Vinci: Französischer Baukonzern schaltet in den Expansionsmodus

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Der französischer Baukonzern Vinci wechselt auf die Überholspur und legt 4,9 Milliarden Euro-Gebot für das Energiegeschäft des spanischen Rivalen ACS auf den Tisch. (Foto: Dwight Smith - Fotolia)

Der französische Mischkonzern Vinci wechselt auf die Überholspur: Nachdem das Unternehmen bereits im Oktober letzten Jahres eine unverbindliche Offerte für das Energiegeschäft des spanischen Rivalen ACS gemacht hatte, wird es jetzt konkret. Für rund 4,9 Milliarden Euro wollen sich die Franzosen einen zusätzlichen Umsatz von rund 6 Milliarden Euro n die Firma holen.

Wer hinter Vinci steckt

Wahrscheinlich ist Vinci hierzulande nicht jedem bekannt, eine kleine Nummer ist der Konzern aber beileibe nicht. Immerhin ist Vinci ist einer der weltweit größten Baukonzerne. Die Tätigkeiten umfassen Konzessionen und Baudienstleistungen. In Frankreich ist das Unternehmen Mautbetreiber und hat dort mehr als die Hälfte aller Autobahnkonzessionen inne.

Zudem entwickelt und betreibt Vinci ein eigenes Portfolio in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur und öffentliche Einrichtungen in rund 20 Ländern, wozu Flughäfen, Straßen und Schienenwege, Parkhäuser und Stadien gehören. Darüber hinaus werden jegliche Art von Baudienstleistungen im Hoch- und Tiefbau, Verkehrswegebau und kommunaler Gestaltungsmaßnahmen sowie der Installation von Energie-, Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur angeboten.

Knapp 5 Milliarden Euro für ACS-Geschäfte

Jetzt will sich Vinci verstärken und legt rund 4,9 Mrd. Euro für das Energiegeschäft des spanischen Wettbewerbers ACS auf den Tisch. Der Übernahmepreis soll in bar gezahlt werden. Dabei basiert die Rechnung auf der Annahme, dass das Objekt der Begierde eine Nettoliquidität von ungefähr 0,7 Milliarden Euro aufweist. Zusätzlich dazu will Vinci im Laufe der Zeit gestaffelt bis zu 600 Millionen Euro zahlen, sofern bestimmte Meilensteine erreicht werden.

Geschäfte ergänzen sich gut

Die Übernahme umfasst alle Aktivitäten der Sparte. Darunter fallen Ingenieuraktivitäten, Beteiligungen an acht Konzessionen vor allem im Bereich von Netzwerken für elektrische Energieübertragung sowie eine Plattform für die Entwicklung neuer Projekte bei erneuerbaren Energien. Die Sparte, die der Eigentümer des Flughafens London Gatwick nun übernehmen will, beschäftigt 45.000 Mitarbeiter in 52 Ländern. Zuletzt wurde ein Großteil des Geschäfts in Spanien und Lateinamerika erwirtschaftet.

Laut Vinci ergänzen sich die Aktivitäten sowohl von den Tätigkeitsfeldern als auch von der geografischen Positionierung gut mit dem eigenen Geschäft. Zudem erwartet Vinci-Chef Xavier Huilliard spürbare Synergien und eine deutlich bessere Position, um auf dem Markt für erneuerbare Energien zu wachsen.

Pandemie-bedingt rückläufige Umsätze

Im zurückliegenden Geschäftsjahr verzeichnete die Sparte allerdings deutliche Bremsspuren durch die Corona-Pandemie, weil viele Projekte vorerst gestoppt wurden. Unter dem Strich schrumpfte der Jahresumsatz auf 5,85 Milliarden Euro zusammen. Das entspricht einem Rückgang um 10,4%, spiegelt sich aber auch in der Übernahmeofferte wider. Im Oktober letzten Jahres stand noch ein Übernahmepreis von 5,2 Milliarden Euro im Raum.

50 Milliarden Euro Umsatz im Visier

Mit der Übernahme legt Vinci eine ordentliche Schippe drauf und positioniert sich für die zu erwartende Markterholung. In 2020 gingen bei den Franzosen Umsätze von 44,18 Milliarden Euro durch die Bücher. Damit sackten auch bei Vinci die Erlöse ähnlich stark wie bei ACS um 9,8% in den Keller. Der Gewinn schrumpfte sogar um 61% auf 1,2 Milliarden Euro zusammen. Mit dem prognostizierten Wirtschaftsaufschwung sollte die magische 50 Milliarden Euro-Marke beim Umsatz aber schnell geknackt werden. Sofern die Behörden ihren Segen geben, soll der Deal noch bis Ende des Jahres übe die Bühne gehen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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