Konjunkturprognosen: Wie viel Optimismus ist angebracht?

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Wer ist schneller – die Impfung oder die Virusmutation? Laut Ifo-Index herrscht Optimismus, die Wirtschaftsweisen dämpfen die Erwartungen. (Foto: Freedomz / shutterstock.com)

Selten waren Konjunkturprognosen so schwierig zu treffen wie während der Corona-Pandemie. Die Wirtschaftsweisen haben nun angekündigt, ihre Prognose für das laufende Jahr nach unten zu korrigieren. Aktualisierte Zahlen sollen im März vorgelegt werden.

Wirtschaftsweise korrigieren Prognose nach unten

Im vergangenen November war das fünfköpfige Sachverständigengremium, das die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät, noch von einem Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent für 2021 ausgegangen, nun steht nach Angaben des Vorsitzenden Lars Feld selbst die 3 vor dem Komma auf der Kippe. Sie zu erreichen, sei zwar noch möglich, so der Ökonom – allerdings bräuchte es dafür eine baldige Aufhebung von Grenzkontrollen etwa zu Tschechien sowie eine Lockerung der Lockdown-Maßnahmen. In dem Fall könnte eine kräftige Konjunkturerholung bereits im 2. Quartal einsetzen.

Ob es allerdings so kommt, ist fraglich. Hochansteckende Mutationen des Coronavirus sind längst auch in Deutschland angekommen, die Infektionszahlen stagnieren auf noch zu hohem Niveau, ein schneller Anstieg ist nach der kürzlichen Öffnung von Schulen und Kitas nicht ausgeschlossen. Zudem läuft die Impfkampagne insgesamt schleppend an, und zu allem Überfluss bleibt auch noch das Vakzin von AstraZeneca massenhaft ungenutzt liegen, weil die Bevölkerung nach wochenlanger Negativ-Berichterstattung verunsichert ist und die Impfung mit dem Präparat verweigert.

Kurzum: Die Voraussetzungen für baldige Lockerungen sind keineswegs klar erkennbar, die nächste Lagebewertung werden Bund und Länder am 3. März vornehmen und ihr weiteres Vorgehen abstimmen. Unterdessen wirft das Superwahljahr seine Schatten voraus – Lars Feld wird dem Beratergremium ab Ende Februar nicht mehr angehören. CDU und CSU hätten gern an dem wirtschaftsliberalen Ökonomen festgehalten, die SPD votierte dagegen. Vorübergehend dürfte der Posten vakant bleiben, er wird als zu richtungsweisend für die Regierungsberatung angesehen, sodass über die Personalbesetzung wohl erst nach der Bundestagswahl im September entschieden werden wird.

Ifo-Geschäftsklimaindex steigt überraschend deutlich

Doch während die Wirtschaftsweisen die Hoffnungen auf eine allzu umfängliche Konjunkturerholung bremsen, herrscht in weiten Teilen der Wirtschaft selbst vermehrt wieder Optimismus, wie der Blick auf die jüngsten Erhebungen des Ifo-Geschäftsklimaindex belegt. Mit einem Anstieg um 2,1 auf nun 92,4 Punkte hellte sich die Stimmung wesentlich deutlicher auf als erwartet. Beobachter hatten lediglich mit einem geringfügigen Anstieg auf 90,5 Zähler gerechnet.

Die positive Tendenz wurde in allen betrachteten Wirtschaftszweigen dokumentiert, wenngleich in unterschiedlich starkem Ausmaß. So zeigt sich die von der Pandemie besonders stark betroffene Tourismusbranche eher zaghaft optimistisch und knüpft Hoffnungen an die kommende Urlaubssaison. Ob diese allerdings tatsächlich so einträglich wird, hängt wohl maßgeblich davon ab, wer schneller ist: die Impfkampagne oder die Virusmutationen.

Besonders zuversichtlich blickt unterdessen die Industrie in die eigene Zukunft, die auch bisher mit einem blauen Auge durch die Pandemie hindurchgekommen ist und von den Lockdown-Maßnahmen kaum betroffen war. Für dieses Segment stieg das Geschäftsklima auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren, lag also sogar noch über dem Vor-Corona-Niveau.

Außenhandelsbilanz: Importe aus China immer wichtiger

Der Ifo-Index der Exporterwartungen kletterte von 7,5 auf 10,7 Punkte. Getrieben wird der Optimismus hier insbesondere durch China und die USA, die beiden wichtigsten Außenhandelspartner Deutschlands. China hat als einzige größere Volkswirtschaft im vergangenen Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts verzeichnet, in den USA hofft man auf neue Impulse durch die seit Januar amtierende Biden-Administration.

2020 legte das Außenhandelsvolumen zwischen Deutschland und China um 3,0 Prozent zu auf gut 212 Milliarden Euro, wobei insbesondere der Import chinesischer Waren an Bedeutung gewinnt: Hier lag das Plus im Vergleich zum Vorjahr sogar bei 5,6 Prozent. Die Ausfuhren nach China gingen hingegen um 0,1 Prozent zurück auf 95,9 Milliarden Euro.

Wichtigster Absatzmarkt für deutsche Exportgüter bleiben nach wie vor die USA, wenngleich das Exportvolumen dorthin um 12,5 Prozentpunkte nachgab auf 103,8 Milliarden Euro. Während Deutschland im Außenhandel mit den Vereinigten Staaten erneut einen Exportüberschuss in Höhe von 36,1 Milliarden Euro erzielte – wofür Deutschland von wechselnden US-Präsidenten bereits seit längerem kritisiert wird –, ist das Kräfteverhältnis gegenüber dem Reich der Mitte umgekehrt. Für China verzeichnet Deutschland einen Importüberschuss in Höhe von gut 20 Milliarden Euro.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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