Feindliche Übernahme von Inmet Mining: Die Uhr tickt

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Seit Ende November buhlt das kanadische Bergbau-Unternehmen First Quantum um den kleineren Konkurrenten Inmet Mining. (Foto: Rio Tinto)

Seit Ende November buhlt das kanadische Bergbau-Unternehmen First Quantum um den kleineren Konkurrenten Inmet Mining.

Das Inmet-Management lehnte gleich 3 vorgelegte Offerten ab, wovon sich der Bieter jedoch nicht irritieren ließ.

Da keine Verhandlungslösung gefunden werden konnte, wandte sich First Quantum direkt an die Aktionäre und nun scheint der Deal zu klappen.

Das aufgestockte feindliche Übernahme-Angebot in Höhe von 72,87 kanadische $ (CAD) je Aktie wird wohl von den meisten Inmet-Aktionären angenommen.

Inmet schaute sich in der Zwischenzeit nach anderen potenziellen Bieter um, doch keiner wollte die First Quantum-Offerte konntern.

Damit droht dem Management eine Blamage. Es wurde mehrfach betont, dass Inmet deutlich mehr wert ist – nur offensichtlich sehen das die anderen Bergbau-Konzerne und wesentliche Aktionäre nicht so.

Insider: Im Hintergrund laufen Verhandlungen zur freundlichen Übernahme

Die Inmet-Manager haben noch eine Chance, mit der sie ihr Gesicht wahren können. Noch könnte es zu einer freundlichen Einigung kommen, wie es bereits der Übernahme-Sensor im Dezember erwartet hat.

Insidern zufolge sind die Managements beider Unternehmen bereits in Verhandlungen getreten, um einen Deal im beidseitigem Interesse hinzubekommen.

Dies würde auch dazu passen, dass die angedrohte „Giftpille“ (eine Übernahme-Abwehr-Strategie) inzwischen zurückgezogen wurde.

Inmet-Management mit dem Rücken zur Wand

Viel mehr als die angebotenen 72,87 CAD je Aktie wird das Management nicht rausholen können.

Kein Bieter der mehr zahlen will und Aktionäre die offiziell angekündigt haben, den Deal zu unterstützen, bringen die Inmet-Manager in eine schlechte Verhandlungsposition.

Hinzu kommt, dass der Inmet Gewinn zuleltzt fiel und die Kupferpreise seit der Offerte rückläufig sind.

Diverse Analysten gehen inzwischen davon aus, dass der Preis in diesem Jahr nicht mehr nennenswert steigen wird.  First Quantum wird daher nicht zu stark aufstocken wollen.

Anglo American und Rio Tinto haben 2012 gezeigt, wozu es führen kann, wenn bei der Preisentwicklung zu optimistisch kalkuliert wird. Die Bergbau-Konzerne mussten mehrere Milliarden bei den Vermögenswerten abschreiben.

Großaktionäre zum Verkauf der Anteile bereit

Anders als die Inmet-Manager beurteilen die Aktionäre den Deal. Inmet-Großaktionär Leucadia National Corp. meldete bereits, dass die First Quantum-Offerte angemessen sei und will die Aktien andienen. Leucadia hält 16 % von Inmet Mining.

Aus First Quantum-Kreisen ist zu hören, dass auch andere wesentliche Aktionäre annehmen wollen.

Für Inmet ist dies ziemlich schlecht, denn die Bereitschaft der Großaktionäre kann noch Unentschlossene ebemfalls zur Annahme bewegen.

Gelingt dann die feindliche Offerte hat das Management versagt und kann sich warm anziehen.

Neben Jobverlust drohen Klagen der Anlegerschaft, da es das Management versäumt hat, über Verhandlungen den maximal möglichen Preis rauszuschlagen.

Inmet-Übernahme als Antwort auf Glenstrata

First Quantum reagiert mit der Inmet-Übernahme auf die Fusion zwischen den Konkurrenten Glencore und Xstrata.

2012 fusionierten Glencore und Xstrata zu einem Riesen im Rohstoffsektor. Das Übernahme-Volumen belief sich auf gigantische 32 Mrd. US $.

Mit dem 5,2 Mrd. CAD schweren Inmet-Deal will First Quantum zu einem der weltweit größten Kupferproduzenten aufsteigen.

Vor allem würde First Quantum dann in den Besitz des lukratriven Cobre Panama-Prokjekt kommen. Das Projekt besitzt eine der größten Kupfervorkommen der Welt.

Größe ist in der Branche enorm wichtig, denn über Größe lassen sich die Kosten sehr gut senken.

Um nicht von dem Oligopol BHP Billiton, Vale, Rio Tinto und „Glenstrata“ zerdrückt zu werden will, suchen mehrere kleinere Unternehmen den Zusammenschluss mit einem Konkurrenten.

Bis Mittwoch fällt die Entscheidung

Die Inmet-Manager haben nur noch 2 Tage Zeit, um ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Am Mittwoch endet die Annahme-Frist der First Quantum-Offerte.

Dann steht fest, ob der Deal feindlich oder freundlich über die Bühne geht. Es gibt auch noch ein gewisses Restrisiko, dass der Deal komplett platzt, doch davon geht der Übernahme-Sensor nicht aus.

An der Börse notiert die Aktie des Übernahme-Kandidaten aktuell zu 66,26 CAD und damit eigentlich 9% unter der ursprünglichen First Quantum-Offerte.

In der Zwischenzeit ist der Aktienkurs des Bieters jedoch deutlich zurückgekommen und es handelt sich um eine „bar + Aktien“-Offerte.

Der Wert des Angebots ist also ebenfalls gefallen. Auf Basis des aktuellen Kurses liegt der Kurs etwa 5% unter der Offerte.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.

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