Schufa will Kontoauszüge lesen

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Verbraucherschützer sind entsetzt: Der Blick auf den Kontoauszug würde der Auskunftei mehr offenlegen, als den meisten lieb ist. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Würden Sie mir Ihre Kontoauszüge der letzten 12 Monate offenlegen? Vermutlich nicht. Genau das ist aber offenbar der Plan, den die Schufa derzeit verfolgt.

Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei setzt dabei auf die Bequemlichkeit der Kunden. Tagtäglich willigen Millionen Menschen online in Allgemeine Geschäftsbedingungen und Datenverarbeitungen ein, ohne sich diese im Detail vorher durchzulesen. Es sind schlichtweg zu viele, sie enthalten zu viel Text und dieser Text ist nicht nur kleingedruckt, sondern für Laien oftmals auch in der Formulierung nur schwer verständlich.

Also wird einfach geklickt, „ok“ und weiter. Wer dieses Häkchen nun aber bei „CheckNow“ setzt, einem neuen Produkt, das derzeit von der Schufa getestet wird, gibt damit der Auskunftei möglicherweise deutlich detailliertere Einblicke als es auf den ersten Blick ersichtlich wäre.

Was der Kontoauszug alles verrät

Zwar beschwichtigt das Wiesbadener Unternehmen auf Medienanfragen, man speichere gar nicht so viel, und überhaupt nur kurzfristig und zweckgebunden. Doch Verbraucherschützer sind entsetzt – und schlagen Alarm. Denn der Blick auf den Kontoauszug ermöglicht weit differenziertere Profile als bisher.

So können neben der reinen Zahlungsfähigkeit etliche weitere Aspekte ausgelesen und in der weiteren Datenverarbeitung analysiert werden. Sie spenden an eine bestimmte Partei? Dann haben Sie vermutlich eine entsprechende politische Präferenz. Sie zahlen Mitgliedsbeiträge bei einer Umweltorganisation? Auch hieraus lassen sich entsprechende Rückschlüsse ziehen. Sie erhalten staatliche Sozialleistungen oder Unterhaltszahlungen? Damit lässt sich Ihre familiäre Situation interpretieren. Die Höhe Ihrer Miete passt im Verhältnis nicht zu Ihrem Gehalt? Sie shoppen in Luxusboutiquen, während Sie anderswo Schulden anhäufen? Sie haben in den vergangenen zwölf Monaten an ein Inkassounternehmen oder einen Glückspielanbieter Geld überwiesen? All das dürfte Ihren Schufa-Score beeinflussen.

Schufa Score: Einfluss auf das ganze Leben

Der Schufa Score hat hierzulande erhebliche Auswirkungen. Er kann darüber entscheiden, ob man als Verbraucher einen Kredit oder Mietvertrag erhält, ob Raten- oder Rechnungskauf zugelassen werden, ob man ein Konto eröffnen oder einen Handyvertrag abschließen kann. Die Schufa weiß um ihre Macht – und plant offenbar, insbesondere eher schlecht bewerteten Personen eine „zweite Chance“ anzubieten, mit eben diesem CheckNow-Verfahren, das zusätzliche Parameter berücksichtigen und den Score neu berechnen helfen soll.

Dass man bei der Einwilligung den Zugriff auf die eigenen Kontobewegungen gleich mit erlaubt, dürfte den wenigsten Nutzern bewusst sein. Darauf explizit hinzuweisen liegt auch nicht im Interesse der Schufa, die vor rund einem Jahr eine Firma mit Bafin-Lizenz zur Einsicht in Kontoauszüge erworben hat und seither an Produkten feilt, um eben jene Daten für sich zugänglich und nutzbar zu machen.

Bislang laufen lediglich Testphasen, offiziell am Markt sind all diese Dinge noch nicht. Involvierte Prüfbehörden wollten sich auf Anfrage recherchierender Journalisten von WDR, NDR und SZ nicht näher äußern, die Schufa selbst stellt das Vorhaben als möglichst harmlos dar.

Doch wenn die Pläne Realität werden, ist der Weg nicht mehr weit bis zum gläsernen Kunden in den Fängen des Wiesbadener Datenkraken, dessen Fangarme noch ein Stückchen länger werden.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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