Zurich baut Versicherungsgeschäft in den USA aus

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Kurz vor dem Wochenende bestätigte der schweizer Versicherer Zurich Gerüchte um einen Mega-Deal: Zurich übernimmt zusammen mit einem weiteren US-Unternehmen die Schaden- und Unfallversicherungssparte des US-Versicherers MetLife. (Foto: andersphoto / shutterstock.com)

Nachdem am gestrigen Sonntag die Lockdown-Vorschriften deutlich verschärft worden sind, werden viele Teile unserer Wirtschaft schmerzhafte Einbußen hinnehmen müssen. Insbesondere der stationäre Einzelhandel wird hart von diesen Maßnahmen betroffen sein, ist doch das jetzt wegfallende Weihnachtsgeschäft eine wichtige Einnahmequelle der Geschäfte.

Doch einige wenige Branchen profitieren auch von der aktuellen Corona-Pandemie. Hierzu gehören z. B. bestimmte Sparten des Versicherungsgeschäfts. So haben in den letzten Monaten die Schadensfälle in den Bereichen der Kfz- und der Hausratsversicherungen deutlich nachgelassen.

Grund hierfür ist insbesondere die starke Zunahme der im Home-Office arbeitenden Menschen. Dies führte dazu, dass deutlich weniger Verkehrsunfälle passierten. Und auch die Zahl der Wohnungseinbrüche hat, will man denn den Statistikern glauben schenken, in den letzten Monaten deutlich nachgelassen.

Zurich übernimmt Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft von MetLife

Genau in diesen Versicherungssparten findet der Übernahmedeal, über den ich Ihnen heute berichten möchte, statt: Die Zurich Insurance Group AG, eine der weltweit führenden Mehrspartenversicherungen, hat am Freitag bekannt gegeben, dass ihre US-Tochtergesellschaft Farmers Group, Inc. und Farmers Exchanges vereinbart haben, das US-amerikanische Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft der Metropolitan Life Insurance Company (MetLife) für stolze 3,94 Mrd. US-Dollar (USD) zu übernehmen.

Für den Deal zahlt Zurich (bzw. deren Tochter Farmers Group) 2,43 Mrd. USD und die ebenfalls involvierte Farmers Exchanges die restlichen 1,51 Mrd. USD an die in New York ansässige MetLife. Sie müssen wissen: MetLife ist der größte Lebensversicherer in den USA und will sich nach Abschluss der Transaktion auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

Der US-Lebensversicherer ist mit einer Marktkapitalisierung bzw. Börsenwert von 35,1 Mrd. Euro etwas kleiner als der Mitbewerber Zurich, der einen Börsenwert von knapp 50 Mrd. Euro vorweisen kann. Die 1998 von Zurich übernommene Farmers Group ist die drittgrößte Privat- und Haftpflichtversicherungs-Gesellschaft der USA.

Deutlicher Ausbau des US-Versicherungsgeschäftes

Zurich gibt an, den Anteil des Kaufpreises der Farmers Group an der Akquisition zu gleichen Teilen aus internen Mitteln und hybriden Verbindlichkeiten finanzieren zu wollen. Die übernommenen Sparten von MetLife umfassen 2,4 Mio. Versicherungs-Policen, 3,6 Mrd. USD Nettoprämien im Jahr 2019 und 3.500 Mitarbeiter. Durch die Übernahme bauen Zurich bzw. Farmers ihre Marktpositionen in den USA deutlich aus.

Dies betont auch Jeff Dailey, Chief Executive Officer von Farmers Group, Inc.: „Die Übernahme des U.S. Schaden- und Unfallversicherungsgeschäfts von MetLife ist eine einzigartige Gelegenheit, das Wachstum zu beschleunigen und eine bedeutende Präsenz in allen 50 Bundesstaaten zu erzielen.“

„Die zehnjährige exklusive Vertriebsvereinbarung und der damit verbundene Zugang zur branchenführenden Group Benefits Plattform von MetLife ermöglicht zudem den Vertrieb an Arbeitnehmende via deren Arbeitgeber“, so Dailey weiter.

Zurich prognostiziert deutliche Gewinnsteigerung

Der schweizer Versicherer ist von der Lukrativität der Transaktion überzeugt: „Die Akquisition erhöht das Wachstumspotenzial der Farmers Exchanges signifikant und wird den Anteil von Zurichs Gewinn basierend auf den stabilen gebührenbasierten Erträgen weiter steigern”, so Mario Greco, CEO der Zurich Insurance Group.

„Zusammen mit der anhaltenden Erhöhung der Prämiensätze im Firmenkundengeschäft wird diese Akquisition unsere Fähigkeit stärken, die Ziele für 2022 zu erreichen“, so Greco weiter.

Die Transaktion werde voraussichtlich ab dem ersten vollen Jahr nach deren Abschluss zum Gewinn von Zurich beitragen und ab 2023 eine Kapitalrendite von etwa 10% erwirtschaften, so die Schweizer in ihrer Pressemitteilung.

Börsen reagieren zurückhaltend

Die offizielle Bekanntgabe des Mega-Deals am Freitag löste jedoch kein Kursfeuerwerk aus. So gab der Kurs der Zurich-Papiere nach Eröffnung der NASDAQ um 1,3% nach. Auf den ersten Blick schienen die Anleger also nicht von dem Milliarden-Zukauf des schweizer Versicherers überzeugt zu sein.

Dieser Verlust der Zurich-Aktie relativiert sich jedoch etwas, wenn man die Entwicklung des gesamten europäischen Versicherungsmarktes an diesem Tag betrachtet. Hier gingen die Kurse aller Versicherer um 0,8% zurück.

Auch der Kurs der MetLife-Papiere gab am Freitag an der New Yorker Börse deutlich nach, erholte sich im Tagesverlauf jedoch wieder. Insgesamt verlor die MetLife-Aktie am Freitag 0,72%.

Deutlichere Kursreaktionen schon vor 3 Wochen

Allerdings gab es schon im Vorfeld konkrete Gerüchte über eine anstehende Übernahme. So berichtete Reuters bereits am 20.11.2020 von konkreten Verhandlungen zwischen Zurich und MetLife.

Dies führte an der Schweizer Börse SIX zu einem deutlichen Kurssprung der Zurich-Aktie am folgenden Montag. Sie stiegen um stolze 1,9% auf 375 Schweizer Franken (CHF). Die Anleger begrüßten also schon das Gerücht über eine mögliche Übernahme der aktuell sehr lukrativen Versicherungssparten Schaden und Unfall. Der Kurs der MetLife-Papiere blieb an diesem Montag fast unverändert bei 25,26 USD.

Wie bei Übernahmegeschäften üblich, unterliegt der Abschluss der Transaktion noch der Zustimmung der Aufsichtsbehörden. Zurich rechnet mit einem Closing im zweiten Quartal 2021.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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