Homeoffice-Pauschale: Für viele Arbeitnehmer eine Milchmädchen-Rechnung

Deutschland Regierung Reichstag – shutterstock_526234636

Absetzbar sind 5 Euro pro Tag und ein Maximalbetrag von 600 Euro. Doch unterm Strich profitieren wohl die wenigsten. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Die Corona-Pandemie hat das Jahr 2020 geprägt wie kein anderes Thema. Sie hat im Frühjahr abrupt die weltweite Konjunkturentwicklung ausgebremst und sich auf praktisch alle Lebensbereiche ausgewirkt.

Wirtschaftlich konnten einzelne profitieren, viele andere waren und sind von Beschränkungen betroffen, mussten ihr Geschäft komplett aufgeben oder im beruflichen Alltag improvisieren. Vom Stillstand an den Industriebändern bis hin zu geschlossenen Cafés, Kneipen und Nachtclubs hat jeder sein Päckchen zu tragen.

Für viele Betriebe ging es zwar nicht komplett in den Lockdown, doch die Präsenzkultur hat sich verändert. Zahlreiche Bürojobs wurden ins Homeoffice verlagert, sprich: Die Belegschaft wurde mit Laptop, Headset und was sonst noch erforderlich war nach Hause geschickt, einige ins eigene Arbeitszimmer, andere an den Küchentisch, die einen in die kollegenfreie Einsamkeit der Singlewohnung, die anderen ins Einfamilienhaus, umgeben von tobenden Kindern.

Regierung beschließt Homeoffice Pauschale

Seit März gelten entsprechende Regelungen und in vielen Unternehmen dauern sie weiter an. Auf diese neue Arbeitsrealität will sich nun auch der Gesetzgeber einstellen und die tatsächlichen Gegebenheiten steuerlich besser absetzbar machen.

So verabschiedete die Große Koalition zuletzt einen Beschluss, wonach 5 Euro pro Tag im Homeoffice in der Steuererklärung geltend gemacht werden können, also nicht versteuert werden müssen. Gedeckelt wurde das Ganze auf 120 Tage, also 600 Euro pro Steuerzahler.

Was auf den ersten Blick gut klingt, rechnet sich bei genauerem Hinsehen allerdings für die wenigsten. Gleich drei Konstellationen führen dazu, dass Arbeitnehmer von der Entlastung nichts spüren werden.

Die Haken im Kleingedruckten

Variante 1: Sie haben ein Arbeitszimmer? Schön für Sie, da lässt es sich sicherlich bequemer arbeiten als auf der Couch oder am Esstisch. Steuerlich bringt Ihnen das aber nichts, denn das Arbeitszimmer konnten Sie auch bisher schon von der Steuer absetzen. Neu ist lediglich, dass die Homeoffice-Pauschale auch von solchen Arbeitnehmern genutzt werden kann, die zuhause über kein separates Arbeitszimmer verfügen.

Variante 2: Ihre Werbungskosten liegen unterhalb der Pauschale von 1.000 Euro? Diese Sparsamkeit rechnet sich nicht, denn nach bisherigem Stand der Dinge soll die Homeoffice-Pauschale mit den Werbungskosten verrechnet werden. Für Sie bedeutet das konkret, dass Sie steuerlich nur dann profitieren, wenn Ihre tatsächlichen Werbungskosten für das Jahr 2020 über 400 Euro gelegen haben und somit – zusammengerechnet mit den 600 Euro aus der Homeoffice-Pauschale – den Pauschbetrag von 1.000 Euro überschreiten.

Variante 3: Ihr Weg zum Büro umfasst 17 Kilometer oder mehr? Dann ist die Homeoffice-Pauschale für Sie eine glatte Schlechterstellung, denn über die Kilometerpauschale – die beim Homeoffice logischerweise entfällt – würden Sie großzügiger entlastet.

Steuerthema für den Wahlkampf?

Dennoch wird es bei der Deckelung auf 600 Euro pro Arbeitnehmer voraussichtlich bleiben, denn der Staat hat sich ein Limit gesetzt, was die Maßnahme maximal kosten – also an Steuermindereinnahmen verursachen – darf. Um diesen Rahmen nicht zu sprengen, kann an der 600-Euro-Schraube nicht gedreht werden.

Ob hier tatsächlich Steuerzahler im großen Stil entlastet werden oder sich das Ganze in der Steuererklärung doch noch als Milchmädchenrechnung herausstellt, wird sich zeigen. Gelten soll die Regelung für die Fiskaljahre 2020 und 2021. Sollte sich das Instrument als wenig wirksam herausstellen, müsste die Politik gegebenenfalls noch einmal nachsteuern – oder aber die Parteien haben hierin bereits ein erstes Thema für Steuerversprechen im Bundestagswahlkampf.

Einkommensteuererklärung – PeJo – shutterstock_80848987

Büro in der Wohnung: Was noch erlaubt ist, und was nichtDas Phänomen von Telearbeit und Home Office verbreitet sich immer mehr. Doch was ist in puncto Büro in der Wohnung zulässig? Wir klären auf: › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
david-gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz