Globaler Stahlmarkt 2012 – vorsichtiger Optimismus

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Nachdem die Stahlnachfrage im letzten Jahr gesungen ist, wird für 2012 wieder mit einem leichten Wachstum der Stahlnachfrage gerechnet. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Für 2012 erwartet die World Steel Association eine wachsende globale Stahlnachfrage.

Mit einem prognostizierten Wachstum von 5,4% wird die Nachfrage allerdings geringer sein als in den letzten beiden Jahren.

Das 4. Quartal 2011 war nicht nur in Europa, sondern auch in China durch eine geringere Stahlnachfrage und den Abbau von Lagerbeständen geprägt.

Kunden etwa aus der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der Metallverarbeitung deckten ihren Bedarf verstärkt aus den eigenen Lagern. Sie wollen auch vermeiden, mit überhöhten Lagerbeständen in eine mögliche Rezession hineinzugehen, wie es 2008 der Fall war.

Dennoch ist die Stahlwirtschaft bei allen Unsicherheiten positiv für 2012 gestimmt. Die Entwicklung der Rohstoffpreise sowie klima- und energiepolitische Rahmenbedingungen bleiben aber weiterhin Herausforderungen für die Branche.

Schwächerer Ausblick für die europäische Stahlindustrie

Die Stahlkocher haben auf die eingetrübte Nachfrage bereits reagiert. ThyssenKrupp, Salzgitter und auch Weltmarktführer ArcelorMittal haben ihre Hochöfen etwas zurückgefahren, um unter anderem die Preise zu verteidigen.

ArcelorMittal hatte vor Einbußen in den kommenden Monaten gewarnt. Und die Ratingagentur Moody’s hatte ihren Ausblick für die europäische Stahlindustrie gesenkt.

2012 wird der Preis für das Referenzprodukt Warmbreitbandstahl um 7 bis 12% gegenüber dem Durchschnittspreis aus dem Zeitraum von Januar bis September von 570 € je Tonne fallen.

Die Stahlproduzenten profitieren allerdings davon, dass wegen der schwächeren Nachfrage die Kosten für Rohstoffe wie Eisenerz und Kokskohle nicht weiter in die Höhe geschossen sind. Die Preise beider Rohstoffe haben sich stabilisiert. Zuvor sind die Preise für Feinerz seit Anfang 2010 um 200% und die für Kokskohle um 145% gestiegen.

Eiserner Ekki räumt auf

Kurz vor seinem Abgang erhielt der im Konzern als „eiserner Ekki“ bezeichnete Vorstandschef Ekkehard Schulz grünes Licht zum Verkauf der Edelstahltochter. Sie ist die letzte große Baustelle bei ThyssenKrupp.

Nach etwa 100 Jahren verabschiedet sich der Konzern vom Edelstahlgeschäft und verkauft Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu.

Mit dem Verkauf soll der Konzernumbau vorangetrieben werden. In den USA will ThyssenKrupp seinen Marktanteil von derzeit rund 12% mit einem neuen Werk ausbauen, von dem erste Teile Ende September 2011 in Betrieb gingen.

Die Lage bessert sich

Aurubis bleibt trotz Staatsschuldenkrise optimistisch. Die Hoffnungen sind gestiegen, dass sich die Lage in Südeuropa stabilisiert, sagte der seit Jahresanfang amtierende Vorstandschef Peter Willbrandt. Dann könnten sich die Auswirkungen auf die Realwirtschaft in Grenzen halten.

Für 2012 geht Aurubis von einem zufriedenstellenden Ergebnis aus. Im Geschäftsjahr 2011 hatte der Kupferkonzern kräftig am Aufschwung verdient. Der Umsatz kletterte wegen des hohen Kupferpreises, der zeitweise die Marke von 10.000 € übertraf, um mehr als ein Drittel nach oben. Für 2012 rechnet

Willbrandt mit weiterhin hohen Kupferpreisen. Voraussetzung ist, dass die Schwellenländer weiter wachsen. Davon geht Aurubis derzeit aus.

Der Konzern-Chef kündigte eine Fortsetzung der Strategie seines Vorgängers Bernd Drouven an, der das Unternehmen aus persönlichen Gründen zum Jahresende verlassen hatte.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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