Aktivist Cevian steigt überraschend bei britischem Versicherer Aviva ein

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Schwedischer Finanzinvestor Cevian nimmt britischen Großversicherer Aviva ins Visier: Cevian sammelt 5% aller Aktien ein und drängt auf zusätzliche Wertsteigerungsmaßnahmen (Foto: chrisdorney / shutterstock.com)

Die Papiere des britischen Versicherungskonzerns Aviva zeigten sich zuletzt ausgesprochen fest. Seit dem Jahreswechsel kletterte die Aktie um 27% in die Höhe. Auf Fünfjahressicht notieren die Aktie aber mehr oder wenige nur um die Nulllinie herum.

Geht es nach dem Aktionärsaktivist Cevian Capital, dann könnte sich aber die künftige Entwicklung deutlich positiver gestalten. Der schwedische Finanzinvestor Cevian verwaltet derzeit mehr als 16 Milliarden Dollar und hat bei Aviva gerade 5% aller ausstehenden Aktien eingesammelt und dürfte nun auf Veränderungen drängen.

Aviva im Portrait

Auch wenn Aviva hierzulande nicht jedem Anleger ein Begriff ist, eine kleine Nummer ist der Konzern keineswegs. Aviva ist die fünftgrößte Versicherungsgesellschaft der Welt nach AXA, Allianz SE, ING Groep und Fortis. Sie hat 33,4 Mio. Kunden (Stand 2020). Im Vereinigten Königreich ist Aviva der größte Schadenversicherer und einer der führenden Lebens- und Rentenversicherungsanbieter. Darüber hinaus ist Aviva der zweitgrößte Schadenversicherer in Kanada. Das Unternehmen beschäftigte zum Ende des letzten Geschäftsjahres über 28.000 Mitarbeiter.

Der Umsatz des Unternehmens betrug zum Ende des letzten Geschäftsjahres 46,33 Milliarden Pfund mit einem Gewinn von 2,77 Milliarden Pfund.

Cevian sichert sich 5% aller Aktien

Nun dürfte es für den Aviva-Chef Amanda Blanc ungemütlich werden: Der Aktionärsaktivist Cevian Capital hat 5% aller Aktien aufgekauft und ist damit zum zweitgrößten Aktionär des britischen Versicherers aufgestiegen. Für einige Marktbeobachter kam der Schritt überraschend.

War Aviva vor einigen Jahren noch Tatenlosigkeit vorzuwerfen, geht die Firmenchefin Amanda Blanc seit ihrem Amtsantritt im Sommer letzten Jahres in die Vollen. Aviva hatte den Rückzug aus vielen Märkten eingeleitet und angekündigt, den Erlös zum Schuldenabbau und für Ausschüttungen an die Anteilseigner zu nutzen. Seit Blanc das Ruder bei Aviva übernommen hat, hat der Versicherer acht Geschäftsbereiche in Frankreich, Italien, Asien und anderswo verkauft, um sich auf seine Hauptmärkte Großbritannien, Irland und Kanada zu konzentrieren.

Die Verkäufe dürften insgesamt 7,5 Milliarden Pfund einbringen. Als Konsequenz plant Aviva, Geld an die Aktionäre zurückzugeben, ohne zu spezifizieren, wie viel. Analysten schätzen, dass der Versicherer nach Abschluss der Verkäufe über einen Kapitalüberschuss von 3,7 bis 6,6 Milliarden Pfund verfügen wird.

Aktivist drängt auf höhere Ausschüttung und Wertsteigerungsmaßnahmen

Christer Gardell, Mitgründer von Cevian, machte nach dem Einstieg auch gleich klar, wo künftig die Reise hingehen wird: Binnen drei Jahren soll die Gesellschaft mehr als 8 Pfund je Aktie wert sein (aktueller Kurs: 4,13 Pfund) und sich die Dividende auf 45 Pence je Aktie mehr als verdoppeln. Am Markt wurde bereits über einen 5 Milliarden Pfund schweren Aktienrückkauf spekuliert. Zudem sieht Gardell deutlichen Spielraum für Kostensenkungen, den er auf mindestens 500 Millionen Pfund bis 2023 taxiert.

Fokus auf Kernmärkte

Unterdessen hatte Aviva bereits bekanntgegeben, bis 2022 in Summe 300 Millionen Pfund an Einsparungen umzusetzen. Darüber hinaus steht der Fokus auf die Kernmärkte Großbritannien, Irland und Kanada im Mittelpunkt der strategischen Neuausrichtung. Untätigkeit kann man Firmenchefin Blanc somit keineswegs vorwerfen. Dennoch wird auch sie sich jetzt mit dem neuen Anteilseigner zusammensetzen und weitere Initiativen zur Wertsteigerung ausloten müssen.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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