Trade Republic sammelt frisches Kapital ein

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Die dritte Finanzierungsrunde soll dem Fintech-Start-up zum europaweiten Durchbruch verhelfen. Aktionäre müssen sich jedoch gedulden. (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Restaurants geschlossen, Urlaub gecancelt, Kino dicht, Freizeitpark zu, Mehrwertsteuer gesenkt – wer trotz Pandemie im vergangenen Jahr regulär arbeiten und Geld verdienen konnte, hat im Vergleich zu normalen Jahren ordentlich Kapital angehäuft.

Klassische Sparbücher lohnen sich allerdings schon lange nicht mehr: Seit der Finanzkrise vor gut einem Jahrzehnt befinden sich die Zinsen auf historischen Tiefstständen und bewegen sich auch kaum von dort weg. Das ist schön für Schuldner und Kreditnehmer aller Art, aber schlecht für Anleger, die ihr Kapital möglichst rentabel verwaltet wissen wollen.

Pandemie befeuert Börsenrally

So beflügelte die Pandemie zuletzt vor allem das Börsengeschehen: Erst in dieser Woche erzielte der Dax ein neues Allzeithoch, Aktien einzelner Pandemie-Profiteure wie etwa der Deutschen Post sind ebenfalls im Höhenrausch. Seit Ausbruch der Corona-Krise im vergangenen Jahr floriert der Handel mit Wertpapieren wie Aktien, Anleihen oder auch Investitionen in Fonds und ETFs, die Kursverläufe einzelner Branchen, Regionen oder Indizes nachbilden.

Etliche Kleinanleger, die den Gang aufs Parkett zuvor gescheut haben, sind seither erstmalig eingestiegen und versuchen an der Börse ihr Glück. Vereinfacht wird ihnen der Einstieg nicht zuletzt durch neue Onlineanbieter, die Brokerage per Smartphone-App möglichst niedrigschwellig zugänglich machen wollen.

Trade Republic: Onlinebroker für Nachwuchsanleger

Europas einziger Onlinebroker mit Banklizenz und zugleich eigener Technologie kommt aus Deutschland, heißt Trade Republic und gilt mit einem geschätzten Wert von 5 Milliarden US-Dollar inzwischen als eines der wertvollsten Start-ups des Landes. Gerade erst hat das Fintech-Unternehmen, das seit fünf Jahren besteht, aber erst seit rund zwei Jahren am Markt aktiv ist, seine dritte Finanzierungsrunde abgeschlossen – und bei Wagniskapitalgebern rund 900 Millionen Dollar eingesammelt.

Das Geld soll in die Expansion gesteckt werden: Innerhalb der nächsten zwei Jahre will das Unternehmen in der gesamten Eurozone seine Dienste anbieten. Bislang ist Trade Republic lediglich in Deutschland, Österreich und Frankreich vertreten. Hier zählt das Unternehmen bis dato etwa 1 Million Kunden und verwaltet ein Vermögen in Höhe von rund 6 Milliarden Euro.

Kompaktes Angebot für Börsenneulinge

Das Geschäftsmodell basiert darauf, Kunden provisionsfrei und zu vergleichsweise günstigen Gebühren Investments in ETF- oder Aktiensparpläne, aber auch den Kauf von Kryptowährungen oder Einzelaktien anzubieten. Dabei ist die Auswahl allerdings begrenzt auf das Angebot einiger weniger Kooperationspartner, die ihrerseits an Trade Republic zahlen.

Doch gerade die vereinfachte und kompakte Angebotsstruktur kann sich für Börsenneulinge als attraktive Einstiegsoption erweisen, um sich einen ersten Einblick zu verschaffen und ein Gefühl für das Trading zu bekommen. Angesichts der neuen Aktieneuphorie selbst unter deutschen Sparern, die gemeinhin als eher risikoscheu gelten und seit T-Aktie und New-Economy-Crash das Parkett stets gemieden haben, scheint sich hier eine Trendwende abzuzeichnen.

Börsengang vorerst nicht geplant

Jüngere, international vernetzte und digitalaffine Kunden, die nach und nach auf den Arbeitsmarkt strömen und ihr eigenes Geld verdienen, wollen dieses nun zunehmend möglichst gewinnbringend anlegen. Ein Onlineangebot wie das von Trade Republic kommt den Bedürfnissen dieser noch jungen, aber wachsenden Zielgruppe entgegen.

Die Aussichten für die kommenden Jahre sind gut, davon sind auch die Investoren überzeugt. Ein Börsengang des Start-ups ist bislang trotz der Erfolge allerdings nicht geplant. Zunächst will man sich offenbar breiter aufstellen und stärker am Markt etablieren, ehe dann womöglich Trade Republic Kunden eines Tages auch mit Trade Republic Aktien handeln können.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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