erste Januarwoche vorüber, hat schon das erste Unternehmen vorläufige Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr präsentiert. Und zwar überraschend gute, wie Sie gleich sehen werden. Denn die Fielmann AG hat nach vorläufigen Schätzungen die zuletzt im September 2020 nach oben angepasste Prognose für das Gesamtjahr 2020 übertroffen. Das alles trotz der massiven Einschränkungen im Zuge der Covid-19-Pandemie.

Besser als gedacht

So erwirtschaftete Fielmann im abgelaufenen Jahr einen Konzernumsatz von rund 1,425 Milliarden Euro, 6,3% weniger als im Vorjahr, als das Hamburger Augenoptikunternehmen noch Umsätze von 1,521 Milliarden Euro vermelden konnte. Nach vorläufigen Schätzungen kam es beim Gewinn vor Steuern zu einem Rückgang auf knapp 170 Millionen Euro von 254 Millionen Euro im Jahr zuvor. Doch war dies mehr als Vorstandschef Marc Fielmann noch im Herbst ankündigte. Damals hatte er einen Wert um 140 Millionen Euro prognostiziert.

In der Summe hätte es also deutlich schlimmer kommen können. Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin sei eine höhere Anzahl hochpreisiger – und damit hochmargiger – Gleitsichtbrillen verkauft worden. Auch das profitable Geschäft mit Hörakustikgeräten lag offenbar über den Erwartungen. Und auch auf der operativen Seite zeigten die eingeleiteten Maßnahmen offenbar Wirkung. So konnte durch Terminvereinbarungen und sein neues, digitales Zeitmanagement die Frequenz so gesteuert werden, dass Wartezeiten in der Niederlassung minimiert wurden.

Nun in 15 Ländern Europas präsent

Geholfen hat sicher auch, dass die Zahl der Niederlassungen abermals gesteigert werden konnte: Zum Jahresende hatte Fielmann 870 Filialen, nach 776 Standorten im Jahr davor. Dies ist weniger auf organische Neueröffnungen zurückzuführen, sondern auf die zum 31. Dezember mehrheitlich übernommene Óptica & Audiología Universitaria, der mit 80 Niederlassungen drittgrößten Optikerkette Spaniens. Mit 400.000 jährlich verkauften Brillen und einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro wird sie erstmals im laufenden Geschäftsjahr zum Ergebnis der Fielmann-Gruppe beitragen.

Kein Wunder, dass die im SDAX geführte Aktie positiv auf die veröffentlichten Daten reagiert. Nach der Veröffentlichung der vorläufigen Eckdaten stieg das Wertpapier auf über 69 Euro und notiert damit nur noch knapp unter dem Allzeithöchstwert aus dem Jahr 2017, als die Aktie bei 76 Euro stand. Dass die Anleger nicht euphorischer reagierten, ist zum einen auf den aktuellen Lockdown zurückzuführen.

Zwar gelten Optiker – wie Lebensmittelhändler – als systemrelevant, weshalb die Länden größtenteils geöffnet sind. Allerdings kommt weniger Laufkundschaft in die Läden, wodurch vor allem die in den Einkaufszentren verorteten Optikgeschäfte betroffen sind.

Aktie in Seitwärtsbewegung

Zum anderen, weil sich die Fielmann-Aktie seit dem zweiten Quartal 2020 in einer Bandbreite zwischen 58 und 70 Euro bewegt und ein Ausbrechen aus dieser Spanne angesichts der zwischenzeitlich erreichten Bewertungsparameter kurzfristig eher unwahrscheinlich erscheint. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Geschäftsjahr wird die Fielmann-Aktie aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 33 gehandelt. Dies ist nicht nur für Fielmann ein eher hoher Wert, der nur durch nochmals höheres Unternehmenswachstum gerechtfertigt ist. Wofür es derzeit aber keine Anzeichen gibt.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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