Die Macht des Dollar und die Kontrolle über das Öl

Erdöl schwarz – John Williams RUS – shutterstock_411484729

Die Amerikaner haben sich seit nunmehr 40 Jahren den Dollar als Ölwährung gesichert – Der Dollar profitiert davon (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Gastbeitrag von Markus Lindermayr

An den Tankstellen bewegt sich etwas: der Benzinpreis.

In kurzer Zeit stieg der Preis von Superkraftstoff um 10 Cent je Liter.

Der Lieferstopp des Iran an Europa hat die Nachfrageseite geschwächt und das Preisniveau von Erdöl und Raffinerieprodukten insbesondere in Europa stark hochgetrieben.

Der Iran ist damit nur einer Androhung der Europäischen Union zuvorgekommen, die auf Drängen der amerikanischen Politik zur Kooperation beim Boykott des iranischen Öls reagierte.

Worum geht es den Amerikanern? Um Demokratie? Nein! Die saudischen Verbündeten sind auch nicht demokratisch und trotzdem die wichtigsten Verbündeten. Um die Verhinderung einer iranischen Atombombe?

Warum soll der Iran keine haben und Israel schon? Weil der Iran dann unangreifbar und damit souverän wäre? Schon eher.

Und was stört die USA an unabhängigen Staaten im Nahen Osten?

Ganz einfach: Das gegenwärtige Petrodollarsystem lebt davon, dass die Ölförderstaaten ihre Waren in US-Dollar kaufen und die Erlöse auf Dollarkonten in den USA parken. Zudem müssen auch Staaten, die Öl kaufen wollen, Devisenreserven in US-Dollar vorhalten.

Künstliche Nachfrage nach Dollar durch Ölhandel

Diese künstliche Nachfrage nach Dollars gereichte den USA in der Vergangenheit zum Vorteil und würde beim Wegfall zu hoher Inflation in den USA führen. Wenn Staaten wie der Irak unter Saddam Hussein, Syrien, der Iran, Russland, China und Indien von die Praxis abweichen, wird das in Washington nicht gerne gesehen.

Nun mal ein lustiges erfundenes Beispiel, um den Sachverhalt zu erklären: Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Monopol auf Walnüsse.

Alle Bäume gehören Ihnen. Und nun schaffen Sie es, alle Erdölproduzenten der Welt davon zu überzeugen, Erdöl nur gegen Zahlung mit Walnüssen zu verkaufen und die Nüsse für eine bestimmte Zeit zu horten.

Alle Ölkäufer müssten sich einen fetten Vorrat an Nüssen zulegen und die Verkäufer würden ebenfalls einen Hort anlegen.

Der Preis für ihre Walnüsse würde abheben. Ihre Gewinne auch.

Genau in diese Situation haben die USA den US-Dollar gebracht. Wie kam es dazu? Auf der Konferenz von Bretton Woods 1944 wurde ein Weltwährungssystem ausgehandelt, das alle anderen Währungen zu einem festen Kurs an den Dollar band.

Dieser wurde wiederum mit 35 Dollar an eine Unze Gold gekoppelt.

Durch die Finanzierung von Kriegen und sozialen Wohlfahrtsprogrammen über Kredite geriet die amerikanische Handelsbilanz in den roten Bereich.

Dadurch bauten sich gigantische Forderungen des Auslands in Gold auf.

Waffen und Sicherheit gegen Öl

Im Jahr 1971 kündigte Präsident Nixon die Goldeinlöseverpflichtung des Dollar gegenüber anderen Notenbanken auf. Damit war das Fixwährungssystem am Ende. Um die bisherige hohe Nachfrage nach US-Dollarreserven aufrechtzuerhalten, hatten sich die Strategen in den USA etwas ausgedacht:

Sie boten dem saudischen Königshaus Waffen und militärischen Schutz selbst gegen Israel an. Im Gegenzug musste dieses sich verpflichten, sein Öl nur gegen Dollar zu verkaufen und diese auf Dollarkonten anzulegen (Petrodollars).

Für die Saudis schien dies ein guter Deal zu sein und so schlossen sich bis 1975 alle Ölstaaten dem Pakt an.

Die Nachfrage nach dem US-Dollar und US-Staatsanleihen blieb hoch und konnte sogar stark erhöht werden.

Seither haben die USA alles unternommen, den US-Dollar als Reservewährung und seine „Petrodollareigenschaft“ zu erhalten.

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Von: Cosmin Filker. Über den Autor

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