Onlinehändler ASOS übernimmt Teile der insolventen Arcadia-Gruppe

Beautiful  United Kingdom waving flag and behind the famous Big Ben.

Der führende britische Online-Modehändler ASOS setzt weiter auf Expansion. Gestern gaben die Londoner bekannt, dass sie 4 Marken der insolventen Arcadia-Gruppe übernommen haben. (Foto: Alexander Sánchez / Adobe Stock)

Auch heute kann ich Ihnen wieder über eine aktuelle Übernahme aus dem Vereinigten Königreich berichten: Der britische Online-Modehändler ASOS plc. (public limited company – britische Rechtsform zumeist börsennotierter Aktiengesellschaften) hat gestern Gerüchte bestätigt, dass er mehrere Modelabels der insolventen Einzelhandelskette Arcadia Group übernommen hat. Die über 70 stationären Arcadia-Einzelhandelsfilialen sind nicht Bestandteil des Deals.

Bei den übernommen Marken handelt es sich laut ASOS um die „Kultmarken Topshop, Topman, Miss Selfridge und HIIT“. Diese Labels seien sowohl in Großbritannien aber auch in den USA und in Deutschland etabliert und ergänzen das bestehende ASOS-Angebotsportfolio, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

Cash-Deal über 265 Mio. britische Pfund (GBP)

Für die 4 Kultmarken wird ASOS 265 Mio. GBP (gut 300 Mio. Euro) an den Insolvenzverwalter der Arcadia-Gruppe überweisen. Zusätzlich übernimmt der Online-Händler bestehende Lagerbestände im Wert von 30 Mio. GBP (gut 34 Mio. Euro). Der Deal soll vollständig aus Barreserven finanziert werden.

Die in London ansässige ASOS ist ein stark wachsender Online-Modehändler und ist in nur 20 Jahren zum führenden Versandhändler Großbritanniens aufgestiegen. Die Firmenbezeichnung ASOS ist eine Abkürzung bzw. Akronym für AsSeenOnScreen (in Deutsch: wie auf dem Bildschirm gesehen).

ASOS ist ein weltweit aktiver…

ASOS bietet Mode- und Beauty-Artikel für junge Leute via Handy-App und Online-Shop an. Die Teens können dabei aus 85.000 Produkten auswählen. Das Angebotsportfolio umfasst sowohl Drittanbieter-Marken sowie die hauseigenen Modelabels ASOS DESIGN, ASOS EDITION, ASOS 4505, COLLUSION und ASYOU.

Aktuell betreibt der Konzern 3 Logistik- bzw. Fulfillment-Center, darunter auch eins in Großbeeren bei Berlin und eins im US-amerikanischen Atlanta/Georgia. Ein viertes Center wird gerade im englischen Lichfield gebaut.

… und stark expandierender Konzern

Ende August 2020 hatte der Londoner Modehändler 23,4 Mio. aktive Kunden, gut 15% mehr als im Vorjahr. Unter diesen Kunden waren gut 7 Mio. Briten und 16,3 Mio. Käufer aus anderen Ländern.

Im vergangenen Geschäftsjahr konnte ASOS trotz Corona einen Ertrag vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 151,1 Mio. GBP erwirtschaften und seinen Gewinn somit um mehr als 30% im Vergleich zum Vorjahr steigern.

ASOS konnte das vergangene Geschäftsjahr mit einer Netto-Cash-Position (liquide Mittel) von 407,5 Mio. GBP abschließen, aus der jetzt die von der insolventen Arcadia-Gruppe übernommenen 4 Modemarken ohne Probleme finanziert werden können.

Der Kurs der ASOS-Aktie konnte am gestrigen Montag fast 7% zulegen und ging mit 47,84 GBP aus dem Handel. Offensichtlich begrüßen die Investoren den Zukauf der 4 Arcadia-Marken.

Wie es weitergeht

Der Londoner Online-Modehändler will die übernommenen Marken möglichst schnell in das eigene Geschäftsmodell integrieren. Hierzu soll die bestehende Lager- und Technologie-Infrastruktur genutzt werden. Als Teil des Integrationsprozesses soll auch eine gründliche Überprüfung der Lieferkette vorgenommen werden.

Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass aus den übernommenen Labels, die im Zeitraum September 2019 bis August 2020 noch Verluste von 2,2 Mio. GBP (etwa 2,5 Mio. Euro) eingefahren haben, wieder gewinnbringende Marken werden.

Unter dem Strich rechnet ASOS damit, dass die Akquisition im ersten vollen Geschäftsjahr nach Steuern eine zweistellige Kapitalrendite liefern wird. Zusätzlich teilten die Londoner mit, dass der Konzern etwa 300 ehemalige Arcadia-Mitarbeiter in den Bereichen Design, Einkauf und Einzelhandelspartnerschaften übernehmen wird.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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