Kühne + Nagel schluckt führenden asiatischen Luftfrachtspediteur Apex

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Die Logistikgruppe Kühne + Nagel hat den größten Zukauf ihrer Unternehmensgeschichte bekannt gegeben. Für mehr als 1,5 Mrd. Dollar schnappte sich der Logistiker die chinesische Apex-Gruppe. (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Wer kennt sie nicht? Die Lastkraftwagen mit dem Schriftzug Kühne + Nagel sind unübersehbar auf Deutschlands Straßen. Doch das deutsch-schweizerische Logistikunternehmen ist nicht nur auf deutschen Straßen, sondern weltweit vertreten und zählt mit seinen mehr als 78.000 Mitarbeitern zu den global führenden Logistikdienstleistern.

Gestern hat der im schweizerischen Kanton Schwyz/Schindellegi und in Bremen ansässige Logistik-Riese bekannt gegeben, dass er seine Position in Asien durch eine Übernahme weiter ausbauen will. So teilte Kühne + Nagel mit, dass das Unternehmen eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme der im chinesischen Shanghai beheimateten Apex International Corporation (Apex) unterzeichnet habe.

Was Kühne + Nagel in seiner Mitteilung nicht erwähnt: Der deutsch-schweizerische Logistikkonzern hat die Mehrheitsbeteiligung nicht von Apex selbst gekauft, sondern von der südkoreanischen Beteiligungsgesellschaft MBK Partners mit Sitz in Seoul erworben. Diese hatte bereits 2015 die Aktienmehrheit der nicht börsennotierten Apex übernommen.

MBK hatte laut Insidern den Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung an Apex bereits seit längerer Zeit geplant. Die Verkaufsbemühungen waren aber aufgrund der Handelsspannungen zwischen China und den USA zunächst auf Eis gelegt worden.

Größte Übernahme in der über 130-jährigen Unternehmensgeschichte

Bei der Akquisition handelt es sich um den größten Deal in der Geschichte von Kühne + Nagel. Die beteiligten Parteien haben sich zwar ein Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart, aber dennoch werden in Insiderkreisen bereits Zahlen genannt.

So berichtete der Schweizer Rundfunk und auch Blomberg, dass laut Angaben einer mit der Transaktion vertrauten Person der Apex-Deal mit 1,5 bis 2 Mrd. US-Dollar bewertet sei. Dieser Preis ist nicht übertrieben, denn die chinesische Apex hat zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 2 Mrd. Euro eingefahren.

Der Kaufpreis soll laut Kühne + Nagel aus verfügbaren liquiden Mitteln und, falls erforderlich, aus bestehenden Kreditlinien finanziert werden. Ein geringer Anteil der Apex-Aktien verbleibt auch nach dem Abschluss der Transaktion (Closing) beim Apex-Management.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzporträt

Für Sie als Hintergrundinformation: Apex wurde 2001 in China gegründet und hat im Laufe der Jahre in ganz Asien und darüber hinaus expandiert. Das Logistikunternehmen beschäftigt derzeit rund 1.600 Mitarbeitender.

Im Jahr 2020 wickelte das Unternehmen ein Luftfrachtvolumen von rund 750.000 Tonnen und ein Seefrachtvolumen von 190 Mio. Euro ab. Apex ist damit einer der führenden Luftfrachtanbieter in Asien, insbesondere im transpazifischen und innerasiatischen Raum.

Kühne + Nagel zählt mit seinen über 78.000 Mitarbeitenden an nahezu 1.400 Standorten in 109 Ländern zu den global führenden Logistikdienstleistern. Schwerpunkte des Unternehmens liegen in den Bereichen See- und Luftfracht, Landverkehre und Kontraktlogistik. Laut eigenen Angaben ist Kühne + Nagel sogar der führende Seefracht-Spediteur weltweit.

Kühne + Nagel will seine Position in Asien ausbauen

Warum der deutsch-schweizerische Logistik-Riese die chinesische Apex gekauft hat, liegt auf der Hand: Kühne + Nagel will seine Marktposition im wirtschaftlich expandierenden und bevölkerungsreichen asiatischen Raum ausbauen. Dies bestätigt auch Dr. Detlef Trefzger, CEO der Kühne + Nagel International AG, in seinem Kommentar zum Mega-Deal:

„Mit dem Zusammenschluss von Apex und Kühne + Nagel können wir unseren Kunden ein attraktives Leistungsangebot im wettbewerbsintensiven, asiatischen Logistikmarkt anbieten – insbesondere in den Bereichen E-Commerce-Fulfilment, Hi-Tech und E-Mobility. Wir freuen uns, das Apex-Team in der Kühne + Nagel-Familie willkommen zu heißen.“

Auch Dr. Jörg Wolle, Präsident des Verwaltungsrats der Kühne + Nagel International AG, betont die wichtige Rolle Asiens für den deutsch-schweizerischen Logistikkonzern: „In den vergangenen Jahren hat Kühne + Nagel die Aktivitäten im asiatisch-pazifischen Raum intensiv und strategisch ausgebaut.“

„Heute gehören wir zu den führenden Logistikdienstleistern in der Region und werden unser Wachstum und unseren Einfluss auch künftig beschleunigen. Die Übernahme von Apex ist ein wichtiger Meilenstein unserer Strategie mit Fokus auf Asien, eine der schnellst wachsenden Regionen der Weltwirtschaft“, so Wolle weiter.

So reagierten die Börsen

Die an der schweizer Börse SIX gehandelten Kühne + Nagel-Aktien starteten gestern nach Bekanntwerden der Übernahme mit einem Kurssprung von +2,4% in den Handelstag und hielten diesen Zugewinn mit leichten Abstrichen auch bis zum gestrigen Börsenschluss. Die Investoren begrüßen offensichtlich den Zukauf in Asien.

Wie es weitergeht

Die Akquisition steht unter dem Vorbehalt der üblichen vertraglichen Abschlussbedingungen, einschließlich der Genehmigung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden. Nach Abschluss der Transaktion wird Apex innerhalb der Kühne + Nagel-Gruppe weiterhin eigenständig agieren. Einen genauen Zeitpunkt über das geplante Closing der Transaktion hat der Konzern jedoch nicht genannt.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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