Die Schweizer Wirtschaft rüstet sich zur Aufholjagd

China Mauer – shutterstock_439146580 aphotostory

Die Schweizer Wirtschaft ist nach dem Krisenjahr 2020 wieder auf dem Vormarsch. In diesem Jahr soll die Wirtschaftsleistung wieder steigen. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Nach dem von der Corona-Pandemie geprägten Krisenjahr 2020 hellt sich die wirtschaftliche Lage in der Schweiz zunehmend auf.

Die Expertengruppe des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO bestätigte zuletzt ihre bisherige positive Einschätzung zur Konjunkturlage. Demnach dürfte die Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2021 zwar gesunken sein. Ein Einbruch in ähnlicher Dimension wie im vergangenen Frühjahr zeichnet sich allerdings nicht ab. Zudem werde die Lockerung der Corona- Maßnahmen voraussichtlich zu einer zügigen Erholung führen. Die Selbstheilungskräfte der Schweizer Wirtschaft blitzten bereits letztes Jahr eindrucksvoll auf. So konnte im Sommer 2020 bereits ein großer Teil des coronabedingten Einbruchs vom 1. Halbjahr wettgemacht werden.

Nach Angaben der SECO stieg das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 3. Quartal 2020 um beachtliche 7,2%, nachdem es im 1. Quartal um 1,7% und im 2. Quartal um 7,0% gesunken war. Im 2. Halbjahr 2021 könnte der Wirtschaft ein vergleichbarer Aufschwung blühen.

2021 über Vorkrisenniveau erwartet

Die mit den Lockerungen der pandemiebedingten Eindämmungsmaßnahmen wieder zur Verfügung stehenden Konsummöglichkeiten werden die Umsätze in den konsumgetriebenen Branchen wieder ansteigen lassen. Zudem geht die Expertengruppe SECO davon aus, dass sich die anziehende Weltnachfrage positiv auf die Exportwirtschaft auswirken wird. So soll die Wirtschaftsleistung in der Schweiz in diesem Jahr trotz der Anlaufschwierigkeiten um 3,0% steigen. Lediglich die Leistung von Sport-Events sind von dieser Berechnung ausgeklammert. Damit soll das Vorkrisenniveau bereits Ende dieses Jahres wieder überschritten werden. Parallel dazu soll die Arbeitslosigkeit sukzessive zurückgehen und im Jahresdurchschnitt nur 3,3% betragen.

Fortsetzung des Wachstumstrends 2022

Sollten die geplanten weiteren Lockerungen wie vorgesehen erfolgen und keine Verschärfung der Eindämmungsmaßnahmen mehr nötig sein, wird sich die Erholung auf weitere Wirtschaftsbereiche wie z.B. die zuletzt gebeutelte Tourismusbranche erstrecken. Für 2022 wird daher ein weiteres Wirtschaftswachstum von 3,3% erwartet. Den größten Unsicherheitsfaktor bildet der Verlauf der Corona-Pandemie. Sollte es erneut zu einschneidenden Eindämmungsmaßnahmen kommen, würde sich die Erholung spürbar verzögern.

Mit Blick auf eine mögliche Verbreitung von Mutanten könnte sich dies auch bis 2022 negativ in der Wirtschaftsentwicklung widerspiegeln. Auf der anderen Seite könnte sich der Pandemieverlauf international auch günstiger entwickeln als erwartet. Mit raschen Fortschritten bei den Impfprogrammen würde die Erholung noch deutlich kräftiger als in den Prognosen ausfallen.

Wachstum auch unter ungünstigen Bedingungen

Die weiterhin bestehende Unsicherheit in Bezug auf die Pandemieentwicklung hat die Konjunkturforschungsstelle der Hochschule ETH in Zürich (KOF) in einem Szenario-Modell berücksichtigt. Auch in dem pessimistischsten von drei Szenarien, das von wiederkehrenden drastischen Schutzmaßnahmen ausgeht, geht die KOF von einem BIP-Anstieg von 0,6% für 2021 und 2,8% für 2022 aus. Ein Grund für den Optimismus ist, dass aufgeschobene Konsumausgaben und Investitionen nachgeholt werden dürften, während im Zuge der weltwirtschaftlichen Erholung insbesondere die Warenexporte spürbar anziehen dürften.

Die Investitionstätigkeit von Seiten der Unternehmen dürfte sich dagegen etwas langsamer erholen. Die jüngsten Wirtschaftsdaten geben Anlass zur Hoffnung, dass es am Ende deutlich besser kommen könnte als im pessimistischsten Szenario der KOF. So meldete die SECO in ihrem jüngsten Bericht zur wirtschaftlichen Aktivität in der Schweiz, dass sich die Wirtschaftsaktivität des Landes seit Anfang März kräftig erholt und zwischenzeitlich bereits das Vorkrisenniveau überschritten hat.

Der Wirtschaftsaufschwung in China gibt der Schweiz Rückenwind

Wir gehen von einem starken Rückenwind für die wirtschaftliche Erholung der Schweiz vom asiatischen Wirtschaftsgeschehen aus. Die Volkswirtschaft China meldete für das 1. Quartal 2021 einen beachtlichen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 18,3%. Dies war der größte Sprung seit Beginn der quartalsweisen Auswertung vor knapp 30 Jahren. Der ungewöhnlich starke Zuwachs relativiert sich zwar ein wenig mit Blick auf das von der Corona-Pandemie geprägte schwache Vorjahresquartal. Ein vonseiten der Regierung erwartetes Wirtschaftswachstum von mehr als 6% im Gesamtjahr 2021 deutet jedoch klar darauf hin, dass China weiter auf Wachstumskurs bleibt. Der Internationale Währungsfonds sagt sogar ein Wirtschaftswachstum von 8,1% für das Reich der Mitte voraus.

Exportorientierte Unternehmen haben die Nase vorn

Mit Blick auf den wirtschaftlichen Aufschwung in China, das die Erholung der Weltwirtschaft klar anführt, und die umfangreichen wirtschaftlichen Stützungsprogramme insbesondere in den USA sehen wir exportgetriebene Branchen und Unternehmen derzeit klar im Vorteil. Mit Blick auf die Exportwirtschaft des Landes ist auch davon auszugehen, dass die Schweizer Nationalbank weiterhin bemüht sein wird, den Aufwertungsdruck des Schweizer Franken einzudämmen. Auf Jahressicht hat sich die Heimatwährung gegenüber dem US-Dollar kaum merklich verteuert. Gemessen am Euro ist der Franken auf Jahressicht sogar gesunken. Vor diesem Hintergrund dürften vor allem für exportorientierte Unternehmen wieder bessere Zeiten anstehen.

Exportorientierte Unternehmen haben die Nase vorn

Zu den exportorientierten Schweizer Unternehmen gehört Belimo, das sich weltweit mit Feldgeräten zur Regelung und Steuerung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen einen Namen gemacht hat.

Zu meinen Favoriten gehört insbesondere der Schraubenhersteller Bossard, der längst einen Großteil des Umsatzes im Ausland generiert. Das Unternehmen meldete jüngst starke Quartalszahlen. Im 1. Quartal 2021 erzielte Bossard ein Umsatzwachstum von 12%. Wachstumstreiber war nicht zuletzt der asiatische Markt mit einem beachtlichen Umsatzanstieg von 34%.

Insider Zahlen Kurse Aktien – shutterstock_1028745172

Diese Lockdown-Aktie bleibt starkViele Menschen haben im ersten Lockdown mit dem Laufen angefangen – und wollen weiter am Ball bleiben. Diese Aktie kann profitieren. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz