Konnte dieses Unternehmen das Ruder herumreißen?

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Was vor der Krise normal war, ist heute plötzlich völlig out. So wie Außenwerbung. Wie geht Ströer damit um? Wir erklären es Ihnen! (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Erst kürzlich habe ich eine privat erstellte Umfrage gesehen, in der ein Kollege gefragt hat, wie viel weniger die Kontakte in seinem Netzwerk denn 2020 beruflich unterwegs waren. Die Zahlen waren deutlich. Die allermeisten reisten 2020 aus beruflichen Gründen zwischen 70 und 90% weniger. Auch bei Pendlern dürften ähnliche Ergebnisse zustande kommen. Viele Menschen sind heute im Homeoffice. Leidtragende sind der Bäcker in der U-Bahnstation, der freundliche Imbissbetreiber unweit des Arbeitsplatzes und – Anbieter von Außenwerbung. So wie Ströer.

Wir erklären Ihnen, was von der Aktie noch zu erwarten ist. Ströer Media SE ist ein international tätiger Marketing-Konzern und der größte Anbieter für Out-of-home-Medien in Deutschland. Mit der Übernahme von verschiedenen Online-Portalen wie t-online.de, wetter.info oder wanted.de hat sich der Medien-Konzern einen zweiten Geschäftsbereich im digitalen Marketing aufgebaut.

Niemand weiß, wie es um die Zukunft steht

Ströer hat für das 1. Halbjahr schwache Zahlen vorgelegt. Die Coronakrise hat den Werbemarkt schwer getroffen. Der Umsatz sank um 14,9% auf 632,4 Mio €. Trotz erheblicher Kosteneinsparungen musste unterm Strich ein Verlust von 0,43 € je Aktie ausgewiesen werden. Der Markt für Außenwerbung bleibt angespannt. Die Pandemie führte weltweit zu deutlich geringerem Reiseaufkommen. Somit sinkt auch die Attraktivität von Außenwerbung an belebten Plätzen wie Bahnhöfen, Flughäfen oder Einkaufsstraßen. Damit wird Ströer genau in seiner Kernkompetenz getroffen.

Der Shutdown hat Außenwerbekampagnen zeitweise zu einem kompletten Erliegen gebracht. Erst ab Mitte des 2. Quartals waren wieder erste Neueinbuchungen zu verzeichnen. Seitdem ist wieder ein positiver Trend erkennbar, jedoch ist der weitere Verlauf für 2020 nur schwer vorhersehbar. Ströer rechnet mit weiteren Auftragsausfällen, jedoch sei der Fortbestand des Unternehmens nicht ernsthaft gefährdet. Auch wir können bescheinigen: Die Bilanz ist noch solide und die mittelfristige Liquidität sichergestellt.

So sollten Sie jetzt handeln

Eine belastbare Prognose für 2020 ist jedoch nicht möglich. Die weitere Geschäftsentwicklung wird maßgeblich vom Infektionsgeschehen geprägt sein. Ein zweiter Shutdown könnte den Konzern schwer treffen. Die Umsätze im Dialog-Marketing und im digitalen Bereich können diese Rückschläge nicht ausreichend abfedern. Aus diesen Gründen würden wir von der Aktie von Ströer aktuell Abstand nehmen. Zwar hat das Unternehmen das Ruder rechtzeitig herumgerissen, doch bleiben große Teile des Geschäfts in der neuen Normalität heikel. Schauen Sie sich als Anleger besser bei anderen Titeln um.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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