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Fiat wrackt Dividende ab

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Für Aktionäre von Fiat fällt die Dividende dieses Jahr ins Wasser. Der Konzern will freie Mittel künftig dafür nutzen, weitere Anteile am US-Partner Chrysler zu verkaufen.

Wir erinnern uns: Während der Finanzkrise geriet Chrysler in Liquiditätsnöte. Der damalige Eigentümer, der Finanzinvestor Cerberus, fädelte nach einem radikalen Schnitt beim US-Autobauer, der einer Insolvenz glich, schnell eine Allianz mit Fiat ein.

Chrysler startet nach Konzern-Umbau durch

Anfangs war die Skepsis groß: Wie soll der strauchelnde Fiat-Konzern gemeinsam mit der gescheiterten Marke Chrysler eine Erfolgsgeschichte schreiben? Schließlich war Chrysler schon für Daimler ein Milliardengrab.

Doch die Eheschließung aus der Not trug schnell Früchte: Vor allem in den USA punktete Chrysler und startete neu ausgerichtet und befreit von Altlasten mit neuen Modellen durch. Heute gilt Chrysler als Lichtblick im Fiat-Konzern.

Offenbar hat die positive Entwicklung der vergangenen Jahre aber auch Schattenseiten: Bei Fiat selbst läuft es nach wie vor eher durchwachsen. Fiat-Chef Sergio Marchionne erwartet in Europa frühestens 2015 wieder Gewinne.

Es ist ausschließlich Chrysler, das für den Nettogewinn von 1,4 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr verantwortlich ist. Die Kernmarke Fiat bleibt mehr oder weniger ein Sanierungsfall.

Fiat selbst bleibt ein Problemfall

Doch einschneidende Reformen sind außerhalb von Krisen oder gar einer Insolvenz schwierig: Gewerkschaften beharren auf Rechte, die Politik mischt sich ein und selbst in Vorstandsetagen gibt es unterschiedliche Vorstellungen über die weitere Strategie.

Das war 2008 bei Chrysler anders. Im Zugzwang durch das bevorstehende Ende der Weltmarke Chrysler konnte das Unternehmen radikal reformiert werden – ein Erfolg der sich bis heute auszahlt.

Fiat nichts für Dividenden-Anleger

Schade ist nur, dass man bei Fiat offenbar die falschen Lehren aus der Reform Chryslers zieht. Statt auch bei m Europa-Geschäft Strukturen zu optimieren und Prozesse auf den Prüfstand zu stellen, investiert man das freie Kapital lieber weiter bei Chrysler.

Das ist zwar einerseits nachvollziehbar und mit Sicherheit auch ein lohnender Schritt, doch löst der Kauf weiterer Chrysler-Anteile die fundamentalen Probleme Fiats nicht.

Die langsamen Reformen sollen zwar bis 2015 von Erfolg gekrönt sein – eine radikale Wende wie bei Chrysler ist bei Fiat in Europa aber dennoch nicht zu erwarten.

Und so bleibt Fiat trotz guter Zahlen für Dividenden-Anleger ein heikler Wert. Zwar könnte es gut sein, dass das Unternehmen ab 2015 wieder Gewinne an Aktionäre ausschüttet, doch bleibt die Entwicklung des Europa-Geschäfts undurchsichtig.