Glücksspielmarkt: Aristocrat Leisure schluckt Playtech für 2,1 Mrd. Pfund

Münzen Kurse Kaufen Verkaufen – SergeyP – shutterstock_136259339

Auf dem Glücksspielmarkt steht der nächste Mega-Deal an: Der australische Glücksspielriese Aristocrat Leisure bietet für den britischen Glücksspielentwickler Playtech stolze 2,5 Mrd. Euro. (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Wenn Aktien an einem Tag um mehr als 50% zulegen, steckt hinter diesem Hype häufig eine Übernahme. So war es auch bei der Playtech-Aktie, die an der Londoner Börse am Montag um fast 60% zulegen konnte und mit 678,50 Pence aus dem Handel ging.

Grund für diesen Kurssprung, war eine am Sonntag veröffentlichte Pressemitteilung, in der der Vorstand des britischen Glücksspiel-Software-Entwicklers Playtech plc. bekannt gab, dass er sich mit dem australischen Glücksspielgiganten Aristocrat Leisure Limited auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt hat.

Aristocrat bietet 680 britische Pence je Playtech-Aktie

Der Playtech-Vorstand empfiehlt seinen Aktionären, dass Angebot anzunehmen. Und das kann sich wirklich sehen lassen. Die Australier bieten für jede Playtech-Aktie stolze 680 Pence in bar.

Das Angebot beinhaltet somit einen Übernahmeaufschlag von stolzen 58,4% gegenüber dem Schlusskurs von 429,20 Pence am 15.10.2001, dem letzten Tag vor Bekanntgabe der Übernahme. Im Vergleich zum volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten 3 Monate liegt die Übernahmeprämie sogar bei sehr guten 66%.

Das Übernahmeangebot bewertet den Börsenwert des britischen Spieleentwicklers mit 2,1 Mrd. Britischen Pfund (GBP – entspricht etwa 2,5 Mrd. Euro) und einem Unternehmenswert von 2,7 Mrd. GBP (etwa 3,2 Mrd. Euro).

Die beteiligten Unternehmen im Kurzporträt

Der Glücksspiel-Programmierer Playtech plc. hat seinen Hauptsitz auf der in der Irischen See gelegenen Isle of Man. Die Isle of Man ist für ihre großzügige Vergabe von Glücksspiellizenzen und ihren für Unternehmen attraktiven Steuersätzen bekannt.

Playtech wurde bereits 1999 im estländischen Tartu gegründet und hat danach einen rasanten Wachstumsprozess hingelegt. Neben dem operativen Wachstum expandierte Playtech auch durch diverse Übernahmen. So wurde z.B. in 2015 der schottische Spieleentwickler YoYo Games für 10 Mio. GBP und 2016 Anteile des in Wien ansässigen Sportwetten-Programmierers Best Gaming Technology erworben.

Der Spieleentwickler hat mittlerweile in 24 Ländern Niederlassungen und hat weltweit 170 Lizenzen für seine Spielesoftware vergeben. Im vergangenen Jahr haben die 6.400 Playtech-Mitarbeiter einen Umsatz von 1,08 Mrd. Euro erwirtschaftet. Der bereinigte Erlös vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei 310 Mio. Euro.

Die in Sydney/Australien ansässige Aristocrat Leisure Limited ist ein weltweit führendes Unternehmen für Glücksspielinhalte und -technologien. Das Unternehmen bietet eine breite Palette von Produkten und Dienstleistungen an, darunter Glücksspielautomaten, Casino-Management-Systeme und kostenlose mobile Spiele.

Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die mehr als 6.500 Aristocrat-Mitarbeiter einen Umsatz in Höhe von 1,78 Mrd. Australischen Dollar (AUD – etwa 1,14 Mrd. Euro) an über 20 Standorten auf der ganzen Welt. Die Glücksspielprodukte von Aristocrat sind in mehr als 80 Ländern erhältlich.

Aristocrat ist an der Australischen Börse (ASX) notiert und hat eine Marktkapitalisierung von ca. 29,2 Mrd. AUD (ca. 18,7 Mrd. Euro). Damit gehört Aristocrat zu den 20 größten der an der ASX notierten Unternehmen.

Wie es weitergeht

Wie bei Übernahmen üblich, hat sich Aristocrat bereits im Vorfeld die Verkaufszusagen mehrerer Großaktionäre von Playtech eingeholt. Auf der noch einzuberufenden Playtech-Hauptversammlung müssen allerdings noch weitere Aktionäre der Übernahme zustimmen. Die Annahmeschwelle wurde auf 75% des ausgegebenen Aktienkapitals festgelegt.

Wird die Annahmeschwelle erreicht, muss auch noch das zuständige britische Gericht und die Finanzaufsichtsbehörden der Übernahme zustimmen. Es wird damit gerechnet, dass die Transaktion im zweiten Quartal 2022 abgeschlossen werden kann.

Übernahme Symbolbild Puzzlestücke_shutterstock_701748778_NicoEINino

Bill.com weiter auf Einkaufstour: Nach milliardenschwerem Divvy-Kauf folgt mit Invoice2go der nächste große CoupZahlungsspezialist Bill.com übernimmt Invoice2go für 625 Millionen Dollar und stellt Produktpalette auf breitere Basis. US-Konzern nutzt Aktienkursrally für weitere Zukäufe › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz