Gegen diesen Gegner ist die Fed machtlos

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Die US-Notenbank senkt die Zinsen, pumpt massenhaft Geld ins System. Die Realwirtschaft lahmt trotzdem. Denn jemand zieht hier nicht mit. (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Die Wall Street hat sich zuletzt munter Richtung Norden vorgearbeitet, die Stimmung ist überall bestens.

Doch die ganze Hausse hängt am Ballon – die Börse schwebt an einer Blase, die von billigem Zentralbank-Geld aufgepumpt wird.

Hier gilt Vorsicht – denn am Ende des Tages wird der Markt Fakten schaffen.

Vorsicht vor der Fed-Blase

Die Warnsignale sind eindeutig: So haben nach Auswertung von David Rosenberg, Chef-Analyst bei der Investment-Boutique Gluskin&Sheff, 11 von 13 wirtschaftlichen Frühindikatoren die Erwartungen verfehlt. 

Das ganze billige Geld ist also noch nicht in der amerikanischen Realwirtschaft angekommen. Die Flutung des Marktes mit Geld hat keineswegs zum Konjunktur-Boom geführt.

Amerikaner in Angst

Sehr aufschlussreich ist auch die Tatsache, dass die Amerikaner extrem nervös sind, wenn es um ihr tägliches Leben geht. Viel Optimismus ist zurzeit nicht zu spüren, wie die gewaltigen Kaufaufträge für Handfeuerwaffen zeigen.

Gerade hat der Hersteller Sturm, Ruger & Company, Inc. mitgeteilt, dass der Konzern im ersten Quartal 2012 mehr als eine Million Bestellungen erhalten hat. Da die Firma mit der Produktion nicht mehr hinterher kommt, werden bis auf Weiteres keine neuen Aufträge mehr angenommen.

Hier übrigens der sehr interessante Chart des viertgrößten Pistolen-Herstellers der USA – die Bevölkerung stellt sich offenbar auf Unruhen ein.

Konzerne sträuben sich gegen die Fed

Jetzt werden Sie sich fragen: Wo ist nur das ganze Geld geblieben, das seit der Finanzkrise 2009 in den Markt gepumpt wurde? Die Antwort: Bei den Konzernen. Gegen die Angst in den Unternehmen ist die Fed bislang machtlos.

Amerikanische Großunternehmen haben in den vergangenen Jahren den Credit Crunch enorm zu spüren bekommen. Nach dem Kollaps von Lehman Brothers verliehen die Banken nur noch enorm zögerlich Geld.

Nun ist unklar, welches Kreditinstitut Verluste beim Einkauf von europäischen PIGS-Anleihen verbucht hat – und erneut friert der Kreditmarkt ein.

Von der Finanzkrise zur Schuldenkrise

Ergo horten die Unternehmen Unmengen an Geld. In den vergangenen drei Jahren haben Firmen aus dem Nicht-Finanz-Sektor rund 630 Milliarden Dollar angehäuft. Ein Großteil des Geldes ist in US-Staatsanleihen geparkt.

Das Bild in Europa ist ähnlich, wie der anhaltende Höhenflug bei den deutschen Bonds zeigt. Das konterkariert natürlich alle Anstrengungen der Notenbanken, die Wirtschaft anzukurbeln.

Firmen horten Geld

Auch die US-Notenbank wird sich all diesen Zahlen nicht verschließen. Und daher wird sie in dieser Deflationsfalle das tun, was sie immer getan hat:

Sie wird den Markt irgendwann mit einem Quantitative Easing III überfluten. Die Überlegung: Wenn dann endlich irgendwann doch die Konjunktur anspringt, die Leute wieder mehr konsumieren und die Zinsen steigen, dann wird es für die Firmen unrentabel, das Geld zu bunkern.

S&P im Höhenrausch

Das sind letztlich gute Nachrichten für die Wall Street. Beim S&P 500 ist der Aufwärtstrend solange intakt, bis die Aufwärtstrendlinie bei rund 1370 Punkten fällt.

Wichtig ist hier: Topbildungen brauchen Zeit und können sich hinziehen. Vielleicht baut sich aber der Verkaufsdruck auch durch eine lange Seitwärts-Abwärts-Konsolidierung ab – und dann verpufft die überfällige Korrektur. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

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Heiko Seibel
Von: Heiko Seibel. Über den Autor

Jahrelang hat Chefanalyst, Diplom-Kaufmann und Master of International Economics Heiko Seibel in internationalen Brokerhäusern in Singapur und Hongkong gearbeitet und besucht noch heute regelmäßig Unternehmen in Südostasien. Sein Spezialbereich: CFDs.

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