Deutz AG verschiebt Ziele um ein Jahr

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Der im SDax gelistete Kölner Motorenhersteller Deutz AG gehört zu den besonders hart von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen. (Foto: murmakova/AdobeStock)

Der Kölner Motorenhersteller Deutz AG hat gestern bekannt gegeben, dass er seine mittelfristigen Unternehmensziele anstatt im Jahr 2022 erst im Geschäftsjahr 2023/24 erreichen wird. Als Hauptgrund für diesen Rückzieher nennt das Unternehmen die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise.

„Diese führten im laufenden Geschäftsjahr zu einer deutlich rückläufigen Entwicklung des Deutz-Motorengeschäfts und es ist davon auszugehen, dass die kundenseitige Investitionszurückhaltung in den kommenden Monaten zunächst noch weiter anhalten wird und damit eine Erholung der Nachfrage langsamer erfolgen dürfte als ursprünglich erwartet“, so das Unternehmen.

Optimistische mittelfristige Zielwerte

Noch im März 2020 hatte die Deutz AG ihre Mittelfristziele bestätigt. Damals ging der Motorenhersteller davon aus, dass er bis 2022 einen Umsatzanstieg auf mehr als 2 Mrd. Euro einhergehend mit einer operativen Gewinnmarge (EBIT-Marge) vor Sondereffekten von 7 bis 8% erreichen werde.

Diese optimistische Prognose, immerhin erzielte das Unternehmen 2019 einen Umsatz von lediglich 1,84 Mrd. Euro, haben die Kölner jetzt einfach um ein Jahr verschoben. Corona-bedingt gehen die Kölner für das laufende Jahr von einer deutlich rückläufigen Entwicklung des Motorengeschäfts aus. Auch die Erholung der Nachfrage wird länger dauern als ursprünglich erwartet.

Mit spürbaren Verbesserungen der wesentlichen Unternehmenskennzahlen werde erst für 2022 gerechnet, so das Unternehmen. Dabei strebe die Deutz AG an, das Break-even-Niveau u. a. durch die im Rahmen des globalen Effizienzprogramms eingeleiteten Kosteneinsparmaßnahmen auf rund 130.000 Motoren in 2021 zu senken und dadurch mindestens ein ausgeglichenes operatives Ergebnis (EBIT vor Sondereffekten) zu erzielen.

Über die Deutz AG

Zum Hintergrund: Die Deutz AG mit Hauptsitz in Köln ist einer der weltweit führenden Hersteller innovativer Antriebssysteme. Die Kernkompetenzen des börsennotierten Unternehmens liegen in der Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Service von Diesel-, Gas- und elektrifizierten Antrieben für professionelle Einsätze.

Der Motorenspezialist verfügt über eine breite Produktpalette im Leistungsbereich bis 620 kW, die unter anderem in Bau- und Landmaschinen, Material-Handling-Anwendungen, stationären Anlagen sowie Nutz- und Schienenfahrzeugen zum Einsatz kommt. Mit weltweit rund 4.900 Mitarbeitern und über 800 Vertriebs- und Servicepartnern in mehr als 130 Ländern erzielte die Deutz AG im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 1.84 Mrd. Euro.

Die aktuellen Neunmonatszahlen

Auch die am 10. November 2020 veröffentlichten Zahlen für die ersten 9 Monate des laufenden Geschäftsjahres waren im Vergleich zu den Vorjahreswerten durchweg negativ ausgefallen. Der Umsatz war um 32,7% auf nur noch 928,2 Mio. Euro gesunken und das operative Ergebnis (EBIT vor Sondereffekten) belief sich auf -65,6 Mio. Euro.

Zwar betonte das Deutz-Management, dass sich das operative Ergebnis im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal deutlich gebessert habe, aber auch die Zahlen für Juli bis September waren im Vergleich zum 2. Quartal durchweg rückläufig, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie drei Monate zuvor.

Mein Fazit: Aktuell eher kein Kaufkandidat

Aus meiner Sicht wird die Deutz AG mindestens noch ein Jahr benötigen, um wieder auf Kurs zu kommen – und das ist, aufgrund der noch immer unsicheren Zeiten, noch eine eher optimistische Schätzung.

Ob die Anfang August angekündigten Umstrukturierungsprogramme dabei behilflich sein werden, ist abzuwarten. So will Deutz von 2022 an jährlich insgesamt rund 100 Mio. Euro einsparen. Dazu beitragen soll auch der Abbau von bis zu 1.000 Arbeitsplätzen. Kurzum: Aus meiner Sicht muss man aktuell nicht bei Deutz investiert sein. Dauerhaft abschreiben würde ich die Aktie aber auch nicht.

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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