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Shop Apotheke: Lohnenswerte Turnaround-Spekulation?

Shop Apotheke: Lohnenswerte Turnaround-Spekulation?
SergeyP / Shutterstock.com
Inhaltsverzeichnis

Normalerweise stelle ich Ihnen an dieser Stelle meist Aktien vor, die durch einen positiven Trend überzeugen. Heute richte ich mich ausdrücklich an die Zocker unter Ihnen. Die Aktie, die ich Ihnen heute vorstelle, ist eine lupenreine Turnaround-Spekulation.

Corona-Gewinner sind abgestürzt

Viele Corona-Gewinner sind in den vergangenen Monaten massiv abgestürzt. Die Aktie des Kochboxen-Anbieters HelloFresh beispielsweise ist gegenüber ihrem Hoch um rund 80% eingebrochen. Bei dem Essenslieferanten Delivery Hero liegen die Verluste ebenfalls in dieser Größenordnung. Beide Titel mussten ihren Platz im DAX, in den sie zwischenzeitlich aufgestiegen waren, mittlerweile wieder räumen.

Ein weiterer ehemaliger Highflyer, dessen Höhenflug in einen tiefen Absturz mündete, ist Shop Apotheke. Vom Hoch Anfang 2021 bei 249 Euro ist der Kurs in der vergangenen Woche bis auf unter 37 Euro zurückgefallen – ein Minus von 85%.

Führende europäische Online-Apotheke

Ich nehme an, dass nicht jeder von Ihnen Shop Apotheke Europe kennt. Deshalb möchte ich Ihnen das Unternehmen zunächst kurz vorstellen. Die Gesellschaft, die ihren Hauptsitz im niederländischen Venlo hat, ist Europas führende Online-Apotheke. Shop Apotheke vertreibt rezeptfreie Arzneimittel ebenso wie auch in anderen Apotheken erhältliche Beauty- und Pflegeprodukte.

An der Börse ist das Unternehmen seit Oktober 2016 gelistet. Zwischenzeitlich hatte sich der Aktienkurs fantastisch entwickelt und war gegenüber dem Ausgabepreis bei 28 Euro um fast 800% gestiegen. Durch die Corona-Krise hatte das Unternehmen – und der Aktienkurs – einen gewaltigen Schub bekommen.

Einführung des E-Rezepts lässt weiter auf sich warten

Beim Blick auf den Aktienkurs könnte man meinen, das Unternehmen habe einen fürchterlichen Einbruch erlebt. Doch weit gefehlt: Nach dem Corona-Boom ließ das Wachstumstempo zwar nach, der Umsatz wuchs im vergangenen Jahr 2021 aber immerhin um 9% auf 1,06 Mrd. Euro. Allerdings stieg auch der Verlust von knapp 17 auf rund 74 Mio. Euro wieder deutlich an.

Das Damoklesschwert, das seit Längerem über dem Aktienkurs schwebt, ist das E-Rezept, dessen ursprünglich für 2021 geplante Einführung weiterhin auf sich warten lässt. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hat Bedenken wegen möglichen Datenmissbrauchs und legte sein Veto gegen die bisherigen Pläne ein. Bis zum Sommer 2023 hofft Kelber auf eine sichere Lösung. Ein Pilotprojekt in der Region Westfalen-Lippe wurde gestoppt.

Shop Apotheke steigert Umsatz und weitet Verlust aus

Vor wenigen Tagen legte Shop Apotheke Zahlen vor. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 14% auf 877 Mio. Euro. Im dritten Quartal schrieb das Unternehmen operativ schwarze Zahlen. Der Nettoverlust wurde in den ersten neun Monaten aufgrund steigender Kosten, höherer Abschreibungen und Sonderbelastungen im Zusammenhang mit Übernahmen mit knapp 68 Mio. Euro aber mehr als verdoppelt.

Für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen seine Prognose. Der Umsatz mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln soll um 15 bis 25% zulegen, die bereinigte operative Marge erwartet Vorstandschef Stefan Feltens zwischen -1,5 und +1,5%.

Quelle: www.aktienscreener.com

Corona-Tief erfolgreich getestet

Als führende Online-Apotheke in Europa ist das Unternehmen gut aufgestellt. Auch ohne E-Rezept hat der Aktienkurs nach dem Kursrutsch Luft für eine deutliche Erholung. Kommt endlich die Einführung des E-Rezepts, wäre das vermutlich ein Befreiungsschlag für die Aktie.

Der Trend zeigt weiter klar nach unten. Dennoch gibt ein Blick auf den Chart Anlass für eine Spekulation. In der vergangenen Woche rutschte der Kurs kurzzeitig unter das Corona-Tief, das im März 2020 bei 37 Euro gelegen hatte, drehte von hier aus aber dynamisch nach oben.

Kurzfristig scheint eine Erholungsbewegung in Richtung 65 Euro realistisch. Gleichwohl ist der SDAX-Titel nur etwas für sehr risikobereite Anleger. Sollte das Jahrestief (36,51 Euro) unterschritten werden, sollte man besser die Reißleine ziehen.