ETFs sind zur Absicherung eines Depots nicht geeignet!!!

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Short-ETFs bieten keine wirkliche Sicherheit im Crashfall, das zeigt unser Börsenexperte Rainer Heißmann. (Foto: zhaoliang70 / Shutterstock.com)

Vorsicht, wenn Sie ETFs im Depot haben, die bei fallenden Kursen zulegen, und Sie damit Ihr Depot absichern (wollen). Das kann fürchterlich daneben gehen.

Mit ETFs, die bei fallenden Märkten zulegen (so genannte Short-ETFs), können Sie traden. Wenn Sie aber mit solchen ETFs auf eine Absicherung für den Crash-Fall setzen, kann das fatale Folgen haben. Denn es kann sein, dass die Absicherung nicht funktioniert.

Das sind ETFs:

ETF ist die Abkürzung von Exchange Traded Fonds. Ein Exchange Traded Fonds (deutsch: börsengehandelter Fonds) ist also ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird. Ein Index-ETF bildet dann einen Index ab z.B. den DAX. Ein Index-ETF auf den DAX legt zu, wenn der DAX steigt

ETFs: scheinbar sicher, einfach und transparent

Viele Anleger wollen ein Produkt, das einfach zu verstehen ist. Sie wählen ETFS und glauben zu wisse, was sie gekauft haben.

Da gibt es z.B. die weit verbreitete Meinung, ein ETF bilde einen Index nach, indem der Fonds die Aktien des Indexes anteilig nach ihrer Gewichtung im Index kauft.

Das hieße, in einem ETF auf den DAX wären alle 30 Aktien, die im DAX notieren, anteilig nach ihrer Gewichtung, enthalten. Entsprechend gälte das für ETFs auf den TecDAX, EuroStoxx, M-DAX etc.

Vorsicht: Ich rate nicht grundsätzlich vom Kauf von ETFs ab, aber: Drin ist nicht immer, was drauf steht beziehungsweise der Anleger glaubt, dass er etwas kauft, das er gar nicht bekommt.

ETFs mit Ausfallrisiko

Der entscheidende Kritikpunkt, den ich nenne, ist die teilweise synthetische Nachbildung von Indizes.

Dabei kauft der Emittent des ETF nicht die Aktien eines Indexes oder einer Branche, auf die der ETF läuft, sondern er versucht, dieses Basisinstrument mit Derivaten (z.B. Optionsscheinen und/oder Zertifikaten) nachzubilden.

Die Konstruktion mit Optionsscheinen und/oder Zertifikaten ist bei Short-ETFs der Fall (es ginge auch mit Optionen, das ist aber unüblich). Short-ETFs setzen auf fallende Märkte.

Das unkalkulierbare Risiko: Keine wirkliche Sicherheit im Depot

Sobald aber Optionsscheine und/oder Zertifikate in einem ETF sind, geht die Sicherheit des ETF verloren, denn: Für die in diese Derivate investierten Gelder existiert das Risiko der Insolvenz des Emittenten.

Ist der Emittent dieser im ETF enthaltenen Papiere insolvent, ist das in diese Papiere investierte Geld weg. Das kann beispielsweise zu diesem fatalen Ergebnis führen:

Sie setzen auf fallende Kurse eines Indexes. Damit wollen Sie Ihr Depot absichern. Der Index fällt, wie von Ihnen erwartet. Der ETF legt zu. Und dann hat der Exchange Traded Fonds (ETF) plötzlich Ausfälle durch Insolvenz eines Emittenten zu verbuchen.

Das kann sich z.B. durch einen Crash ergeben. Der Wert des Fonds fällt, obwohl er eigentlich auf fallende Indizes investiert ist. Die Absicherung funktioniert nicht mehr.

Gerade wenn es zum Crash käme (ich sehe den derzeit nicht), wackeln Banken, also Emittenten von Optionsschein und Zertifikaten. Genau dann, wenn es am Wichtigsten ist und die Short-ETFs Sicherheit bieten sollen, ist diese am unsichersten.

Auf dieses Risiko weist der Emittent des ETF im Kleingedruckten hin. Sie haben also gegebenenfalls auch keine Aussicht auf Schadensersatz. Deshalb meine Warnung:

ETFs sind zur Absicherung eines Depots nicht geeignet!

Zwei sichere Investitionen: Aktien und Optionen

Die Börse kann einfach sein. Statt ETFs können Sie Aktien kaufen. Und wollen Sie es gehebelt, nehmen Sie Optionen. Da können Sie auf steigende Kurse setzen (Call-Optionen) und auf fallende (Put-Optionen).

Optionen haben keinen Emittenten. Folglich können Sie mit Put-Optionen Ihre Investitionen wirklich sicher absichern.

Zum guten Schluss: Heute vor 251 Jahren, also am 02.09.1763, kam die deutsche Schriftstellerin Caroline Schelling zur Welt. Sie schrieb:

„Bei dem Sprechen kommt alleweil meistens so wenig Geist zum Vorschein, daß man sich an das Geschriebene halten muß.“

Hier spreche ich nicht, sondern schreibe. Ich habe damit nicht automatisch Geist, bemühe mich aber, dass Sie diesen hier finden. Mit der Hoffnung, dass es gelingt, sende ich Ihnen beste Grüße

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

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Rainer Heißmann
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen. Mit Heißmanns Börsenkommentar bringt er wochentäglich die Börse auf den Punkt. Seine Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie jedem verständlich und nachvollziehbar werden.

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