Konjunkturerholung: Deutsche Wirtschaft noch 2021 auf Vorkrisenniveau?

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Die Wirtschaft erholt sich, Wachstumsprognosen werden reihum angehoben – und doch immer mit einem Warnhinweis versehen. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Es geht deutlich aufwärts für die deutsche Wirtschaft. Die Post-Pandemie-Erholung setzt ein und umfasst nun zunehmend auch jene Wirtschaftszweige, die in den vergangenen 14 Monaten stark von den Einschränkungen betroffen waren. Einzelhandel, Gastronomie und Tourismus erwachen nach und nach wieder zum Leben, deutsche Flughäfen zählten zuletzt fast fünfmal so viele Fluggäste wie noch vor einem Jahr.

Die Impfkampagne hat an Fahrt aufgenommen, rund die Hälfte der erwachsenen Deutschen hat mittlerweile zumindest eine erste Impfung erhalten. Das gute Wetter seit Beginn des Monats sorgt zudem für mehr Freiluftaktivitäten und weniger Aufenthalt in schlecht belüfteten Innenräumen. All das zusammen führt zu einer deutlich sinkenden 7-Tage-Inzidenz und lässt Spielraum für Lockerungen der Schutzmaßnahmen.

Gastronomie und Tourismus: Gebeutelte Branchen auf Erholungskurs

Neben der Tourismusbranche, die auf eine wieder anwachsende Reiselust zur Sommersaison setzt, können auch die Betreiber von Gastronomiebetrieben inzwischen wieder aufatmen. Im Einzelhandel entfällt die Pflicht zur Terminbuchung im Vorfeld eines dann nicht mehr so spontanen Shoppingerlebnisses, im öffentlichen Raum wird die Maskenpflicht nach und nach aufgehoben.

Angesichts der positiven Entwicklung, die sich zuletzt auch in einer deutlich aufgehellten Stimmung im Ifo-Geschäftsklimaindex widerspiegelte, wurden zuletzt auch etliche Konjunkturprognosen für Deutschlands Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr nach oben korrigiert.

Konjunkturprognosen 2021 – bis zu 4 Prozent Wachstum?

Für 2021 erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 3,2 bis 3,9 Prozent. Besonders optimistisch positionierten sich dabei zuletzt das Institut für Weltwirtschaft (IfW) aus Kiel und das Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) aus Halle, die nach jüngsten Schätzungen jeweils ein Wachstum um 3,9 Prozent voraussagen.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) aus Essen rechnet mit einem Anstieg um immerhin 3,7 Prozent. Etwas zurückhaltender positionierten sich die Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, die ein Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent für 2021 für realistisch halten.

2022 Rückkehr zum Vorkrisenniveau?

Auch staatliche Stellen teilen den Optimismus: Die Bundesregierung erhöhte ihre Prognose zuletzt auf 3,5 Prozent, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht sogar einen Spielraum für bis zu 4,0 Prozent. Die Bundesbank geht von einem Plus von 3,7 Prozent aus, die staatliche Förderbank KfW von 3,5 Prozent.

Im kommenden Jahr, möglicherweise sogar noch im späteren Verlauf 2021, soll die deutsche Wirtschaftskraft ihr Vorkrisenniveau bereits wieder erreicht haben.

Für 2022 sind die Vorhersagen dementsprechend optimistisch: IWH, DIW, RWI und IfW gehen von Wachstumsraten zwischen 4,0 und 4,8 Prozent aus, die Bundesbank sieht sogar die 5 vor dem Komma (Prognose: 5,2 Prozent).

Prognosen auf wackeligen Füßen

Doch wie in jeder Runde seit Beginn der Krise im Frühjahr 2020 warnen die Ökonomen auch diesmal vor der Vorläufigkeit ihrer Einschätzungen und fügen einschränkend hinzu, dass die Prognosen stark abhängig sind vom weiteren Verlauf der Pandemie.

Konkret verweisen sie auf akute Engpässe in den globalen Lieferketten, die vor allem die Industrieproduktion in Teilen ausbremst, auf die steigende Inflation bei den Verbraucherpreisen, die den privaten Konsum abschwächen könnten, sowie auf weiterhin bestehende Unwägbarkeiten im Hinblick auf das Coronavirus selbst.

Wettlauf mit dem Virus

Die hochansteckende Delta-Variante breitet sich auch in Europa und Deutschland zunehmend aus, weitere gefährliche Mutationen haben umso leichteres Spiel, je länger es dauert, nicht nur die westlichen Industrienationen, sondern die gesamte Weltbevölkerung zu immunisieren.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Setzt sich etwa im Sommer durch die vermehrten Reiseaktivitäten eine neue Variante durch, die den bisherigen Impfschutz unterläuft, könnten erneut strengere Schutzmaßnahmen erforderlich werden und das gerade wieder anziehende Wirtschaftswachstum erneut abwürgen.

Ifo-Institut senkt Konjunkturerwartung

Dementsprechend gibt es auch unter den Wirtschaftsforschern einige zaghafte warnende Stimmen: Das Münchener Ifo-Institut hat entgegen dem Trend seine Wachstumsprognose zuletzt nach unten korrigiert. Für 2021 senkten die Experten ihre Konjunkturvorhersage von 3,7 auf 3,3 Prozent.

Für 2022 ist man aber auch in München zuversichtlich: Hier erhöhte das Ifo-Institut seine Prognose kräftig von 3,2 auf 4,3 Prozent.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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