Volkswagen bessert bei Europcar-Offerte nach

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Volkswagen bessert bei Europcar-Offerte nach: Übernahmeverhandlungen nehmen weiter an Fahrt auf, bleiben allerdings hochkomplex. Deal könnte strategische Neuausrichtung unterstützen (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Bereits vor einem Monat streckte der Autogigant Volkswagen die Fühler nach dem Autovermieter Europcar aus und legte eine Offerte auf den Tisch. Für 44 Cent je Europcar-Aktie wollten die Wolfsburger die Mehrheit an dem Konzern übernehmen. Damit hätte die Offerte Volkswagen über 2 Milliarden Euro gekostet. Allerdings wurde das Angebot als zu niedrig abgelehnt. Aus Sicht der Europcar-Anleger mit Erfolg. Denn Volkswagen hat seine Offerte jetzt nachgebessert und den Preis nach oben geschraubt.

Die Gerüchteküche brodelt

Jetzt hat der französische Autovermieter Europcar die Gespräche mit einem Konsortium um Volkswagen zu einem erhöhten Übernahmegebot bestätigt. Offenbar befinden sich die Gespräche bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Zu dem Konsortium gehören neben Volkswagen auch der Vermögensverwalter Attestor und der Mischkonzern Pon Holdings – der größte VW-Importeur in den Niederlanden.  Inzwischen liegt die kolportierte Offerte bei 50 Cent. Damit liegt die Unternehmensbewertung bei rund 2,5 Milliarden Euro.

Warum Volkswagen Interesse an Europcar hat

Im Rahmen des ersten Übernahmeangebots wurde als Grund für eine mögliche Übernahme der Zugang zu einer Mobilitätsplattform genannt. Der Autovertrieb verändert sich gerade fundamental – und Europcar gilt als ideales Vehikel für die künftigen Bedürfnisse der Verbraucher. Viele Menschen wollen ein Auto nicht mehr besitzen, sondern mieten, wenn es ihnen in den Sinn kommt: weniger Stress, mehr Flexibilität und zugleich niedrigere Kosten. Gelingt VW die Übernahme, könnte der Konzern in Zukunft beispielsweise einen fahrerlosen Shuttleservice über eine Europcar-Station an einem Flughafen anbieten.

Das klassische Vermietungsgeschäft von Europcar dagegen ist aus strategischer Sicht für VW fast bedeutungslos. Volkswagen kann schon heute seine Fahrzeuge auch ohne Beteiligung an Autovermieter verkaufen.

Europcar und VW – zwei Altbekannte

Europcar ist einer der größten Autovermieter weltweit. Seit 2015 ist das Unternehmen an der Börse gelistet und gehörte vorher der Beteiligungsgesellschaft Eurazeo. Brisant: Bis 2006 gehörte Europcar selbst noch zu Volkswagen. Dann hatte der Konzern Europcar an den französischen Finanzinvestor Eurazeo verkauft, der sich die Übernahme einschließlich aller Schulden gut 3,3 Milliarden Euro kosten ließ. VW begründete den Verkauf damals damit, dass man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren wolle.

Europcar in schwierigem Fahrwasser

In den letzten Jahren ist Europcar in finanzielle Schwierigkeiten geraten und die Verschuldung regelrecht in die Höhe geschossen. Der Höhepunkt wurde 2018 mit einer Nettoverschuldung von mehr als 5,1 Milliarden Euro erreicht.

Im gleichen Jahr lag der Nettogewinn bei gerade mal 139 Millionen Euro. Was folgte war eine tiefgreifende Restrukturierung. In diesem Jahr wurde deshalb ein großer Teil der Schulden in Eigenkapital umgewandelt und dafür eine große Menge neuer Aktien ausgegeben.

Corona sorgt weiter für Bremseffekte

Auch zuletzt lief es wegen der weiter anhaltenden Corona-Krise eher schleppend. Die gestrichenen Geschäfts- und Urlaubsreisen sowie die zunehmende Heimarbeit sorgten für kräftigen Gegenwind. Entsprechend musste Europcar im vergangenen Jahr die schlimmste Krise seit der Firmengründung im Jahr 1949 verkraften: Der Umsatz hat sich 2020 auf 1,7 Milliarden Euro beinahe halbiert und die Verluste summierten sich auf 645 Millionen Euro.

Auch in diesem Jahr läuft es noch nicht rund: Im ersten Quartal sackten die Umsätze von 557 auf 356 Millionen Euro in den Keller. Am Ende stand ein Verlust von 77 Millionen Euro in den Büchern des Autovermieters.

Ob der Deal durchgeht, wird sich erst noch zeigen müssen. Komplex sind die Verhandlungen allemal. Vor allem auch, weil bei Europcar 10 verschiedene Interessensgruppen (darunter einige Hedgefonds) beteiligt sind.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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