Zalando: Großaktionär sagt ade

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Kinnevik versilbert Zalando-Paket: Schwedischer Großinvestor und Onlineschuhhändler gehen künftig getrennte Wege. Fruchtbare Partnerschaft hat sich für alle Beteiligten ausgezahlt (Foto: Zalando)

Der schwedische Investor Kinnevik und Europas größter Online-Modehändler Zalando gehen künftig getrennte Wege. Dabei dürfte sich der schwedische Großaktionär freuen: Immerhin konnte er seinen Einsatz in den vergangenen zehn Jahren mehr als verachtfachen. Mit dem Ausstieg des Investors Kinnevik bei Zalando neigt sich eine ungewöhnlich erfolgreiche Geschäftsverbindung dem Ende zu und für Kinnevik steht ein Neuanfang bevor. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft will sich künftig stärker auf junge, nichtbörsennotierte Wachstumsunternehmen fokussieren.

Kinnevik im Portrait

Kinnevik ist eine in Schweden ansässige Investmentgesellschaft, die sich auf den Aufbau digitaler Konsumgütergeschäfte konzentriert. Die Geschäftstätigkeit des Unternehmens ist folgende vier Segmente: E-Commerce und Marktplätze, Kommunikation, Unterhaltung und Finanzdienstleistungen.

Im Segment E-Commerce und Marktplätze wurde in der Vergangenheit beispielsweise in Zalando, Global Fashion Group, Qliro Group, Home24, Lazada, Linio, Konga und Rocket Internet investiert. Das Segment Kommunikation wird durch Beteiligungen wie Tele2 und MiIlicom repräsentiert. Das Segment Unterhaltung beinhaltet Beteiligungen wie MTG und Metro. Im Bereich Finanzdienstleistungen setzen die Schweden auf Firmen wie Bayport, Betterment und Bima.

Satte Rendite bei Zalando-Investment

Bei Zalando besitzt Kinnevik derzeit noch 54 Millionen Anteilsscheine, was 21% aller ausstehenden Firmenanteile entspricht. Eingestiegen sind die Schweden bei Zalando in 2010 mit gut 786 Millionen Euro. Trotz der zwischenzeitlichen Verkäufe liegt der Wert der heutigen Position mit rund 5,3 Milliarden Euro massiv über dem Einstiegsniveau. Zuletzt verkaufte Kinnevik im Juni letzten Jahres 11,25 Millionen Aktien.

Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Einsatz mehr als verachtfacht. Zum Hintergrund: Zalando war 2014 zum Ausgabepreis von 21,50 Euro an die Börse gegangen. Nach dem Höhenflug der vergangenen Jahre müssen Anleger inzwischen einen Preis von beinahe 100 Euro je Anteilschein berappen.

Fokus auf nicht börsennotierte Unternehmen

Nach dem Ausstieg, dem die Hauptversammlung noch zustimmen muss, will Kennevik den Fokus weg von börsennotierten Firmen legen. Mehr als zwei Drittel des Kapitals soll dann in ein vielfältiges Portfolio aus jüngeren, hauptsächlich nicht-börsennotierten Wachstumsunternehmen gesteckt werden. Laut Kinnevik haben bereits Anteilseigner, die 30% der Aktien und 50% der Stimmrechte repräsentierten, ihre Unterstützung zugesagt.

Mit dem Zalando-Verkauf wird sich die Gewichtung innerhalb des aktuellen Portfolios bei Kinnevik wieder etwas relativieren. Momentan stellt der Berliner Online-Modehändler das mit großem Abstand wichtigste Investment dar. Immerhin stand die Beteiligung zuletzt für 44 % des gesamten Portfoliowerts.

Zalando auf der Suche nach Zukäufen

Während Kennevik den Ausstieg plant, ranken sich Gerüchte um Zukäufe bei Zalando. So wird dem Konzern auch Interesse am Online-Kosmetikhändler Flaconi nachgesagt, von dem sich der bisherige Eigentümer ProSiebenSat.1 trennen möchte. Mitte bis Ende des zweiten Quartals soll eine Entscheidung fallen.

Zuletzt konnte Flaconi mit einem Umsatzwachstum von 50% im Corona-Jahr 2020 glänzen und zählte damit zu den klaren Krisenprofiteuren. Am Ende ging laut Branchenkreisen immerhin ein Umsatz von rund 300 Millionen Euro durch die Bücher. Der Online-Shop ist derzeit in Deutschland, Österreich und Polen im Netz. Branchenkenner erwarten, dass nun die Expansion im Ausland der nächste Schritt sein wird, bei dem Zalando mit Sicherheit gute Unterstützung leisten könnte.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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